17. November 2017 / 06:00 Uhr

Exklusiv-Interview mit BVB-Star Dahoud: „Ich bin sehr traurig, wenn ich Bilder aus Syrien sehe“

Exklusiv-Interview mit BVB-Star Dahoud: „Ich bin sehr traurig, wenn ich Bilder aus Syrien sehe“

Robert Hiersemann
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Mahmoud Dahoud wechselte in diesem Sommer von Borussia Mönchengladbach zu Borussia Dortmund.
Mahmoud Dahoud wechselte in diesem Sommer von Borussia Mönchengladbach zu Borussia Dortmund. © Imago
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Borussia Dortmunds Mittelfeldspieler Mahmoud Dahoud spricht über seine Heimat Syrien, die sportliche Krise seines Vereins und den Traum, irgendwann für die deutsche Nationalmannschaft zu spielen.

Mahmoud Dahoud ist der erste und einzige Bundesliga-Profi, der aus dem kriegsgeplagten Syrien stammt.

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Er war noch ein Baby, als die Familie nach Deutschland kam. Heute, 20 Jahre später, ist er ein Fußballstar. In diesem Sommer wechselte der hochtalentierte Mittelfeldspieler für satte 12 Millionen Euro von Borussia Mönchengladbach zum Champions-League-Vertreter Borussia Dortmund. Doch er blieb bisher – genau wie sein Verein – hinter den Erwartungen zurück. Der U21-Nationalspieler absolvierte bislang nur 537 von möglichen 1620 Einsatzminuten für Dortmund.

Im Interview spricht Dahoud, der aus der nordsyrischen Stadt Amude kommt, über seine Heimat Syrien, die sportliche Krise des BVB und seinen großen Wunsch, bald für die deutsche A-Nationalmannschaft zu spielen.

SPORTBUZZER: Herr Dahoud, Sie wurden in Syrien geboren. Ein durch Krieg gezeichnetes Land, aus welchem bis heute fast täglich tragische Geschichten auch bei uns in Deutschland in den Nachrichten zu sehen sind. Wie gehen Sie damit um, wenn Sie abends auf der Couch sitzen und diese schlimmen Schicksale sehen?

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Mahmoud Dahoud: Ich bin sehr traurig, wenn ich Bilder aus Syrien sehe. Mein größter Wunsch wäre, dass dort Frieden und Ruhe einkehrt, vor allem für die Menschen, die sehr viel Leid ertragen mussten.

Helfen Sie den Menschen in Ihrer Heimat?

Meine Familie und ich versuchen immer wieder, mit Aufmerksamkeiten unsere Verwandten und Freunde vor Ort zu unterstützen. Damit wollen wir ihnen Mut machen und zeigen, dass wir sie nicht vergessen haben.

Sie sind in Amude geboren worden, einer 47.000-Einwohner-Stadt an der Grenze zur Türkei. Sie könnten möglicherweise auch für die syrische Fußball-Nationalmannschaft spielen. Warum haben Sie sich für die deutsche Auswahl entschieden?

Ganz einfach weil ich in Deutschland aufgewachsen bin und mich als Deutscher fühle. Außerdem bin ich durch die Vereine und Verbände hier gefördert worden und spiele schon seit der U18 für Deutschland.

Liebäugeln Sie denn nicht damit, für die A-Nationalmannschaft Syriens zu spielen?

Nein, ein Verbandswechsel steht für mich nicht zur Debatte. Es ist ein Traum von mir, irgendwann für die deutsche Nationalmannschaft zu spielen. Wenn ich meinen Weg so weitergehe wie bisher, werde ich das auch irgendwann schaffen.

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Sie sind ein wichtiger Bestandteil des U21-Nationalteams, beim BVB hingegen standen Sie zuletzt gegen den FC Bayern nicht mal im Kader, und dass, obwohl Sie fit waren. Haben Sie es sich leichter in Dortmund vorgestellt?

Ich war leicht angeschlagen und nicht hundert Prozent fit vor dem Spiel gegen Bayern. Aber unabhängig davon bin ich mit meiner bisherigen Einsatzzeit beim BVB zufrieden.


Tatsächlich?

Ich wollte im Sommer den nächsten Schritt machen und zu einem größeren Verein gehen. Dass ich dort nicht gleich der absolute Führungsspieler bin, war mir klar. Wir haben beim BVB eine überragende Qualität, vor allem im Mittelfeld. Da ist es logisch, dass wir bei der Menge der Spiele auch viel rotieren.

Lesen Sie hier: So spielte Dahoud mit der U21

Hatten Sie sich Ihren Start beim BVB anders vorgestellt?

Alles ist so eingetroffen, wie ich es mir vorgestellt habe.

Sie sind für satte 12 Millionen Euro von Gladbach zum BVB gekommen. Wären Sie lieber für kleines Geld gewechselt? So schauen die Menschen doppelt genau bei Ihnen hin.

Davon sollte man sich als Spieler frei machen. Wir können den Markt, der ja gerade in der letzten Transferphase total verrückt gespielt hat, nicht beeinflussen. Insofern mache ich mir da keine Gedanken drüber und versuche, einfach durch Leistung etwas zurückzugeben.

Waren die aktuellen U21-Spiele gut, um den Kopf freizubekommen?

Nein, denn die Stimmung in Dortmund ist trotz der letzten Ergebnisse immer noch gut. Trotzdem freue ich mich immer wieder, wenn ich für die U21 nominiert werde, denn es ist eine schöne Abwechslung. Hier treffe ich auf Mannschaftskollegen und Freunde, mit denen ich schon seit Jahren zusammenspiele und mit denen ich im Sommer meinen ersten großen Titel gewonnen habe.

Vergleichen Sie doch mal U21-Trainer Stefan Kuntz mit Ihrem BVB-Coach Peter Bosz.

Was ich sagen kann, ist, dass sie beide sehr angenehme Menschen sind, mit denen ich gut zurechtkomme. Ihre Idee von Fußball unterscheidet sich, deshalb kann ich von beiden noch eine Menge lernen.

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Ihren ersten Titel haben Sie mit Kuntz geholt, als Sie im Sommer 2017 gemeinsam U21-Europameister wurden. Damals waren Sie einer der jüngeren Spieler im Kader. Können und wollen Sie nun eine Führungsrolle im U21-Team übernehmen?

Auf dem Platz möchte ich ganz klar Verantwortung übernehmen und mit meiner Leistung vorneweg gehen. Das liegt natürlich auch an der zentralen Position, die ich spiele. Neben dem Platz sehe ich mich aber nicht zwingend als Führungsspieler, da ich eher ein ruhiger, zurückhaltender Typ bin.

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