26. Juli 2020 / 16:35 Uhr

Ex-Stein-Youngster Philipp Harder: "Das Spiel am College ist intensiver"

Ex-Stein-Youngster Philipp Harder: "Das Spiel am College ist intensiver"

Christopher Hahn
Kieler Nachrichten
Ex-TSV Stein- und Eidertal-Kicker Philipp Harder bei seiner Unterschrift an der Westcliff University (li.) und im Trikot des Young Harris College (re.). 
Ex-TSV Stein- und Eidertal-Kicker Philipp Harder bei seiner Unterschrift an der Westcliff University (li.) und im Trikot des Young Harris College (re.).  © Philipp Harder
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College-Soccer: Philipp Harder hat es von der Landesliga zu einem Stipendium in den USA geschafft - 21-Jähriger erzählt von den Unterschieden zum heimischen Fußball und Chancen für junge Kicker

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Von deutschen Fußballplätzen in die Welt. Von Norddeutschland über den großen Teich. Vom TSV Stein mit einem Stipendium zum College-Fußball in den USA. Philipp Harder lebt den Traum zahlreicher junger Kicker.

Als Mittelfeldspieler verbrachte er nicht nur seine Jugend bei der SpVg Eidertal Molfsee, sondern stieg mit dem Liga-Team in die Landesliga Holstein auf, bevor er über ein Stipendium an das Young Harris College in Georgia wechselte. Anders als in Deutschland, ist der Sport über die Highschools und Universitäten geregelt. Die Profiligen draften die Spieler aus dem College. Ein Sprungbrett also für viele begabte Fußballer, die nebenbei eine Universitätsausbildung wahrnehmen möchten.

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Der 21-Jährige Sophomore (Bezeichnung für das zweite Studienjahr), der seine ersten beiden Jahre in der NCAA (National Collegiate Athletic Association) verbracht hatte, wird zur kommenden Saison an der Westcliff University in Irvine, unweit von Los Angeles, anheuern, um dort in der NAIA (National Association of Intercollegiate Athletics) sein Bestes zu geben. Von den Mountain Lions zu den Warriors.

Bis die Saison in den Staaten im August wieder beginnt, trainiert der Offensive Mittelfeldspieler beim TSV Klausdorf. Schon im vergangenen Jahr gab es zwischen Philipp Harder und dem TSV Stein ein kurzes Stelldichein, um dort in drei Spielen drei Tore zu verbuchen und die Aufstiegs-Saison einzuleiten.

Im Interview mit dem Sportbuzzer Kiel berichtet der talentierte Mittelfeld-Akteur über seine Erfahrungen aus dem College-Fußball, die Unterschiede zu den heimischen Ligen und Kontakten zu Bundesligisten:

SPORTBUZZER: Moin Philipp, erstmal Glückwunsch zum Stipendium am Young Harris College in Georgia und dem baldigen Wechsel zur Westcliff University. Du lebst den Traum vieler heimischer Fußballspieler, was würdest du Ihnen auf diesem Weg mitgeben?

Phlipp Harder (21): Moin und danke schon mal! Ich würde Ihnen raten, sein Ziel nicht aus den Augen zu verlieren und immer mit Spaß bei der Sache zu sein. Auch, wenn es mal nicht so läuft.

Mittlerweile ist es nicht mehr ganz so ungewöhnlich, dass deutsche Spieler ihr Land für den Fußball verlassen. Hast du ein Angebot des Young Harris College bekommen oder hast du dich beworben und vorgespielt?

Mittlerweile gibt es in Deutschland viele Agenturen, die sich mit der Vermittlung von Sport-Stipendien beschäftigen. Mithilfe so einer Agentur konnte ich einige Angebote von Colleges aus den USA bekommen. So kam auch der Kontakt zu Young Harris und zur Westcliff University zustande.

Es gab zu deiner Zeit in Deutschland auch schon Angebote von Bundesligisten, stimmt das?

