15. Juni 2018 / 17:50 Uhr

Ex-Optik-Torhüter trainierte jahrelang Russland-Keeper Igor Akinfeev

Ex-Optik-Torhüter trainierte jahrelang Russland-Keeper Igor Akinfeev

Lars Sittig
Märkische Allgemeine Zeitung
Wjatscheslaw Tschanow, früher in Elstal, war lange Zeit Trainer des russischen WM-Keepers Igor Akinfeev.
Wjatscheslaw Tschanow, früher in Elstal, war lange Zeit Trainer des russischen WM-Keepers Igor Akinfeev. © imago
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WM-Teilnehmer Wjatscheslaw Tschanow stand in Rathenow zwischen den Pfosten kickte zuvor beim SASK Elstal.

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Die Glanzleistungen von Wjatscheslaw Wiktorowitsch Tschanow und seinen Vereinskollegen, die beim Sowjetischen Armeesportklub (SASK) Elstal kickten, hat Ingo Kahlisch bist heute nicht vergessen. „Das waren alles hervorragende Fußballer, das waren alles russische Erstligaspieler, die hier als Soldaten stationiert waren“, erinnert sich Kahlisch, in den frühen Neunziger Jahren genauso wie heute Trainer des Fußballvereins Optik Rathenow.

Mit Tschanow, der 1984 sogar einen Einsatz für die UdSSR-Nationalauswahl bestritt und 1982 bei der WM in Spanien im Kader stand, hatte der Club aus dem Westhavelland auf und neben dem Platz einen Volltreffer gelandet. Kahlisch: „Er war einer der besten Menschen und Sportler, die ich je kannte. Er ist ja ein paar Jahre älter als ich und war ein Profi vor dem Herrn, ein super Mensch. Als er hier weg musste, hat er Tränen geheult. Selbst mit 38 Jahren war er noch überragend im Tor. Ohne ihn wären wir nie in die Regionalliga aufgestiegen.“

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Der Auslöser für das Gastspiel des Ausnahme-Keepers: Ab 1988 war der damals 37 Jahre alte Tschanow – wie viele andere Top-Athleten unterschiedlichster Sportarten – als Angehöriger der sowjetischen Armee in der DDR stationiert und spielte während dieser Zeit im Sport-Klub der Gruppe der Sowjetischen Streitkräfte in Deutschland. Wenn man so will, waren Tschanow und Co. ganz frühe Botschafter des sowjetischen und russischen Fußballs, der in diesen Tagen als WM-Gastgeber in den Fokus der Welt gerät. Heimstatt war das Olympische Dorf in Elstal, noch heute finden sich dort die Spuren eines ganz besonderen deutsch-russischen Sportkapitels.

Tschanow trainierte Igor Akinfeev

Tschanow war nach seiner Rückkehr nach Russland lange Torwarttrainer des russischen WM-Keepers Igor Akinfeev bei ZSKA Moskau. „Vor drei, vier Jahren hat er uns besucht. Seither ist der Kontakt leider etwas abgebrochen“, berichtet Kahlisch. Die Erinnerungen an die SASK-Sportler aber sind geblieben.

Auch beim Geschichtsverein Historia Elstal sorgt der SASK seit langem für großes Interesse. „In den Sechziger Jahren entstand eine Ausbildungsstätte für Hochleistungssportler der sowjetischen Streitkräfte“, berichtet Eckhard Bärensprung, „zu diesen Sportlern gehörte unter anderem auch die Weitsprung-Weltrekordlerin Galina Tschistjakowa.“ Für die Hochleistungssportler wurde ein Handball- und Basketballplatz angelegt. Der Sportplatz, die Turnhalle sowie die Schwimmhalle dienten ebenfalls, aber nicht ausschließlich, den sowjetischen Sportlern als Trainingsstätten.  Bärensprung: „Hier durften auch die Sportler der Sportvereine umliegender Gemeinden trainieren. Ansonsten gab es aber wenig Kontakte zwischen den Angehörigen der sowjetischen Streitkräften und der Elstaler Bevölkerung.“

SASK spielte gegen Topvereine

Das sowjetische Fußballteam des SASK aber hatte regelmäßig Kontakt zu anderen Kickern: Das Ensemble trat wegen seiner enormen  Qualität häufig als Testgegner von Oberliga-Vertretungen wie dem BFC Dynamo, 1. FC Magdeburg und Union Berlin sowie Mannschaften aus der DDR-Liga, der zweithöchsten Spielklasse, an. Regelmäßig spielten die begehrten Akteure für Clubs in Liga zwei – bis der DDR-Fußballverband 1983 den Einsatz in den beiden obersten Spielklassen untersagte. Drittligisten aber vertrauten weiter gerne auf die Dienste der Kicker aus dem Osten.

Hans-Heinrich Rathjen, der Besucher mit Vorträgen in die Geschichte des Dorfes einweiht, berichtet: „Der ZSKA Moskau war mit seiner Fußballmannschaft in Elstal zu Gast. Betrieben wurden neben Fußball folgende weitere Sportarten: Wasserball, Schwimmen, Handball, Volleyball, Leichtathletik, Ringen, Gewichtheben, Boxen, Radsport und Moto-Cross.“

Das Handballteam spielte in der Bezirksliga Potsdam – der dritthöchsten Spielklasse im DDR-Ligensystem – war aber nicht aufstiegsberechtigt. 1971 wurde die Vertretung Bezirksmeister. Mit dem Abzug der sowjetischen Truppen wurde der Club Anfang der Neunziger Jahre aufgelöst.

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