15. Oktober 2020 / 17:18 Uhr

Ex-Tennisprofi Becker gut gelaunt beim Legenden-Talk in Dessau

Ex-Tennisprofi Becker gut gelaunt beim Legenden-Talk in Dessau

Stephanie Riedel
Leipziger Volkszeitung
Bobbele
Becker plaudert aus dem Nähkästchen: schlagfertig und mit Witz. © Thomas Steinberg
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Der ehemalige Tennis-Champion Boris Becker stand am Mittwochabend bei der Veranstaltung „Anhalt Sport trifft Legenden“ in der Bauhausstadt Dessau seinen Mann. Der dreimalige Wimbledonsieger berichtete über sein Leben als Leistungssportler, seinen schlimmsten Gegner und seine Wehwehchen im Alter.

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Dessau. Boris Becker ist Globetrotter. Leimen seine Heimat. London sein zu Hause. New York ein beliebtes Reiseziel. Next Stop: „Anhalt Sport trifft Legenden“. Der sechsfache Tennis-Grand-Slam-Sieger sprach im Golfpark Dessau über sein Lebenswerk, er trat schlagfertig, gut gelaunt und mit Anekdoten vor Publikum auf, das sich begeistern ließ.

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Mit drei Jahren schwang Becker erstmals den Schläger. Mit Talent gesegnet vergeigte er ausgerechnet die erste DTB-Sichtung. Doch schon mit 16 klingelten erste Agenten im Hause Becker. Nach dem Motto. „Was kostet ihr Sohn“, sollte der Kaderspieler unter Vertrag genommen werden. Das schmeckte den Eltern Elvira und Karl-Heinz nicht. Einzig sein langjähriger Coach und Manager Ion Tiriac schaffte es bis in Heiligtum der Beckerschen Küche und versprach auf den emotionalen Heißsporn Becker aufzupassen wie auf seinen eigenen Sohn.

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Dann ging es steil aufwärts. Die damals untypische Spielweise – Serve und Volley mit eingestreuten Stopps – brachten Becker nach oben. Auch sein risikoreiches Spiel. „Über Risiko habe ich mir nie eine Platte gemacht.“ Motto: Niemals aufgeben.

Noch immer hält er den Rekord: jüngster Wimbledon-Sieger mit 17 Lenzen, als Dark-Horse, als erster Deutscher. Wie hat er das als Jungspund erlebt? „Mein Glück war, dass ich nicht mitbekommen habe, wie außergewöhnlich das war. Mein Englisch war reduziert“, erklärt der 52-Jährige schmunzelnd. „Aber: Ein Traum ging in Erfüllung. Um man weiß, dass man der Beste im Job ist.“

Selbst sein schlimmster Feind

Den erfüllte er aber nicht im Wimbledon-Finale 1990 gegen den Schweden Stefan Edberg. Denn Boris war auf Schlaftabletten. „Die habe ich zu spät eingenommen. Ich bin erst 11.30 Uhr aufgewacht.“ 14 Uhr musste er auf dem Center Court stehen. Während der Leimener selbst zu langsam unterwegs war, „waren die Bälle zu schnell, das Spiel zu schnell“, blickt er 30 Jahre später zurück.

Sein außergewöhnlichstes Spiel bestritt Boris Becker 1987 im Davis Cup gegen John McEnroe. Beide lieferten sich ein Duell über sechseinhalb Stunden im Hexenkessel vor 16 .000 Fans in Los Angeles. Becker hatte die Zuschauer gegen sich. „Das hat mich motiviert und ich bin über meine Grenzen gegangen“. Der Sieg ging an Deutschland.

Sein schlimmster Gegner sei er selbst gewesen. „Am Morgen im Spiegel. Ich war mein schlimmster Feind.“ Der Gegner auf dem Platz sei nur Teil des Spiels gewesen. Nach dem Karierende 1999 blieb Becker Teil des Tennis-Zirkus, ab 2013 coachte er Novak Djokovic. „Ich bin verdammt ehrlich, auch als Trainer. Das hat mich selbst weitergebracht.“ Und seinen Schützling. Den führte er zu sechs Grand-Slam-Siegen. Nach drei Jahren war es an der Zeit weiterzuziehen. „Das Buch war zu Ende gelesen“, kommentiert Becker heute. Beide stehen nach wie vor in Kontakt, respektieren und mögen sich.

Leiden des nicht mehr so jungen Becker

Mitunter ist es heute etwas ruhiger um den Tennis-Champion, wären da nicht die wiederkehrenden Schlagzeilen um seine finanzielle Situation. Er selbst meint: „Im Alter wird es weniger hektisch und öffentlich.“ Wenn er nicht bei Eurosport die Grand-Slams als Experte kommentiert, widmet er sich seiner Stiftung Laureus Sport for Good, die sportliche Sozialprojekte fördert. Seine Hauptaufgabe seien aber seine vier Kinder. Er sei stolz, in deren Leben eingebunden zu sein.

Wie steht es um (körperliche) Leiden des nicht mehr ganz so jungen Becker? „Ich bin noch absolut okay, kann alles noch.“ Allerdings sei er Hochleistungssportler und Einzelkämpfer gewesen, da bleiben „Kriegsverletzungen“ nicht aus. „Man zahlt einen hohen Preis. Als Tennisspieler musst du selber bis zum letzten Punkt kämpfen. Das geht nicht nur auf die Knochen, auch auf den Geist.“

Wäre er jetzt 17 – würde er gern noch mal so im Rampenlicht stehen? „Soll ich das Licht ausknipsen? Ja, ich möchte alles noch mal genauso haben.“