11. Juni 2020 / 14:44 Uhr

Experte Sörgel: Schmerzmittel sind kein Doping - aber ein Alltagsproblem

Experte Sörgel: Schmerzmittel sind kein Doping - aber ein Alltagsproblem

Stefan Döring
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Schmerzmittel sind ein Lifestyle-Medikament - aber kein Doping, sagt Experte Professor Fritz Sörgel.
Schmerzmittel sind ein Lifestyle-Medikament - aber kein Doping, sagt Experte Professor Fritz Sörgel. © Eibner/imago images, Montage
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Eine ARD-Dokumentation über den Schmerzmittelmissbrach im Fußball sorgte für Diskussionen - auch ob diese Mittel auf die Dopingliste gehören. Anti-Doping-Experte Fritz Sörgel ist dagegen - warnt aber vor einem Missbrauch.

Der Bundesliga-Innenverteidiger Neven Subotic drückte es mit einem sprachlichen Bild aus: "Was ich in den letzten 14 Jahren mitbekommen habe ist, dass Ibuprofen wie Smarties verteilt werden", sagte der Innenverteidiger von Union Berlin in einem ARD-Film über Schmerzmittelmissbrauch im Fußball. Von den Machern wurde dabei auch die Frage aufgeworfen, ob Schmerzmittel auf die Dopingliste gehören. Für Professor Fritz Sörgel, Pharmakologe und Anti-Doping-Experte, ist dies nicht der Fall. "Wenn wir von einfachen Schmerzmitteln wie Ibuprofen und Voltaren sprechen, ist das kein Doping", sagte er dem SPORTBUZZER.

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Sörgel ist Leiter des Instituts für biomedizinische und pharmazeutische Forschung in Nürnberg und anerkannter Doping-Experte in Deutschland. Die Einnahme von Schmerzmitteln im Profi-Sport sei nicht als Leistungssteigerung zu sehen, sagte er. "Moralisch und ethisch kann man Schmerzmittel im Sport ablehnen. Aber sie gehören zu unserem Alltag", erklärt Sörgel. "Schmerzmittel nimmt der Schüler bis hin zum Geschäftsführer, wenn er nur Kopfschmerzen hat. Der Fußball kann sich von den gesamtgesellschaftlichen Entwicklungen nicht abkoppeln." Auch wenn er es sicherlich versuchen sollte, um junge Menschen vor dem Missbrauch zu schützen.

"Schmerzmittel sind Lifestyle-Medikamente"

Als Doping werden Mittel bezeichnet, die Leistungssteigerungen im Körper begünstigen. Dazu gehören Schmerzmittel nicht, meint Sörgel. Diese seien dafür da, um einen eventuellen Schmerz zu unterdrücken. Morphine allerdings, also hochwirksame Schmerzmittel, die nur auf Betäubungsmittelrezepte zu haben sind, stehen bereits auf der Dopingliste.

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Ibuprofen, um das es im ARD-Film überwiegend geht, sei hingegen ein "Lifestyle-Medikament", wie es Sörgel ausdrückte. Die Pillen werden in Zeitschriften oder auf Flyern beworben, sind in Apotheken günstig und ohne Rezept zu bekommen. "Sie gehören heute zum Sport wie Nahrungsergänzungsmittel und ja, sie werden auch so eingenommen als ob es Smarties wären", so Sörgel.

Klasnic warnendes Beispiel für Schmerzmittel-Missbrauch

In Bezug auf Schmerzmittel könne man deshalb zwar von Arzneimittelmissbrauch sprechen, der vor allem im Amateur- und Freizeitbereich eingedämmt werden sollte, aber nicht von Doping. Dennoch warnt Sörgel vor der Einnahme von zu vielen Schmerzmitteln. "Die Gefahren sind da, das wurde anhand des Fußballers Ivan Klasnic auch noch einmal in der Doku hervorgehoben", erklärte Sörgel. Klasnic nahm jahrelang auf Anraten von Ärzten von Werder Bremen Schmerzmittel. Eine Nieren-Vorerkrankung wurde dabei nicht erkannt und die Schmerzmittel zerstörten die Niere dann gänzlich. Klasnic lebt inzwischen mit einer dritten Spenderniere.