19. Februar 2021 / 15:43 Uhr

Ex-VfL-II-Coach Ziehl: "Ich muss keinen Klub mit der Brechstange auswählen"

Ex-VfL-II-Coach Ziehl: "Ich muss keinen Klub mit der Brechstange auswählen"

Benno Seelhöfer
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Hält sich bereit für einen neuen Klub: Ex-VfL-II-Coach Rüdiger Ziehl.
Hält sich bereit für einen neuen Klub: Ex-VfL-II-Coach Rüdiger Ziehl. © Britta Schulze
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Seit dieser Saison ist Rüdiger Ziehl nicht mehr Coach des Fußball-Regionalligisten VfL Wolfsburg II. Einen neuen Klub hat der Fußballlehrer zwar noch nicht gefunden, für Nervosität sorgt das bei ihm aber nicht. Auch wenn er sagt: "Ich habe natürlich schon gedacht, es geht schneller."

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Im Sommer hatte Rüdiger Ziehl den VfL Wolfsburg II verlassen, für ihn übernahm Henning Bürger das Traineramt beim Fußball-Regionalligisten. Seitdem ist es ruhig um den gebürtigen Zweibrückener geworden, der insgesamt elf Jahre lang bei den Grün-Weißen tätig war. Im Juli 2020 gab es Gerüchte um ein Engagement des Coaches beim Regionalligisten Chemnitzer FC, seitdem folgten noch weitere Gespräche, aber einen neuen Klub hat der Coach noch nicht gefunden, das passende Angebot war noch nicht dabei. Aber er hält sich bereit. Körperlich und geistig.

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"Ich war im Sommer kurz mit Chemnitz in Kontakt", verrät Ziehl, der seit 2020 auch Fußballlehrer ist, jetzt im Gespräch mit dem SPORTBUZZER. "Danach gab es noch Gespräche mit einem Regionalligisten nahe meiner Heimat, aber da habe ich abgesagt, weil ich noch auf Angebote aus der 2. oder 3. Liga warten wollte." Es gab Kontakt zu einigen Klubs, es gab Gespräche, einen neuen Klub hat Ziehl aber noch nicht. Stolpersteine: Corona und angeblich mangelnde Erfahrung.

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Fehlende Erfahrungen im Abstiegskampf als Manko

"Bei Vereinen, die den Trainer wechseln, ist es meistens der Fall, dass sie im Abstiegskampf sind. Und da höre ich dann als K.o.-Kriterium, dass ich Abstiegskampf noch nie erlebt habe. Das ist so ein bisschen das Dilemma im Moment", berichtet der Ex-VfL-Coach. "Oder es wurde sich für einen anderen Trainer entschieden, weil der schon einen Traditionsverein trainiert hat. Auch das kam schon vor." Mit den Wolfsburgern, mit denen Ziehl zweimal in Folge haarscharf den Aufstieg in die 3. Liga verpasst hat, war er quasi zu erfolgreich. "Ich halte dann dagegen, dass es am Ende darum geht, Spiele zu gewinnen, ein Team führen zu können - egal ob oben oder unten. Und das habe ich mit meinen Mannschaften unter Beweis gestellt. Deshalb waren wir auch immer erfolgreich."

Das zweite Stolpersteinchen: Wegen der Pandemie fehlt der persönliche Kontakt, es ist etwas schwieriger, Drähte zu legen. "Man kann sich nicht einfach mal so mit jemandem treffen, das macht vieles schwieriger. Außerdem war es im Sommer noch möglich, Spiele im Stadion zu gucken, da war ich an jedem Wochenende unterwegs", berichtet der Coach. "Das ist natürlich momentan bitter, dass das aktuell nicht möglich ist."


Nicht um jeden Preis einen neuen Job annehmen

Und so bleibt dem Ex-Wolfsburg-Trainer vor allem das Studium der potenziellen neuen Arbeitgeber vor dem Fernseher oder dem Rechner. "Ich muss informiert sein, um zu wissen, wie die Mannschaften aufgestellt sind, damit ich, falls sich eine Tür öffnet, in der Materie bin." Aber auch ohne neuen Klub ist Ziehl bestimmt nicht langweilig, Lager-Koller hat er keineswegs. "Ich habe eine Familie, zwei Kinder. Ich habe die Zeit jetzt auch sehr genossen. Dazu war ich sehr viel laufen, ich fühle mich extrem fit."

Doch auch trotz der positiven Seiten der Auszeit betont Ziehl: "Es muss jetzt auch irgendwo weitergehen." Aber: nicht um jeden Preis. "Es ist nicht so, dass ich zu Hause sitze und nervös bin. Ich habe natürlich schon gedacht, es geht schneller, dass ich einen neuen Verein finde. Aber ich muss keinen Klub mit der Brechstange auswählen. Es muss dann auch passen."

Lage beim VfL Wolfsburg II "überraschend"

Außerdem verfolgt Ziehl, der noch immer in Wolfsburg wohnt, die Situation bei seinem Ex-Team. Und hält Kontakt zu seinen ehemaligen VfL-Kollegen. "Mit Co-Trainer Ton Lokhoff habe ich mich regelmäßig getroffen, auch mit Videoanalyst Sascha Simon bin ich im regen Austausch." Dass es für das Regionalliga-Team derzeit eher gegen den Abstieg als um den Aufstieg geht, ist auch für Ziehl "überraschend. Dass es so kommt, hat keiner erwartet. Klar wurde die Mannschaft verjüngt, aber das war in jedem Jahr so, dass die Besten weggegangen sind. Ich denke, man sieht, dass es kein Selbstläufer ist."