22. November 2020 / 19:25 Uhr

Experimente erlaubt: SV Lindow-Gransee siegt im ersten Geisterspiel

Experimente erlaubt: SV Lindow-Gransee siegt im ersten Geisterspiel

Christoph Brandhorst
Märkische Allgemeine Zeitung
Beim SV Lindow-Gransee spielte Außenangreifer Timo Schlag (links im Block) diesmal durch.
Beim SV Lindow-Gransee spielte Außenangreifer Timo Schlag (links im Block) diesmal durch. © Christoph Brandhorst
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Volleyball-Zweitligist Lindow-Gransee hat beim 3:0-Sieg gegen den TV Baden nur anfangs Mühe.

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2. Volleyball-Bundesliga Nord: SV Lindow-Gransee – TV Baden 3:0 (28:26, 25:19, 25:16). Nun haben auch die Zweitliga-Volleyballer des SV Lindow-Gransee (SVLG) das erste Geisterspiel in der heimischen Dreifelderhalle absolviert. „Es ist gewöhnungsbedürftig“, sagte Trainer Peter Schwarz nach dem letztlich klaren Heimerfolg seines Teams, mit dem der SVLG seine Spitzenposition behauptete. Weil man zuletzt aber schon regelmäßig in Gransee und nicht wie sonst üblich in Berlin trainierte, sei die ruhige Atmosphäre in der Halle auch keine zu große Beeinträchtigung gewesen. In normalen Zeiten verwandeln mehr als 200 Fans die Halle in ein Tollhaus, wenn der „Corona-Meister“ der abgebrochenen Vorsaison dort aufschlägt.

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Im ersten Abschnitt hatten die Lindower so richtig Mühe mit den Gästen aus Niedersachsen, die regelrecht aufmuckten. Der TVB übernahm beim 5:6 erstmals die Führung, die er zwischenzeitlich sogar auf vier Zähler ausbauen konnte (10:14, 11:15). Peter Schwarz musste sich eingestehen: „Vielleicht haben wir den Gegner einen Tick zu sehr unterschätzt.“ Sein Team habe eine ganze Weile gebraucht, um sich auf den Tabellenzehnten richtig einzustellen.

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Zurückführen könnte man diesen Stotterstart ohne Zweifel auf die veränderte Formation, die der Coach im ersten Heimspiel ohne Zuschauer auf die Granseer Platte geschickt hatte. Schwarz hatte tüchtig die Rotationsmaschine angeworfen. „Die Jungs haben in dieser Saison noch nicht so zusammengespielt“, erklärte der SVLG-Trainer, der sich nach seinem Doppelengagement in Lindow und bei den Drittliga-Frauen des VSV Oranienburg seit dieser Saison gänzlich auf den Zweitliga-Meister von 2015 konzentriert. Timo Schlag spielte als Außenangreifer durch. Auf einer „Schlüsselposition für uns“, wie Schwarz betonte. Die Kombination mit Piotr Adamowicz in der Annahme „musste sich erst ein bisschen eingrooven“, sagte er.

Das tat es dann auch. Vier Zähler in Serie brachten die Lindower wieder auf Gleichstand. Ergeben wollte sich der Gegner nicht. Bis zum 26:26 hielt der TVB den ersten Satz offen, dann erzwangen die Gastgeber das bessere Ende für sich. „Im zweiten Satz haben wir so weitergespielt“, sagte Schwarz, der seinem Team attestierte, dass es sich von Spielabschnitt zu Spielabschnitt gesteigert habe. Bis zum 16:16 hielt der Gegner im zweiten Durchgang Schritt, dann setzte sich die Qualität der Lindower durch.


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Probierte personell einiges aus: SVLG-Trainer Peter Schwarz. © Christoph Brandhorst

Dominanz im dritten Satz

„Im dritten probiere ich sogar noch ein bisschen mehr“, sagte Schwarz. Experimentieren war erlaubt, auch weil der Coach wusste, dass er noch ordentlich Qualität auf der Bank hatte, um im Bedarfsfall gegenzusteuern. Etwa indem er mit Kapitän Eric Stadie die Annahme weiter hätte stabilisieren können. „Ich wusste, ich probiere gerade etwas, hatte aber immer ein gutes Gefühl.“ Zu Stadies Einsatz kam es gar nicht. Stattdessen rotierte der Ägypter Omar Yasso Mohamed auf der Diagonalposition ins Team und Youngster Franz Hüther (18) bekam noch einen Kurzeinsatz. Doch der Badener Widerstand war gebrochen, beim 25:16 im dritten Satz dominierte der Spitzenreiter.

Bei dem ging es auch darum, die Kräfte zu dosieren für ein straffes Programm bis Weihnachten, zu dem auch noch das Spitzenduell mit Verfolger Kiel am 12. Dezember zählt. „Wir können nur hoffen, dass alle Spiele stattfinden. Da hoffe ich, dass alle Spieler gesund bleiben, auch bei den gegnerischen Mannschaften“, blickte Mittelblocker Paul Boock nach dem siebten Lindow-Granseer Sieg im siebten Saisonspiel schon voraus. „Es ist schön, einen Ligarhythmus zu haben.“ Den Erfolg ordnete Boock als Arbeitssieg ein. „Es war im ersten Satz eine Kampfleistung, um überhaupt hinterherzukommen“, sagte er. „Zum Glück haben wir das geschafft.“ Der TV Baden habe nicht das schönste, dafür ein zielorientiertes Volleyball gespielt. „Wir haben uns schwer damit getan“, resümierte der 1,95 Meter große Mann, der seit 2015 im Lindower Dress spielt und sich jetzt schon auf das kommende Duell in Moers freut (Sonnabend, 18 Uhr). „Das wird spannend, ein krasses Highlight“, fieberte auch Trainer Schwarz schon der Partie beim Tabellendritten entgegen. Experimente wird es dort wohl nicht geben.