13. April 2018 / 06:00 Uhr

Ron-Robert Zieler exklusiv: "Habe Hannover früher vielleicht nicht wertschätzen können"

Ron-Robert Zieler exklusiv: "Habe Hannover früher vielleicht nicht wertschätzen können"

Dirk Tietenberg
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Ron-Robert Zieler gibt bei den Stuttgartern den Ton an - in der Nationalmannschaft allerdings wohl länger nicht mehr.
Ron-Robert Zieler gibt bei den Stuttgartern den Ton an - in der Nationalmannschaft allerdings wohl länger nicht mehr. © Stuart Franklin/Bongarts/Getty Images
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Ron-Robert Zieler trifft mit dem VfB Stuttgart auf seinen Ex-Verein Hannover 96. Vor der Partie sprach der ehemalige Rote über Wertschätzung in der Landeshauptstadt, seine Zukunft in der Nationalmannschaft und verrohte Sitten im Fußball.

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Ron-Robert Zieler, Hannover 96 kommt nach Stuttgart. Ist 96 immer noch Ihr Club?

Das Treffen wird nicht ganz so speziell wie das Hinspiel in Hannover. Da kam ich zum ersten Mal in das Stadion, in dem ich sechs Jahre fast immer gespielt habe.

Hannover und Zieler, das gehört irgendwie immer noch zusammen …

Das ist normal. Ich bin in Hannover Profi geworden, habe lange dort gespielt, viele Freunde dort.

Ron-Robert Zieler: Bilder seiner Karriere

Seine ersten fußballerischen Schritte machte der junge Ron-Robert Zieler in Köln. Zunächst beim damaligen SCB Preußen (heute SCB Viktoria) Köln, später in der Jugend des 1. FC Köln. Zur Galerie
Seine ersten fußballerischen Schritte machte der junge Ron-Robert Zieler in Köln. Zunächst beim damaligen SCB Preußen (heute SCB Viktoria) Köln, später in der Jugend des 1. FC Köln. © imago/
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Besuchen Sie Ihren Freund Nico Röger (Chef Hannover Concert) häufig in Hannover?

Wir sehen uns häufiger. Nico ist mein Trauzeuge. Anna und ich haben im Dezember geheiratet.

Bereuen Sie es manchmal, dass Sie nach dem Abstieg gingen und das Projekt Wideraufstieg nicht mitgemacht haben?

Naja. Ich habe mich damals für eine neue Herausforderung entschieden. Die Entscheidung war nicht leicht für mich. Aber ich wollte mich der sportlichen Herausforderung stellen. Ich wollte mich messen. Ehrlicherweise muss ich sagen: Ich würde die Entscheidung heute wieder so treffen.

Auch dann noch, wenn Sie die Bilder auf Hannovers Rathausbalkon nach dem Wiederaufstieg sehen?

Das würde vielleicht eine Rolle spielen, wenn man das vorher immer wüsste, dass es genauso läuft. Am Ende ist die Frage aber hypothetisch. Ich freue mich unheimlich, dass 96 den Schritt zurück in die erste Liga gemacht hat. Und dann spielen sie noch eine relativ sorgenfreie Saison. Und ich bin in Stuttgart auch sehr glücklich. Also alles gut.

Wie erleichtert sind Sie, dass auch Stuttgart als Aufsteiger mit Tayfun Korkut relativ sorgenfrei ist?

Eine kleine Erleichterung ist das schon. Wenn man bedenkt, dass wir vor sieben bis acht Wochen mitten im Abstiegskampf steckten, dann ist das dem Trainer und der Mannschaft hoch anzurechnen.

Nach Ihrem Blitzstart in die Bundesliga mit pausenlosen Einsätzen und der Europa League mit 96 und dem Weltmeistertitel haben Sie in den vergangenen Jahren entweder um den Stammplatz oder gegen den Abstieg gekämpft. Hat Sie das als Persönlichkeit verändert?

Das war jedenfalls nicht einfach. Ich habe das vielleicht früher nicht richtig wertschätzen können in Hannover. Ich war die unangefochtene Nummer eins mit 180 Spielen am Stück. So etwas ist keine Selbstverständlichkeit. Wenn man eine schwierige Phase hat wie in Leicester, dann weiß man das wertzuschätzen. Ich bin deshalb froh, dass ich mit Stuttgart eine so gute Saison spiele.

Die große Liste aller Nationalspieler, die seit der Saison 2000/01 für Hannover 96 gespielt haben (Stand: 05. Oktober 2018):

<b>Walace</b> wurde 2016 im Brasilien-Trikot in Rio Olympiasieger. Neben den vier olympischen Partien durfte der Mittelfeldspieler in zwei weiteren Spielen für die Selecao auflaufen. Zur Galerie
Walace wurde 2016 im Brasilien-Trikot in Rio Olympiasieger. Neben den vier olympischen Partien durfte der Mittelfeldspieler in zwei weiteren Spielen für die Selecao auflaufen. © Frank Neßler

War das für Sie ein Deja Vu, als Tayfun Korkut plötzlich auf dem Trainingsplatz stand und die Stabilität zurückbrachte?

