09. April 2021 / 17:58 Uhr

Experiment mit viel Euphorie: Die HSG Nord gibt es seit 40 Jahren

Experiment mit viel Euphorie: Die HSG Nord gibt es seit 40 Jahren

Lukas Everling
Peiner Allgemeine Zeitung
Start in die erste Saison als HSG Nord Edemissen: Die weibliche A-Jugend 1981 (von links) mit Katja Hantke, Ute Heidmann, Andrea Heering, Kerstin Kawohl, Heidrun Ripke, Anke Hansen, Elke Schmidt, Annette Writsch, Verena Schmidt, Gabi Keipe und Trainerin Gertrud Eisenberger. Und die weibliche B-Jugend mit Trainerin Isabell Deecke, Birgit Schmähl, Petra Gödecke, Andrea Schäfer, Britta Hantke, Daniela Schacht, Iris Möhrig, Marion Pennig, Silke Meier, Karin Bendler, Petra Bondzio und Claudia Pohl.
Start in die erste Saison als HSG Nord Edemissen: Die weibliche A-Jugend 1981 (von links) mit Katja Hantke, Ute Heidmann, Andrea Heering, Kerstin Kawohl, Heidrun Ripke, Anke Hansen, Elke Schmidt, Annette Writsch, Verena Schmidt, Gabi Keipe und Trainerin Gertrud Eisenberger. Und die weibliche B-Jugend mit Trainerin Isabell Deecke, Birgit Schmähl, Petra Gödecke, Andrea Schäfer, Britta Hantke, Daniela Schacht, Iris Möhrig, Marion Pennig, Silke Meier, Karin Bendler, Petra Bondzio und Claudia Pohl. © Foto: Heidi Peter
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Mit 31 Mannschaften gingen die Handballerinnen und Handballer des TSV Wipshausen, des TSV Rietze/Alvesse und des TSV Edemissen in der Saison 1981/82 an den Start – und zwar gemeinsam. Mit der Gründung der HSG Nord waren die drei Vereine Vorreiter in der Region.

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Es habe Anfang der 80er-Jahre auch kritische Stimmen über einen möglichen Handball-Zusammenschluss im Peiner Nordkreis gegeben, erinnert sich Reinhard Bartels an die Gründung der HSG Nord Edemissen. Andernorts waren ähnliche Kooperationen gescheitert – nicht aber in Edemissen. „Letztlich gab es bei uns eine tolle Euphorie“, sagt der 73-Jährige, der in den ersten Jahren nach der Gründung als Leiter der Spielgemeinschaft fungierte. Am Donnerstag feierte sie ihren 40. Geburtstag.

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Es sei ein „Experiment in einem frühen Stadium“ gewesen, erklärt Bartels. Tatsächlich sorgten die Handball-Abteilungen der Turn- und Sportvereine aus Wipshausen, Rietze/Alvesse und Edemissen mit ihrem Zusammenschluss für eine Premiere im Peiner Kreisverband. Heute gehören auch der TVJ Abbensen und der MTV Stederdorf dazu. „Abbensen sollte eigentlich von Anfang an mitmachen. Die Handballer wollten das, der Vorstand war aber dagegen“, berichtet Bartels. Das waren auch die einzigen Reibereien, innerhalb der HSG habe es nie Streitigkeiten gegeben. „Wir haben uns im Nordkreis immer gut verstan-den.“

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Deshalb schlossen sich die Abteilungen am 8. April 1981 zusammen, anstatt dass jeder weiter sein eigenes Süppchen kocht. Der Zusammenschluss sollte den Handballsport fördern, heißt es im PAZ-Artikel von vor 40 Jahren. Bei der HSG sollten zudem „die bestmöglichen Trainingsbedingungen geschaffen, eine Leistungssteigerung herbeigeführt und in der Breite eine Möglichkeit für alle Handball-Interessierten angeboten werden.“ Und dafür sei eine „organisatorische Meisterleistung“ nötig gewesen, sagt Bartels.

Denn mit einem Mal spielten zur Saison 1981/82 immerhin 31 Mannschaften unter dem Banner der HSG Nord. „Das heißt wir mussten 31 Schiedsrichter melden, 31 Betreuer haben und die 31 Teams zu ihren Auswärtsspielen bekommen“, zählt Bartels auf. Der Erfolg blieb aber nicht aus, und der Peiner Nordkreis entwickelte sich zu einer starken Adresse in Niedersachsens Handball-Landschaft.

In die Karten spielte den Edemissern, dass viele ihrer Übungsleiter in den Schulen als Sportlehrer arbeiteten. „Eine unserer Jugendmannschaften wurde einst unter Volker Eisenberger Niedersachsen-Meister. Das war quasi die gesamte Schülermannschaft vom Ratsgymnasium“, erinnert sich Bartels schmunzelnd. Gerne erinnert er sich an die Euphorie rund um den Handball: „Wir haben damals sogar den Fußballern aus dem Verein ordentlich Konkurrenz gemacht.“

Auch an Ballnächte mit etwa 500 Handballern erinnert sich der 73-Jährige und an einige Reisen in Europas nordische Länder. „Über den Landessportbund sind wir mal an eine Partnerschaft mit einem Klub aus Island gekommen. Das waren dann internationale Jugendbegegnungen, weshalb wir dafür auch Fördergelder erhalten haben“, erzählt Bartels.

Zwei Mädchen-Teams der HSG haben Mitte der 90er-Jahre Testspiele in der Nähe der isländischen Hauptstadt Reykjavík abgehalten. Und obwohl sie in Niedersachsen Meister geworden waren, „dort wurden sie vorgeführt“, erinnert sich Bartels. „Ich habe nur gedacht: ’Mensch, die spielen ja wie Jungs.’ Dann haben sie erzählt, dass sie bei den Männern mittrainieren. Die Vikinger haben eben eine ganz andere Härte“, fügt Reinhard Bartels lachend hinzu.

Als treibende Kraft des Zusammenschlusses zur HSG sieht sich der Edemissener nicht. „Da haben viele Leute zusammen ein gutes Team gebildet“, erklärt er und nennt vor allem Ludwig Unger aus Wipshausen und Gisela Papenburg aus Rietze. Dass sich die HSG so gut entwickelt hat – derzeit gibt es immer noch etwa 20 Mannschaften –, macht den 73-Jährigen stolz: „Es ist schön, dass es so etwas im Nordkreis gibt.“