Ja, es gab früher einmal Kontakt, richtig konkret, geschweige denn ein Angebot, gab es aber nie.

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In deiner Zeit in Schleswig-Holstein hast du vorher bei der SpVg Eidertal Molfsee in der Verbands- und Landesliga, in der Jugend bereits SH-Liga gespielt. Inwieweit hat dir die Ausbildung geholfen?

Es hat natürlich geholfen, aber das Level des Spiels und die Möglichkeiten in Amerika haben mich noch einmal positiv überrascht. Außerdem gibt es einige Unterschiede vom College-Fußball zum europäischen Spiel, an die man sich am Anfang erstmal gewöhnen muss.

Die da wären?

Erstmal ist die Saison kürzer. Es wird von August bis Dezember gespielt, sodass man oft dreimal pro Woche aufs Feld muss. Außerdem läuft die Uhr von 90min rückwärts runter und wird bei Verletzungen etc. angehalten, sodass man mehr Netto-Spielzeit hat. An sich ist das Spiel viel intensiver und physischer in den Staaten, aber halt nicht so taktisch wie in Deutschland. Die Regeln erlauben auch, dass man nach einer Auswechslung wieder eingewechselt werden darf, sodass man wieder ausgeruht auf den Platz kann.

Das Amateurfußball-Bündnis #GABFAF berichtet regelmäßig über Probleme bei Amateurvereinen. Hier eine Auswahl an Klubs, die davon profitiert haben:

Der Traditionsverein Sparta Göttingen gewinnt die 2000 Euro aus der #GABFAF-Vereinskasse. Zur Galerie
Der Traditionsverein Sparta Göttingen gewinnt die 2000 Euro aus der #GABFAF-Vereinskasse. ©

Von einem auf den anderen Tag in einem fremden Land, wie waren da die ersten Tage als Rookie am College?

Um ehrlich zu sein wird es einem wirklich leicht gemacht. Vom Moment der Landung am Flughafen wird sich bestens um einen gekümmert. Sportler haben an der Universität ein hohes Ansehen und es wird einem geholfen, wo es nur geht. Außerdem trifft man Leute aus aller Welt, die alle in derselben Situation sind, wie man selbst. Ich hatte das Glück, dass mit mir noch drei weitere Deutsche an der Uni waren, die die Eingewöhnung nochmal einfacher gemacht haben.

Purple Mountain Lions: Das Young Harris College präsentiert sein Soccer-Roster. 
Purple Mountain Lions: Das Young Harris College präsentiert sein Soccer-Roster.  © Young Harris College

Für viele Kicker geht es vom College in die MLS (Major League Soccer) oder in andere Profiligen. Wo willst du hin und was ist dein Ziel?

In erster Linie versuche ich einfach, die Zeit zu genießen und einen vernünftigen Abschluss zu machen. Darüber hinaus versuche ich täglich. alles zu geben und das Beste aus mir heraus zu holen.

Aktuell hältst du dich beim TSV Klausdorf in der Landesliga fit, solange du noch in Deutschland verweilst. Wie unterscheidet sich das vom Niveau und der Intensität in den Staaten?

Schwer zu sagen. Auch in den Staaten gibt es große Unterschiede zwischen den einzelnen Ligen und Mannschaften. Am College ist es gefühlt wie in einer U23 Mannschaft, da fehlt manchmal die Erfahrung, die viele ältere Spieler hier haben. Mir wurde, als ich den Schritt gemacht habe, gesagt, dass das Niveau mit einem gehobenen Oberliga- oder unteren Regionalliga-Niveau vergleichbar ist, das kann ich so in etwa bestätigen.

Abschließend: Gibt es einen Fußballer, den du als Vorbild siehst und der dich motiviert und inspiriert?

Ein wirkliches Vorbild habe ich nicht, aber Fernando Torres war zu Liverpool-Zeiten mein absoluter Lieblingsspieler, weil ich seinem Spielstil super gern zugesehen habe.