02. Oktober 2020 / 10:06 Uhr

Bielefeld-Kapitän Klos über seinen Karriere-Plan und die Unterschiede zwischen Bundesliga und 2. Liga

Bielefeld-Kapitän Klos über seinen Karriere-Plan und die Unterschiede zwischen Bundesliga und 2. Liga

Andreas Kötter
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Fabian Klos gelang mit Arminia Bielefeld der Sprung in die Bundesliga.
Fabian Klos gelang mit Arminia Bielefeld der Sprung in die Bundesliga. © imago images/Nordphoto
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Mit 32 Jahren zum ersten Mal in der Bundesliga: Fabian Klos spricht im SPORTBUZZER-Interview über das besonderes Verhältnis zu seinem Klub Arminia Bielefeld und die Unterschiede zwischen Ober- und Unterhaus

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SPORTBUZZER: Herr Klos, mit 32 Jahren haben Sie die ersten Minuten in der Bundesliga absolviert. Hand aufs Herz: Waren Sie nervös?

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Fabian Klos: Tatsächlich hat mich meine Freundin am Abend vorher gefragt, ob ich nervös sei. Das konnte ich da noch guten Gewissens verneinen. Im Laufe des Samstagvormittags hat sich dann aber doch etwas Nervosität breit gemacht, etwas, was mir schon ganz lange nicht mehr vor einem Fußballspiel passiert ist. Letztlich aber war es ein sehr positives Gefühl, das mir noch einmal verdeutlich hat, wie großartig es ist, jetzt Bundesliga spielen zu dürfen.

Das Spiel in der Bundesliga ist schneller, in der 2. Liga härter – korrekt?

Ich habe erst zwei Bundesliga-Spiele gemacht, über große Erfahrung verfüge ich also noch nicht. Was ich aber schon jetzt sagen kann: Die Verteidiger, mit denen ich es zu tun hatte, waren körperlich voll auf der Höhe, aber noch einmal eine Nummer cleverer als die in der 2. Liga. Und man merkt, dass die Spieler in der Bundesliga auch im Kopf schneller sind, was eine größere Handlungsschnelligkeit mit sich bringt. Ich habe in Frankfurt in der Halbzeitpause zum Trainer gesagt, dass ich in der einen oder anderen Situation selbst mit 32 Jahren noch Lehrgeld zahlen musste.

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So etwas gibt nicht jeder Profi zu.

Ich bin mir meiner Qualitäten schon bewusst und weiß, was ich kann. Aber ich bin einen Weg gegangen, der unüblich ist für einen Bundesliga-Spieler. Ich bin nur da, wo ich jetzt bin, weil ich bereit war, Jahr für Jahr noch dazuzulernen.

"Etwas Schöneres als den Profi-Fußball gibt es für mich nicht"

Sie haben mal gesagt: „Ich habe jedes Ziel, das ich mir nicht gesteckt habe, erreicht.“ Einen Karriereplan gab es nie?

Nee. Den hatte ich nie. Ich würde auch gar nicht von Karriere sprechen wollen, sondern lieber von aktiver Fußballer-Laufbahn. Klar habe auch ich mir immer wieder kleine Ziele gesetzt. Aber das waren nie welche in der Größenordnung „ich will Bundesliga-Spieler werden“. Geträumt hat man davon vielleicht schon mal. Aber das war Jahre lang eben auch so weit weg, dass ich nicht mal auf die Idee gekommen wäre, mir ein solches Ziel zu stecken.

Sie haben eine Lehre als Bankkaufmann absolviert – das klingt doch nach einem strukturierten Menschen.

Nachdem ich meinen Zivildienst gemacht hatte und nicht so recht wusste, wie es weitergehen sollte, habe ich mich letztlich für die Banklehre entschieden. Einfach, weil ich mir gesagt habe: „Irgendeine Ausbildung ist besser als gar keine.“ Umso dankbarer bin ich, dass ich im Profi-Fußball gelandet bin. Etwas Schöneres gibt es für mich nicht.

"Ein Verhältnis wie zwischen dem Verein und mir gibt es nicht oft im Profi-Fußball"

Ihr Schicksal scheint untrennbar mit dem von Arminia Bielefeld verbunden.

Ein Verhältnis, wie es zwischen dem Verein und mir besteht, gibt es wahrscheinlich nicht oft im Profi-Fußball. Das entwickelt sich über viele Jahre, durch Erfolge und vielleicht mehr noch durch Misserfolge. Ich bin jemand, der Nestwärme braucht, verstehe aber auch diejenigen, denen es wichtig ist, immer wieder neue Herausforderungen an neuen Orten zu suchen. Mir war immer klar, dass ich Arminia brauche, um gute Leistung zu bringen. Und ich glaube, dass der Verein mich auch ganz gut gebrauchen kann.

Was ist drin für Arminia?

Ich war von Anfang an der Überzeugung, dass wir die Qualität haben, die Klasse zu halten. Daran hat sich nach zwei Spieltagen mit vier Punkten natürlich nichts geändert. Wir haben nach dem Aufstieg gesagt, dass wir nicht alles, was in der 2. Liga geklappt hat, nun über Bord werfen und den Ballbesitz-Fußball, der uns ausgezeichnet hat, auch in der Bundesliga spielen sollten. Aber wir dürfen auch nicht naiv sein und müssen uns anpassen, wenn die Gegebenheiten das verlangen. Anpassungsfähigkeit und Lernbereitschaft – darauf wird es vor allem ankommen. Und der feste Glaube, dass wir den Klassenerhalt schaffen können, der muss immer da sein.