22. Februar 2019 / 08:35 Uhr

Ex-96er Sergio Pinto im Interview: Kämpfen? "Kannst du lernen"

Ex-96er Sergio Pinto im Interview: Kämpfen? "Kannst du lernen"

Jonas Szemkus
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Sergio Pinto war Hannovers Aggressive Leader während der erfolgreichsten Phase der jüngeren Klubgeschichte.
Sergio Pinto war Hannovers "Aggressive Leader" während der erfolgreichsten Phase der jüngeren Klubgeschichte. © imago/Sven Simon
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96 steckt im Tabellenkeller fest, beim 0:3 in Sinsheim ließen die Profis wieder einmal Kampf und vollen Einsatz vermissen. Die Fans wünschen sich einen echten Kämpfer. Wir haben mit einem gesprochen: mit dem „Aggressive Leader” und Europa-Anführer Sergio Pinto (38), der von 2007 bis 2013 in Hannover spielte.

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SPORTBUZZER: Sie waren als Kämpfer bekannt, das fehlt 96 gerade. Kann man das lernen?

Ja! Ich war als Jugendlicher auch kein Kämpfer, das habe ich in meiner Karriere erst gelernt. Du lernst das, indem du irgendwann Verantwortung übernimmst, wenn du Vorbild bist auf dem Platz. Aber das musst du wollen. Mich brauchte nie einer besonders zu motivieren, vielleicht mal reizen. Aber als Fußballer hast du den geilsten Beruf der Welt – wenn du da Extra-Motivation brauchst, da stimmt doch dann was nicht. Wichtig ist, dass man immer alles gibt, was gerade in einem steckt.

Es ist ja einige Zeit her, dass Sie bei 96 waren. Tut die aktuelle Lage trotzdem weh?

Natürlich tut das weh, den Verein aus der Ferne so zu sehen. Ich war sechs Jahre lang in Hannover, meine Kinder sind dort geboren, da ist natürlich eine Verbindung. Es schmerzt, dass der Verein nicht mehr das verkörpert, was er zu unserer Zeit war: eine Einheit. Eine Einheit mit den Fans, mit den Verantwortlichen – das ist abhandengekommen. Es geht nur als Einheit, da kannst du so viel mehr schaffen. Auch manchmal Sachen, die unmöglich scheinen. Da ist ja gefühlt jede Woche neuer Ärger. Da sollten sich die Verantwortlichen hinterfragen, wie sie es wieder hinbekommen, dass alle gemeinsam an einem Strang ziehen.

Diese Termine sind fix! Der Bundesliga-Spielplan von Hannover 96 der Saison 2018/19

29. Spieltag (Samstag, 13. April 2019, 15:30): Borussia Mönchengladbach (H) Zur Galerie
29. Spieltag (Samstag, 13. April 2019, 15:30): Borussia Mönchengladbach (H) ©
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Was meinen Sie?

Ich bin natürlich nicht mehr so nah dran wie früher. Aber der Verein schafft es nicht, über einen längeren Zeitraum Ruhe zu haben. Da gibt es unheimlich viele Eitelkeiten von vielen Seiten. Vergangene Saison warst du Abstiegskandidat Nummer eins und hast es richtig gut gemacht, hattest nichts mit dem Abstieg zu tun – aber ruhig wird es trotzdem nicht. Dann will mal der Sportdirektor weg, da gibt es Ärger mit den Fans, dann steht sogar der Lizenzentzug im Raum… Wie sollen die Spieler da einen kühlen Kopf bewahren? Natürlich beschäftigt dich das auch als Profi, das ist doch nur menschlich.

Glauben Sie denn noch an den 96-Klassenerhalt?

Wenn alle wieder den Fokus auf Gemeinsamkeit und Zusammenhalt legen, ist es sicher möglich. Aber wenn du siehst, wer sich da unten tummelt, wird es nicht leicht. Teams wie Stuttgart oder Augsburg musst du immer auf dem Zettel haben. Gewinnst du mal zwei, drei Spiele am Stück, hast du direkt ein Polster. Aber wenn das die Konkurrenz macht, bist du abgehängt. Du musst endlich das Ruder rumreißen. Am besten gestern schon.

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