12. Dezember 2017 / 06:00 Uhr

Exklusiv-Interview mit Schalke-Shootingstar Harit: "Ich musste mir die Haare in BVB-Farbe färben"

Exklusiv-Interview mit Schalke-Shootingstar Harit: "Ich musste mir die Haare in BVB-Farbe färben"

Robert Hiersemann
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Vorher-Nachher: Harit hat sich nach dem BVB-Spiel die Haare blond gefärbt. Gegen Dortmund jubelte er noch mit Naturhaarfarbe.
Vorher-Nachher: Harit hat sich nach dem BVB-Spiel die Haare blond gefärbt. Gegen Dortmund jubelte er noch mit Naturhaarfarbe. © Imago-Montage
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Zugang Amine Harit ist aktuell der beste Spieler des wiedererstarkten FC Schalke 04. Der Franko-Marokkaner spricht im Interview über seine bisher geheime BVB-Wette, mögliche Gehaltsobergrenzen, den erfolgreichen Saison-Start seines Vereins und seine ambitionierte Zukunftsplanung.

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Der 20-jährige Amine Harit wechselte im Sommer für knapp 10 Millionen Euro vom FC Nantes zu Schalke 04. Seitdem trumpft er beim Bundesliga-Klub auf, wie kein anderer. Ist er am Ball, geht einen Raunen durch die Veltins-Arena. Der Tempodribbler mit der großen Zukunft im SPORTBUZZER-Interview.

Herr Harit, Sie haben sich vor anderthalb Wochen Ihre dunklen Haare blond gefärbt. Warum?

Amine Harit (20): Ich hatte eine Wette mit einem Freund laufen: Wenn ich im Derby gegen Borussia Dortmund ein Tor erziele, muss ich mir die Haare in den Trikotfarben des BVB färben. Ich habe getroffen und halte meine Wettversprechen (lacht).

Schalkes Präsident Clemens Tönnies sagte kürzlich, dass Ihr Verein zukünftig Dortmund wieder sportlich überholen will. Ist es möglich, dass Schalke am Ende dieser Saison vor dem BVB landet?

Wir konzentrieren uns nur auf unsere Leistungen, da wir diese auch selbst beeinflussen können. Für unsere Fans wäre das natürlich etwas Besonderes. Ich bin noch nicht lange hier, habe aber bereits verstanden, dass Dortmund unser größter Rivale ist.

Was wollen Sie mit Schalke erreichen?

Es ist bekannt, dass es die Ambitionen des Vereins sind, sich wieder für Europa zu qualifizieren. Ab Januar können wir schauen, ob das klappen kann. Vorher wäre es zu früh. Doch obwohl wir zuletzt viele Spiele gewonnen haben, dürfen wir Spieler nicht sofort von Europa reden, sondern sollten uns zunächst auf die Liga konzentrieren.

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Vor Ihrem Start in Deutschland sagten Sie, dass Schalke ein Sprungbrett für Sie sei. Wie meinten Sie das?

Das ist falsch rübergekommen. Ich habe nicht umsonst einen langfristigen Vertrag hier unterschrieben. Ich weiß, dass Schalke ein großer Klub ist. Der Verein hat eine große Geschichte und hatte Erfolge in Europa. Es gibt sicherlich noch ein paar Vereine, die noch eine Stufe über uns stehen in Europa. Doch gerade deshalb ist Schalke jetzt genau der richtige Verein für mich, um weiter Fortschritte zu machen.

Sie fallen vor allem durch Ihre überragende Technik auf. Woher haben Sie dieses Ballgefühl?

Ich habe das nicht erlernt. Meine Technik ist ein Geschenk Gottes. Ich habe nie groß an meiner Technik gefeilt. Dieses Ballgefühl habe ich schon seit meiner Kindheit.

Wer war Ihr fußballerisches Vorbild?

Schon als Kind war Ronaldinho mein Idol. Ich habe zu ihm aufgeschaut, als er für den FC Barcelona und den AC Mailand spielte. Ronaldinho ist eine Inspiration für mich. Doch ich habe trotzdem meinen eigenen Stil.

Harit sprach mit Dolmetscher Fritzke (r.) und Reporter Hiersemann (M.)
Harit sprach mit Dolmetscher Fritzke (r.) und Reporter Hiersemann (M.) © Privat
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Wie sah denn der Alltag Ihrer Kindheit aus?

Mein Alltag bestand früher aus drei Dingen: Schule, Fußball und Schwimmen. Denn ich war nicht nur ein guter Fußballer, sondern ich konnte auch ziemlich schnell kraulen.

Im Wasser wie ein Delfin, auf dem Fußballplatz wie …

… eine Gazelle, wenn ich mir ein Tier aussuchen dürfte. Ich bin wie eine Gazelle. Weil ich mich auf dem Spielfeld überall durchschlängele und an den Spielern vorbeirenne (lacht).

Was haben Sie sich als Kind außer der großen Fußballerkarriere am meisten gewünscht?

Als Kind habe ich Autos sehr gemocht. Ich erinnere mich noch daran, dass mein Papa ein neues Auto kaufte und ich deshalb sehr glücklich war. Außerdem stand ich schon immer auf coole Kleidung. Ich war ein verhätscheltes Kind. Meine Eltern haben mir fast immer das gekauft, was ich wollte.

La fierté ❤️ Grand Mother

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Harit sagt, wie es wirklich in französischen Banlieues ist

Wie ist es heute?

Heute kann ich mir meine Träume selbst erfüllen. Aber Autos und Klamotten sind mir nicht mehr das wichtigste. Ich helfe heute lieber den Menschen, die ich liebe. Das macht sie und mich glücklich.