Das Abwehrverhalten war schon vorher positiv und ordentlich. Es ist nur so, dass wir dann in wichtigen Spielen Tore geschossen haben. Und wir haben mit Mario (Gomez) jemanden dazubekommen, der uns sehr gut tut. Auf und neben dem Platz. Mit Tayfun Korkut hatten wir auch in Hannover ein starkes Kalenderjahr 2014. Das vergessen viele. Ich weiß bis heute nicht, warum wir dann in der Rückrunde 2015 in einen Negativstrudel geraten sind.

Wie war das Wiedersehen?

Schön, weil ich von seiner Arbeit immer überzeugt war. Ich war zuversichtlich, dass wir mit ihm den Turnaround schaffen können. Er ist immer noch der gleiche, es harmoniert aktuell wirklich sehr gut.

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Haben Sie versucht, nach der heftigen Twitter- und Facebook-Kritik gegenzusteuern?

Es muss sich jeder sein eigenes Bild machen. Aber ich war schon sehr überrascht, mit dieser massiven Kritik von außen hatte ich nicht gerechnet. Wir Spieler hatten schnell ein positives Bild und haben gemerkt: Das hat alles Hand und Fuß.

Mit der WM wird es für Sie ja nichts. Wie ist der Stand bei der Nationalmannschaft?

Ich mache mir da keinen Kopf jetzt. In den letzten Monaten gab es auch keinen Austausch. Wir haben da in Deutschland wie auf vielen anderen Positionen ein Luxusproblem. Die letzten beiden Jahren waren nicht einfach für mich: Erst der Abstieg mit Hannover, dann der Stammplatzkampf in Leicester. Aber für mich ist wichtig, dass ich in Stuttgart eine gute Saison spiele. Der Bundestrainer kann meine Qualität sicher ganz gut einschätzen. Ich habe auch bewiesen, dass auf mich Verlass ist. Sonst wäre ich nicht vier Jahre dabei gewesen. Aber aktuell mache ich mir darüber wirklich keinen Kopf. Entscheidend ist, dass ich in Stuttgart weiter meine Leistung bringe. Das steht über allem.

In jungen Jahren war Ihre Ruhe und Ihre guten Nerven Ihre Stärke. Nicht einmal in Köln haben Sie die Nerven verloren, als Sie übel beleidigt wurden. Kann man so eine Ruhe üben?

Das ist eine Eigenschaft, die man hat oder man hat sie nicht. Die Ereignisse in Köln sind so ein Beispiel.

Das wurde aus den 96-Abgängen seit 2014/15:

<b>Hiroki Sakai</b> stand vier Jahre bei den Roten unter Vertrag und absolvierte in dieser Zeit 102 Spiele. Im Juli 2016 wechselte er ablösefrei zu Olympique Marseille. Der Japaner verpasste in der Saison 2016/17 nur drei Spiele in der Ligue 1. Auch in 2017/18 ist er Stammspieler bei den Franzosen, sein Vertrag wurde im September vorzeitig bis 2021 verlängert.. Zur Galerie
Hiroki Sakai stand vier Jahre bei den Roten unter Vertrag und absolvierte in dieser Zeit 102 Spiele. Im Juli 2016 wechselte er ablösefrei zu Olympique Marseille. Der Japaner verpasste in der Saison 2016/17 nur drei Spiele in der Ligue 1. Auch in 2017/18 ist er Stammspieler bei den Franzosen, sein Vertrag wurde im September vorzeitig bis 2021 verlängert.. ©

Beschimpfungen gegen Tayfun Korkut, Beleidigungen gegen Sie persönlich sind zwei Beispiele. Verrohen die Sitten im Fußball?

Das hat nicht nur etwas mit dem Fußball zu tun, das ein gesellschaftliches Problem. Die sozialen Netzwerke bieten eine breite Plattform, dort sinkt die Hemmschwelle manchmal schon. Es kann passieren, dass die Hemmschwelle dann auch aufs normale Leben übertragen wird. Ich habe nichts gegen Kritik, ich bin auch in sozialen Netzwerken aktiv. Aber manchmal geht es doch unter der Gürtellinie.

Anderes Thema: Wie geht das Spiel Stuttgart gegen 96 aus?

Das 0:3 gegen Dortmund mal ausgeklammert haben wir punktemäßig eine gute Phase. Wir wollen die 40-Punkte-Marke knacken. Ich hoffe auf einen Sieg für uns.

Aber Stuttgart ist doch durch, oder?

Wir haben uns die 40-Punkte-Marke vorgenommen. Die Wahrscheinlichkeit, dass wir absteigen, ist sehr gering. Es sieht für uns und für 96 doch recht gut aus.

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