08. Oktober 2014 / 16:21 Uhr

Exklusiv-Interview im Sportbuzzer mit Jamal Engel

Exklusiv-Interview im Sportbuzzer mit Jamal Engel

Torsten Teichert
Leipziger Volkszeitung
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FC-International-Geschäftsführer über Abschied aus Leutzsch, neue Aufgaben und sportliche Perspektiven

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Jamal Engel ist seit einigen Tagen Geschäftsführer des neugegründeten Sachsenligisten FC International Leipzig. Der 44-Jährige war Führungs- und Reizfigur der in die Insolvenz gegangenen SG Sachsen Leipzig. Torsten Teichert sprach mit Engel über den Abschied aus Leipzig-Leutzsch, die anstehenden Aufgaben im Mariannenpark und die sportlichen Perspektiven des "etwas anderen Vereins".   

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Der Name Jamal Engel wird natürlich mit dem grün-weißen Fußball in Leipzig-Leutzsch in Verbindung gebracht, das Insolvenzverfahren "Ihrer" SG Sachsen läuft. Gibt es für Sie noch Berührungspunkte?

Jamal Engel: "Das ist Vergangenheit, ich habe mit dem Kapitel abgeschlossen. Ich habe beim FC International eine neue Aufgabe, hier gibt es viel zu tun. Ich soll den Vorstand im Tagesgeschäft entlasten, Strukturen schaffen."

Nun mal ein bisschen langsam. Ein bisschen Herzschmerz wird es doch nach den vielen Jahren in Leutzsch gegeben haben?

"Ja, natürlich. Ich bin dort schließlich groß geworden. Ich habe im Alfred-Kunze-Sportpark gespielt, war Trainer, verantwortlicher Funktionär..."

...und eine Reizfigur!

"Sicher. Aber das ist doch normal, wenn man in der Öffentlichkeit steht, noch dazu bei einem so polarisierenden und emotionalem Thema. Da gibt es eben auch Gegenwind. Ich konnte damit aber immer gut umgehen. Und: Jede Station im Leben prägt, bringt einen voran."

Welche konkreten Aufgaben haben Sie denn nun beim FC International?

"Es ist ein junger Verein, da muss ganz viel noch aufgebaut werden. Die normale Vereinsarbeit soll mit sozialen Projekten verzahnt werden. Ich bin auf der Suche nach Sponsoren und qualifiziertem Personal. Wir benötigen Übungsleiter und einen Nachwuchsleiter, der diesen Bereich steuert. Wir wollen in den angrenzenden Stadtteilen Sport anbieten, zu den Kindern gehen – und sie sollen zu uns kommen. Wir wollen Betreuung organisieren, beispielsweise auch Deutschunterricht. Die besondere Idee, Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund zu integrieren, stößt auf offene Ohren. Der Verein wird schon jetzt nicht nur von Hauptsponsor CG Gruppe unterstützt, über zehn Sponsoren sind dabei."

Trotz des besonderen integrativen Ansatzes,  es gibt auch viele für einen Fußballverein normale Themen. Es existiert für vier Junioren-Teams eine Spielgemeinschaft mit dem ESV Delitzsch, nur eine eigene D-Jugend in der 2.Kreisklasse ist im Spielbetrieb. Wie schnell wächst der Nachwuchs im Mariannenpark?

"Wir haben eine große Trainingsgruppe mit fast 30 Kindern und Jugendlichen, es kommen ständig Neue dazu. Wir wollen möglichst schnell drei Gruppen für die E-, F- und eben diese D-Jugend bilden. Und dann möglichst schnell viele Nachwuchsmannschaften an den Start bekommen. Wir stehen beispielsweise auch noch ohne Schiedsrichter da, auch um dieses Thema kümmere ich mich. Schiedsrichter sind herzlich willkommen,  für Einsteiger wird der Verein die Ausbildungskosten übernehmen."

Wie wichtig ist der sportliche Erfolg der Männer-Mannschaft für den Gesamtverein?

"Immens wichtig. Er gibt uns öffentliche Aufmerksamkeit, diese Plattform können und werden wir für die sozialen Projekte nutzen. Und die Spieler der Ersten sind offen für die soziale Arbeit. Wenn Kicker aus unserer Herren-Mannschaft im Rabet mit den Kindern Fußball, da ist dort volle Hütte. Solche Kooperationen wollen wir ausbauen. Wir haben Anfragen von Schulen und Kindergärten. Wo die Entwicklung des Vereins und eben auch der Ersten hinführt, das hängt davon ab, welche Voraussetzungen wir schaffen."

Platz eins am Saisonende – wäre das ein Fluch oder Segen?

"Oh, darüber mache ich mir momentan keine Gedanken. Es sind sieben Spieltage absolviert, wir haben einen tollen Start hingelegt. Wir haben ganz andere Themen derzeit. Wir warten auf Strom und den Telefonanschluss im Büro. Wir sind froh, dass der Hauptsponsor uns drei Container aufstellen wird – als Büro, Umkleidekabine und Dusche."

Schließt die Funktion des Geschäftsführers auch die Rolle des Sportdirektors mit ein?

"Nein. Heiner Backhaus ist Trainer und Sportdirektor. Er ist auch Vorstandsmitglied und für das gesamtsportliche Konzept zuständig."

Geld schießt keine Tore. Aber mit Geld kann man sich Spieler verpflichten, die Tore schießen. Die Mannschaft ist Spitzenreiter – also besonders teuer?

"Wir liegen in Bezug auf die Kosten für unser Team im unteren Drittel der Liga. Es ist eine Mischung aus Hobbyfußballern und Vertragsamateuren. Bei diesem Status müssen übrigens mindestens 250 Euro gezahlt werden. Von dem Geld, das wir zahlen, kann keiner leben. Wir zahlen angemessen für diese Liga."

Was reizt die Kicker denn dann am FC International?

"Es sind überwiegend junge Leute, die sich präsentieren wollen. Es sind erfolgshungrige und talentierte Fußballer, sie können sich empfehlen. Es ist Amateurfußball, aber immerhin der Beginn des leistungsorientierten Bereichs. Es ist  ein bunt zusammengewürfelter Haufen mit Kickern aus zehn Ländern. Die Trainingssprache ist englisch und ein wenig spanisch. Hut ab vor Heiner Backhaus, wie er diese Mannschaft auf so einem Niveau hält. Das kann nur jemand, der die Welt schon als Fußballer erlebt hat."

Bei Heimspielen kommen 200 bis 300 Zuschauer. Zufrieden?

"Ja, na klar. Das ist doch ein guter Anfang. Bisher ist der Eintritt frei. Es wird aber noch eine Vorstandsentscheidung geben, wann wir Eintritt für bestimmte Spiele verlangen werden. Der Sicherheitsaufwand ist manchmal ja auch höher."