08. Juli 2020 / 19:02 Uhr

Potsdamer Schwimmer: Experimentieren für Olympia 2021

Potsdamer Schwimmer: Experimentieren für Olympia 2021

Peter Stein
Märkische Allgemeine Zeitung
Chiara Klein (l.) und Christian Diener.
Chiara Klein (l.) und Christian Diener.
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Schwimmen: Die Potsdamer Schwimmer müssen wegen Corona derzeit auf Wettkämpfe verzichten. Aber im Training geht es zur Sache.

Wenn Freistilschwimmerin Chiara Klein und Rücken-Ass Christian Diener in diesen Tagen im Schwimmstadion im Potsdamer Luftschiffhafen ins 50-Meter-Becken springen, kann es schon mal vorkommen, dass Stützpunkttrainer Jörg Hoffmann beide gegenander um die Wette kraulen lässt. „Denn von den Geschwindigkeiten passt das mit Freistil und Rücken ganz gut zusammen, das ist vergleichbar“, sagt Hoffmann frei nach dem Motto: „Not macht erfinderisch.“

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Denn die Schwimmer scheinen aufgrund der Corona-Pause besonders gebeutelt zu sein. Wettkämpfe sind im Hallenbecken erst einmal nicht in Sicht. „Als die Olympischen Spiele im März um ein Jahr verschoben wurden, waren wir gerade im Trainingslager in Lindow. Da legt man im Kopf schon den Schalter um. Aber wir haben nicht pausiert, sondern einmal täglich durchtrainiert“, erzählt Diener bei der Vertragsverlängerung seines Potsdamer Schwimmvereins mit der Mittelbrandenburgischen Sparkasse.

Das Ziel ist Tokio 2021

Denn die Ziele bleiben: die Olympischen Spiele 2021 in Tokio. Dafür hat jetzt auch ein Talent wie Chiara Klein noch mehr (Reife-)Zeit. Denn die 16-Jährige zählt zu Deutschlands schnellsten Freistilschwimmerinnen, will sich zumindest für die Staffelwettbewerbe qualifizieren.

2017 kam sie aus der Nähe von Marburg in Hessen auf die Sportschule nach Potsdam. „Ich habe einen Stützpunkt gesucht, wo ich Schule und Sport gut verbinden kann. Ich habe mir das auch in Magdeburg angeschaut, mich aber für Potsdam entschieden“, erzählt die Schülerin, die nun in die 11. Klasse kommt. Mit ihr zog gleich die gesamte Familie um. Auch die Eltern Sascha und Claudia Klein sowie die Geschwister Silas (13 Jahre), er besucht gleichfalls die Sportschule, und Lasse (11) wohnen jetzt wie die Großeltern in Werder/Havel. „Wir fühlen uns alle sehr wohl hier“, meint Chiara Klein, die die Trainingsgruppe auch mal mit selbstgebackenem Kuchen überrascht. „Das habe ich bei meiner Oma Cornelia gelernt.“

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Dann berichtet Chiara Klein, die mit ihren 1,80 Meter gar nicht so klein ist und vielleicht noch ein paar Zentimeter wächst, von ihren ersten Schwimmkursen. „Ich musste damals mit sechs Jahren das Schwimmen lernen, wollte das aber nicht. Dann bin ich aber im Schwimmkurs geblieben.“

Das Training umgestellt

Trainer Hoffmann hält die 1,80 Meter große Sportlerin für talentiert und fleißig. „Wenn man bei ihr am Beckenrand steht, bekommt man auch ein Feedback. Da macht die Arbeit auch mir Spaß, weil man sieht, es lohnt sich, etwas zu entwickeln. Sie trainiert in unserer Gruppe viel mit den Jungs, davon profitiert sie.“ Der Coach gibt zu: „Covid 19 und seine Auswirkungen zeigen uns, dass Sport nicht alles ist. Der Sport wird sich definitiv verändern. Darauf muss man sich einstellen. Da wir wegen Corona keine Wettkämpfe haben, wurde das Training umgestellt. Ich werde nun sehen, ob diese oder jene Variante etwas gebracht hat oder nicht. Das hätten wir in einer normalen Olympia-Saison niemals gewagt. Die Trainingstests werden zeigen, wo die Sportler stehen.“ Dazu werden Serien wie zum Beispiel viermal 50 Meter Rücken bei Diener geschwommen.

Die Hoffnung auf richtige Schwimm-Wettkämpfe in diesem Jahr haben die Potsdamer nicht aufgegeben. Anfang Oktober soll daheim ein Wettkampf im „blu“ stattfinden. Für Ende Oktober seien Deutsche Meisterschaften in Berlin geplant. Diener will wie in der vergangenen Winter-Saison wieder in der International Swimming League (ISL) bei den London Roar aktiv sein, mit denen er im Dezember beim Finale in Las Vegas/USA Platz zwei belegte und ein paar Dollar verdienen konnte. Ende Oktober könnte es bestenfalls mit der ISL in Australien losgehen. Außerdem hat der 27-Jäherige eine Ausbildung zum Feuerwehrmann aufgenommen. Wasser scheint das bevorzugte Element des gebürtigen Cottbusers, der 2016 in Rio Olympia-Siebter über 200 Meter Rücken wurde, zu bleiben.

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