Schwimmen, Fußball, Schule. Was machte Ihre Kindheit sonst noch aus?

Ich bin in Pontoise, etwa 30 Kilometer nördlich von Paris, geboren und dann mit meiner Familie als ich drei Jahre alt war ins 19. Arrondissement von Paris gezogen. Ich hatte eine coole Kindheit, mit vielen Freunden.

Sie wuchsen in den verpönten Pariser Banlieues auf, die häufig als Ghetto dargestellt werden, in denen marodierende Gangs durch die Straßen ziehen. Wie ist es wirklich im Banlieue?

Wie in allen Banlieues gibt es auch bei uns bestimmte Gegenden, wo es etwas schwieriger ist. Aber nicht jedes Banlieue ist gleich ein Ghetto. Es sind Vororte. Es gibt Gegenden in der Pariser Innenstadt, die viel gefährlicher sind als das 19. Arrondissement. Wenn man Banlieue hört, darf man nicht gleich an mafiöse Kriminalität denken.

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Auch Superstars wie Paul Pogba und Kylian Mbappé wuchsen im Banlieue auf und spielen heute für die französische Nationalmannschaft. Sie hingegen haben sich für Marokko entschieden, die Heimat Ihrer Eltern.

Das war keine leichte Entscheidung. Ich habe alle Jugendnationalmannschaften in Frankreich durchlaufen und dann kam der Moment, in dem eine Entscheidung getroffen werden musste. Ich habe nach meinem Herzen entschieden. Auch weil meine Eltern aus Marokko kommen.

Ihr Kumpel Mbappé ist für 150 Millionen Euro nach Paris gewechselt, Ousmane Dembélé für 105 Millionen nach Barcelona. Sie kamen als „Schnäppchen“ für acht Millionen zu Schalke. Ärgert Sie Ihre niedrige Ablöse?

Ich dachte, dass ich zehn Millionen Euro gekostet habe (lacht)! Doch im Ernst, es ärgert mich nicht, denn ich bin es ja nicht, der das Transfergeld bekommt. Meine Leistung auf dem Platz hat meine Ablöse gerechtfertigt. Wenn Ousmane und Kylian für solche Summen transferiert werden, dann liegt es daran, dass sie hart gearbeitet haben. Ich will so hart an mir arbeiten, dass ich eines Tages vielleicht auch diese großen Summen wert bin.

Seit wann kennen Mbappé und Sie sich?

Kylian kenne ich seit er 12 Jahre alt ist. Ich war ein Jahr älter, als wir beide in Clairefontaine, dem Ausbildungszentrum des französischen Verbandes, trainierten. Kylian hat in meinen Jugendmannschaften gespielt, obwohl er ein Jahr jünger war. Er ist damals zu meinem Freund geworden. Deshalb hoffe ich, dass Kylian und ich eines Tages zusammen für einen Verein spielen.

Harit spielte 2016/17 für den FC Nantes in Frankreich seine erste Profisaison.
Harit spielte 2016/17 für den FC Nantes in Frankreich seine erste Profisaison. © Imago

Der Supertechniker über seinen Kumpel Mbappé

Mbappé gilt als Megatalent. Sind Sie so gut wie er?

Er spielt bei Paris Saint-Germain, dadurch ist er mir einen Schritt voraus. Aber ich habe auch meine Qualitäten, am Ende sollen andere urteilen, wer stärker ist. Doch wenn ich mich mit den Spielern in meinem Alter vergleiche, dann weiß ich, dass ich zu den besseren gehöre.

Wo sehen Sie sich in fünf Jahren?

Warum nicht auf Schalke? Man weiß nie. Wenn ich zum Einsatz komme und der Klub auf europäischem Niveau spielt, könnte ich mir gut vorstellen, hier zu bleiben. Vielleicht bleibe ich ein paar Jahre, vielleicht bleibe ich aber auch meine ganze Karriere auf Schalke.

Ernsthaft?

Der Fußball hat sich sehr verändert. Es geht doch nicht nur um den Willen des Spielers, sondern auch um den Willen der Klubs. Ich konzentriere ich mich voll auf Schalke.

Sie spielen bisher eine überragende Saison. Großen Vereinen bleibt das nicht verborgen. Ist es sicher, dass Sie kommende Saison noch auf Schalke spielen?

Ich fühle mich sehr gut und will nicht weg. Es hängt aber nicht nur von mir ab, das müssten der Präsident und der Manager, die Klubführung eben, entscheiden.

Wie meinen Sie das genau?

Ich will nicht weg, aber wenn Schalke ein Angebot erhält, welches der Klub annehmen möchte, würde ich vielleicht auch nicht nein sagen, wenn es auch für mich passt. Aber im Moment sehe ich mich ganz klar nur bei Schalke.

Geld spielt im Fußball heute eine extrem wichtige Rolle. Ein Grund dafür, weshalb der deutsche Nationalspieler Ilkay Gündogan kürzlich sagte, dass er es gut finden würde, wenn es für Spieler bis zum 20. Lebensjahr eine Gehaltsobergrenze gäbe. Sie sind 20, was halten Sie davon?

Das ist aus meiner Sicht Quatsch. Wenn jemand eine gute Leistung zeigt, verdient er auch eine entsprechende Bezahlung. Wir spielen nicht umsonst Fußball, sind gut bezahlt. Aber wir müssen dafür auch viel arbeiten. Und wenn es denn eine Gehaltsobergrenze geben würde, müsste diese doch auch für Spieler gelten, die älter als 30 Jahre alt sind, weil sie kurz vor dem Karriereende stehen, oder?

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