19. Juli 2020 / 16:58 Uhr

Ex-96-Spieler Lars Ritzka: "Hatte immer den Steven-Cherundolo-Weg vor Augen"

Ex-96-Spieler Lars Ritzka: "Hatte immer den Steven-Cherundolo-Weg vor Augen"

Dirk Tietenberg
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Lars Ritzka vor dem Vereinsheim des TSV Limmer.
Lars Ritzka vor dem Vereinsheim des TSV Limmer. © Florian Petrow
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Lars Ritzka (22) ist Fußballprofi. Bei Hannover 96 scheiterte er knapp, nun stieg der Linksverteidiger mit dem SC Verl in der Relegation gegen Lok Leipzig in die 3. Liga auf und verlängerte seinen Vertrag. Auf der Klubterrasse seines Heimatvereins TSV Limmer spricht er nun über seinen Karriereweg.

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Lars Ritzka, Glückwunsch zum Vertrag und zum Aufstieg mit Verl. Was hätten Sie gemacht, wenn die Relegation schiefgegangen wäre? Zurück nach Limmer?

Nein. Im Ernst: Mein Berater hat das alles von mir ferngehalten. Gott sei Dank musste ich mir diese Gedanken nicht machen: Oh, verdammt, schon wieder umziehen, wieder eine neue Mannschaft, oder muss ich die Uni (Bielefeld) wieder wechseln? Ich war fokussiert auf Verl, und es ist gut ausgegangen.

Sie waren Pokalsieger mit der U19 unter Daniel Stendel, im Trainingslager mit demselben Trainer mit Profis in Jerez. Warum kam dann nichts mehr bei 96?

Ich hatte in den 96-Profitestspielen schon mal dran geschnuppert. Ich habe mich damals schon gefragt, warum ich es nicht gepackt habe. Aber der Weg über den SC Verl war dann völlig richtig. Ich habe den Traum nie aufgegeben. Und jeder sieht ja, dass man auch mit anderen Mannschaften in den Profibereich kommen kann.

Reich wird man nicht als Drittligaprofi, oder?

Ich verdiene gut. Es ist nicht so, dass ich zehn oder 15 Jahre spiele und danach nie wieder arbeiten muss. (Durchschnittsverdienst der 3. Liga 2019: 10 000 Euro pro Monat, d. Red.).

Lars Ritzka (links) im Einsatz für die Reserve von Hannover 96 gegen Eutin 08 im September 2017.
Lars Ritzka (links) im Einsatz für die Reserve von Hannover 96 gegen Eutin 08 im September 2017. © Otto Kasch
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Und womit verdienen Sie danach Ihr Geld?

Ich habe immer an einem Plan B gearbeitet, habe bei Lehrern nachgefragt, wie sie ihren Beruf leben und wie wohl sie sich fühlen. Jetzt studiere ich auf Lehramt Sport und Mathematik. Außenstehende fragen dann immer: Mathe? Wieso?

Wieso?

Es liegt mir einfach. Ich muss mich jedenfalls nicht quälen.

Zahlen oder Geometrie?

Sowohl als auch. Kleine Matherätsel mache ich ganz gern zwischendurch. Geometrie ist dieses Semester Thema in den Vorlesungen. Dreiecke konstruieren, eine zeichnerische Ebene haben, das ist interessant.

Fußball ist sowieso ein Leben in Dreiecken. Wohin zeigt Ihre Karrierekurve denn? Ist jetzt in der 3. Liga Schluss? Ziel erreicht?

Auf keinen Fall. Vielleicht mit dem Aufstieg in die 2. Liga. Einen Auslandswechsel könnte ich mir vorstellen. Da liegt aber jetzt nichts an, weil ich gerade den Vertrag verlängert habe. Wenn du mit 25 Jahren noch nicht oben angekommen bist, dann wird es unrealistisch. Mit Verl ist es super gelaufen. Ich bin im Profibereich. Und es ist noch nicht Schluss, ich will so hoch kommen, wie es geht.

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Im DFB-Pokal haben Sie mit Verl erst Augsburg, dann Kiel aus dem DFB-Pokal geworfen. Im Achtelfinale war mit 0:1 gegen Union Berlin erst Schluss. Was nimmt man mit?

Die Bestätigung. Es gibt einem das Gefühl, dass man sehr wohl mithalten kann gegen Profis aus der 1. oder 2. Liga. Auch als Mannschaft waren wir geschlossen nicht schlechter.

Wo wollten Sie landen, damals, als Jugendlicher beim TSV Limmer?

Es war immer mein Traum, in der Heimatstadt Profi zu werden. Ich hatte immer den Steven-Cherundolo-Weg vor Augen. Ein solider Außenverteidiger, macht nichts Außergewöhnliches, aber er macht seine Spiele, wird eine Vereinslegende, anschließend Trainer in der 96-Jugend. So sah meine Traumkarriere aus, mein Jugendtraum.

Und was wird daraus?

Wer weiß? Ich spiele vielleicht noch drei oder vier Jahre gut so weiter, dann hat 96 vielleicht Interesse. Abgeneigt wäre ich nicht unbedingt, das gebe ich zu.

96 braucht aber jetzt sofort gute Außenverteidiger.

Der Schritt von der 4. in die 2. Liga wäre vielleicht aktuell ein bisschen zu groß. Aber danke für das Angebot. (lacht) Ich versuche jetzt erst mal, in der 3. Liga eine gute Rolle zu spielen. Vielleicht sieht man 96 ja als Gegner bald wieder.

Doch nicht in der 3. Liga?

Bitte nicht. Aber vielleicht klappt’s in dieser Saison im DFB-Pokal.