30. Oktober 2019 / 15:11 Uhr

Ex-Hansa-Kapitän und Pokalheld Jänicke: "Das Weiterkommen ist ein großes Geschenk für die Fans und das Umfeld"

Ex-Hansa-Kapitän und Pokalheld Jänicke: "Das Weiterkommen ist ein großes Geschenk für die Fans und das Umfeld"

René Warning
Ostsee-Zeitung
Tobias Jänicke - hier noch im Trikot des FC Hansa - schoss am Dienstagabend mit seinem Treffer zum 3:2 den 1. FC Saarbrücken in die dritte Runde des DFB-Pokals.
Tobias Jänicke - hier noch im Trikot des FC Hansa - schoss am Dienstagabend mit seinem Treffer zum 3:2 den 1. FC Saarbrücken in die dritte Runde des DFB-Pokals. © Bernd Wüstneck
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Der 30-Jährige haute mit seinem Treffer den 1. FC Köln aus dem DFB-Pokal. Mit dem 1. FC Saarbrücken will er weiter für Furore sorgen und in die 3. Liga aufsteigen.

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Was für ein Abend gestern für Tobias Jänicke! Kurz vor dem Ende der DFB-Pokalpartie seines 1. FC Saarbrücken gegen Bundesligist 1. FC Köln wird der 30-Jährige Ex-Kapitän des FC Hansa Rostock an der rechten Strafraumgrenze freigespielt. Der gebürtige Neubrandenburger schließt beherzt ab und trifft zum 3:2-Endstand. Der Viertligist ist eine Runde weiter und sorgt für eine Sensation. Die Freude bei den Saarländern und Jänicke kennt keine Grenzen.

Nur einen Tag später ist die Freude keinesfalls verflogen. Wie er und seine Kollegen gefeiert haben, wen er sich für die nächste Runde wünscht und was er noch mit dem FC Hansa zu tun hat, verrät Jänicke im Interview mit dem SPORTBUZZER.

Herr Jänicke, was war das Erste, was Ihnen heute nach dem Aufwachen in den Sinn gekommen ist?

Tobias Jänicke: Mir tat irgendwie alles weh und ich war sehr müde. Nach dem Spiel war ich, wie alle anderen, natürlich etwas aufgewühlt, musste dann noch zur Dopingkontrolle. Danach bin ich direkt nach Hause. Heute früh ging es dann schon wieder um 6:30 Uhr hoch, um die Kinder in die Schule und den Kindergarten zu bringen. Aber nach so einem Spiel macht einem das umso mehr Spaß.

Was haben Sie gedacht, als der Ball nach ihrem Schuss gestern im Netz zappelte?

Ich war im ersten Moment etwas überfordert. Für mich war das ein Auf und Ab, weil ich auch das 2:2 mitverschuldet hatte. Aber so konnte ich das wiedergutmachen. Mir war in dem Moment aber auch sofort klar, dass wir den Sieg über die Bühne bringen werden. Wir hatten das Überraschungsmoment, sind ans Limit gegangen.

Mit einem Tag Abstand: Was bedeutet der Abend für Sie und den 1. FC Saarbrücken?

Das ist vielleicht zu früh, um das zu beurteilen. Aber wir sind nun wegen der Berichterstattung verstärkt auf der Fußball-Landkarte zu sehen, auf dem Trainingsplatz waren auf einmal Fernsehteams mit dabei, wo es sonst eher ruhig bei uns ist. Für alle Fans, das Umfeld und die Mitwirkenden ist unser Weiterkommen ein großes Geschenk und löst natürlich Erinnerungen an große Zeiten aus. Der Verein hatte in der Vergangenheit mit Abstiegen und verpassten Gelegenheiten zu kämpfen, hat sich jetzt wieder nach oben gearbeitet. Wir als Team schieben die Gedanken um das Weiterkommen aber auf das Wochenende. Denn erstmal steht für uns das Topspiel gegen Elversberg an. Danach können wir alles sacken lassen.

Wen wünschen Sie sich denn für die nächste Pokal-Runde?

