15. November 2020 / 21:32 Uhr

Ex-Mainz-Coach Sandro Schwarz kritisiert Trainer-Geschäft: Arbeit wurde früher "inhaltlicher bewertet"

Ex-Mainz-Coach Sandro Schwarz kritisiert Trainer-Geschäft: Arbeit wurde früher "inhaltlicher bewertet"

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Für Sandro Schwarz ist das Trainer-Geschäft schnelllebig geworden.
Für Sandro Schwarz ist das Trainer-Geschäft schnelllebig geworden. © imago images/ITAR-TASS
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Knapp ein Jahr nach seiner Entlassung bei Mainz 05 hat Sandro Schwarz bei Dynamo Moskau eine neue Anstellung gefunden. Via "Kicker" kritisiert der ehemalige Bundesliga-Coach das schnelllebige Trainer-Geschäft.

Er galt einst als großer Hoffnungsträger des 1. FSV Mainz 05: Sandro Schwarz wurde als nächster Jürgen Klopp oder Thomas Tuchel gehandelt, die beide den Sprung von Mainz zu absoluten Top-Klubs geschafft haben. Stattdessen ereilte den heute 42-Jährigen nach der Karriere-Station Mainz die kurzzeitige Arbeitslosigkeit. Nach knapp zwei Jahren als Mainz-Chef wurde Schwarz nach einer 0:8-Niederlage gegen RB Leipzig und letztlich einer 2:3-Pleite bei Union Berlin entlassen. Nach etwas weniger als einem Jahr hat der gute Kumpel von Gladbach-Trainer Marco Rose nun wieder eine Anstellung als Trainer gefunden: Seit Oktober trainiert Schwarz den russischen Top-Klub Dynamo Moskau. In einem Interview mit dem Kicker hat sich der Coach nun kritisch über die Schnelllebigkeit des Trainer-Berufs geäußert.

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So müsse man als Trainer heutzutage "vorsichtig sein, welchen Weg man wählt", so Schwarz. Außerdem hätten "Trainer, die zweimal beurlaubt wurden, schnell einen Stempel drauf", insbesondere wegen der Sozialen Medien. Dies sei früher "gefühlt anders" gewesen, führte der Ex-Mainzer aus. "(...) Ich glaube: Als Trainer konntest du dir früher mehrere Schusswunden erlauben. Und du wurdest nicht so schnell in eine Schublade gesteckt", kritisierte der Dynamo-Coach. "Da wurde die Arbeit noch inhaltlicher bewertet. Auch medial."

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In Moskau, wo er neben Spartak-Trainer Domenico Tedesco der zweite deutsche Coach bei einem Klub der russischen Hauptstadt ist, wurde Schwarz Mitte Oktober Nachfolger des geschassten Kirill Novikow. Die ambitionierten Moskauer, bei denen bis vor kurzem der Neu-Wolfsburger Maximilian Philipp unter Vertrag stand, stehen in der russischen Liga nach 14 Spieltagen auf dem vierten Platz und haben fünf Punkte Rückstand auf Tabellenführer ZSKA Moskau. Nach einer Niederlage zum Start gegen den aktuellen Tabellenführer gewann die Schwarz-Elf die letzten drei Partien in Folge - am vergangenen Sonntag schlug Dynamo Bayerns Champions-League-Gegner Lokomotive Moskau im Derby mit 5:1. Am nächsten Samstag steht dann das deutsche Trainer-Duell gegen Tedesco und Spartak an.

Bei seinem neuen Klub fühlt sich Schwarz wohl - und ist auch mit seiner Entscheidung, Deutschland zu verlassen, glücklich: "Zuvor war ich fast immer im Rhein-Main-Gebiet. Ich wollte mal rausgehen, mein Spektrum erweitern. Für mich ist es der richtige Schritt", sagte der ehemalige Bundesliga-Coach. "Ich wollte mich nicht für eine Liga, eine Sprache oder gewisse Vereine begrenzen." Zudem gehe mit einer Auslandserfahrung auch eine "Persönlichkeitsentwicklung" einher.