Also mir wäre ein attraktives und gleichzeitig schlagbares Los am Liebsten. Bayern und Dortmund, wenn sie heute gegen Gladbach weiterkommen, heben wir uns dann für das Finale auf (Jänicke lacht, d. Red.). Für uns als Amateurklub ist es so oder so eine Riesensache. Wir werden wieder eine tolle Kulisse haben und wollen einen tollen Fight liefern. Was am Ende bei raus kommt, werden wir dann sehen.

Haben Sie schon Glückwünsche aus ihrer Heimat erhalten?

Ja, und ich habe es noch nicht geschafft, allen zu antworten. Aber ich verspreche, dass ich mich noch bei allen melden werde.

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Pflegen sie generell noch Kontakte zu ihrem Ex-Klub FC Hansa, bei dem sie ausgebildet wurden?

Mittlerweile eher weniger. Es hat sich viel verändert, aus dem Kader von 2017 ist ja kaum noch einer dabei. Letztlich musste ich damals gehen und habe im Anschluss auch mit dem Kapitel weitestgehend abgeschlossen. Ich spiele sehr gerne in Saarbrücken. Mir und meiner Familie geht es sehr gut hier. Unsere Tochter Nahla geht hier in die Grundschule und unser Sohn Elijah in den Kindergarten.

Sie sind jetzt 30 Jahre. Der 1. FC Saarbrücken ist erst ihr vierter Verein. Was unterscheidet den Klub von den vorherigen Stationen?

Also in gewisser Weise unterscheiden sie sich fast gar nicht. Diese Stadt ist wie beispielsweise Rostock oder Dresden im Fußballfieber. Der Klub hat leidgeprüfte Fans, die sich nach besseren Zeiten in höheren Ligen sehnen. Zu den Auswärtsspielen sind auch immer viele Anhänger dabei. Das Klubumfeld ist mehr als regionalliga-tauglich, die Basis ist richtig top. Das war damals auch einer der Gründe, hierher zu wechseln.

Und wie lange wollen Sie noch machen?

Ein paar Jahre sehe ich noch vor mir. Ich bin gesund, fühle mich gut und bin wenig bis gar nicht verletzt. Darüber bin ich natürlich total froh.

Mit dem 1. FCS sind sie unangefochtener Tabellenführer und klar auf Aufstiegskurs. Wohin geht die Reise?

Wir wollten ja die letzten Jahre schon aufsteigen. Letztes Jahr war Mannheim zu stark. Aber in dieser Spielzeit muss es unser Anspruch sein, es zu packen. Nächstes Jahr spielen wir im umgebauten Ludwigspark. Es wäre schön, wenn es gleich ein Drittliga-Stadion ist. Sollten wir aufsteigen, kann hier richtig was losbrechen. Und ich bin optimistisch, dass das klappt. Wir haben einen Kader mit Perspektive und einen guten Altersschnitt.

Würde Sie dann lieber gegen Hansa spielen oder wünschen Sie ihrem Ex-Klub den Aufstieg?

Das ist keine einfache Frage. Natürlich würde ich mich freuen, wenn Hansa endlich wieder in der zweiten Liga spielen würde. Sie spielen oben mit und haben scheinbar realistische Chancen aufzusteigen. Auf der anderen Seite fände ich es natürlich super, wieder im Ostseestadion zu spielen, vor vielen Freunden, ehemaligen Wegbegleitern und enthusiastischen Fans. Darauf hätte ich auf jeden Fall Lust. Aber klar ist auch, dass unser Aufstiegskampf Priorität hat. Darauf liegt der volle Fokus.

Dies waren die offiziellen Hansa-Kapitäne seit Sommer 2000:

Peter Wibran: Der schwedische Publikumsliebling leitet seit 1. Januar 2016 die Nachwuchsakademie des schwedischen Zweitligisten Östers IF. Zur Galerie
Peter Wibran: Der schwedische Publikumsliebling leitet seit 1. Januar 2016 die Nachwuchsakademie des schwedischen Zweitligisten Östers IF. ©
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