15. Mai 2019 / 17:45 Uhr

Fabian Lustenberger: Anekdoten aus 12 Jahren Hertha BSC

Fabian Lustenberger: Anekdoten aus 12 Jahren Hertha BSC

Stephan Henke
Märkische Allgemeine Zeitung
Als 19-Jähriger kam Fabian Lustenberger 2007 zu Hertha BSC, seither hat er 307 Spiele für die erste Mannschaft der Berliner gemacht.
Als 19-Jähriger kam Fabian Lustenberger 2007 zu Hertha BSC, seither hat er 307 Spiele für die erste Mannschaft der Berliner gemacht. © Foto: Soeren Stache/dpa-Zentralbild/dpa
Anzeige

Bundesliga: 2007 kam Fabian Lustenberger als 19-Jähriger zu Hertha BSC. Vor seinem letzten Spiel im Trikot der Berliner spricht der Schweizer über seinen besten Mitspieler, seine schlechtesten Spiele und einen Einsatz im Tor.

Anzeige
Anzeige

Am kommenden Samstag, gegen 17.20 Uhr, endet bei Hertha BSC eine Ära. Nicht nur, dass Pal Dardai als Trainer sein letztes Spiel bestreitet, auch Fabian Lustenberger läuft ein letztes Mal für den Berliner Bundesligisten auf. 307 Pflichtspiele machte der Schweizer für die Hertha, nachdem er 2007 als 19-Jähriger vom FC Luzern nach Berlin kam - damit ist er der zweitdienstälteste Profi der Bundesliga.

Seine Brandenburger Frau wohnt in der Schweiz

Zur kommenden Spielzeit läuft der Schweizer wieder in der Heimat für Young Boys Bern auf. Seine Frau Monique, die aus dem brandenburgischen Templin stammt und die er in Potsdam geheiratet hat, wohnt bereits seit knapp zwei Jahren mit den beiden Söhnen in der Schweiz, seine Rückkehr in die Heimat sei auch eine „Entscheidung für die Familie“. Vor seinem Abschied gab der 31-Jährige einige Anekdoten preis und einen Einblick in seine Gemütswelt. Fabian Lustenberger über...

...die Gefühle kurz vor dem letzten Spiel: "Ich weiß, dass vor dem Spiel eine Verabschiedung geplant ist, mehr weiß ich nicht. Deswegen lasse ich mich da überraschen. Es fängt jetzt schon ein bisschen an, dass man sich ein bisschen Gedanken macht. Es wird sicherlich ein spezieller Moment sein, meine Söhne werden mit mir einlaufen und das wird noch mal sehr emotional."

...sein bestes Spiel: "Es gab so viele (lacht). Ein Spiel rausnehmen ist extrem schwierig. Ein Highlight-Spiel war für mich zum Beispiel das 6:1 gegen Frankfurt nach dem Aufstieg. [...] Dieses Jahr das Gladbach-Spiel, das 4:2, dann auswärts Gladbach. Es gab viele Highlight-Spiele, in Dortmund haben wir 2:1 gewonnen mit Jos Luhukay, es war das letzte Spiel vor Weihnachten, wo Marius (Gersbeck, d.Red.) das erste Spiel gemacht hat. Es gibt einige Spiele, die mir in Erinnerung bleiben."

Das sind die 20 treuesten Spieler der Bundesliga

20. Manuel Neuer(Bayern München, im Verein seit 01.07.2011): Aus der Knappenschmiede wechselte der Torhüter 2011 nach München. Dort wurde er zu einem der weltbesten Torhüter und ist mittlerweile auch einer der treuesten Spieler im Kader. Zur Galerie
20. Manuel Neuer(Bayern München, im Verein seit 01.07.2011): Aus der Knappenschmiede wechselte der Torhüter 2011 nach München. Dort wurde er zu einem der weltbesten Torhüter und ist mittlerweile auch einer der treuesten Spieler im Kader. © dpa
Anzeige

...den unangenehmsten Gegenspieler: "Letztendlich läuft es darauf hinaus, dass es von Bayern und Dortmund die großen Spieler sind. Gegen Stefan Kießling habe ich sehr gerne gespielt, obwohl er auch ein Klassestürmer war, aber er war auch ein Supertyp. Wenn du gegen Bayern spielst mit Thiago im Mittelfeld, Ribery und Robben über außen - wenn die einen guten Tag haben weißt du auch, dass da nicht viel geht. Aber einen, wo ich sage, vor dem habe ich Angst, den gibt es nicht."

...Mitspieler, die ihn sportlich und menschlich beeindruckt haben: "Sportlich habe ich immer wieder Marko Pantelic erwähnt, weil er einfach ein Phänomen war und immer getroffen hat. Wie, das weiß man nicht immer, aber er hat immer Tore gemacht ohne Ende und war immer da, wenn man ihn gebraucht hat. Menschlich habe ich natürlich schon ein paar Freundschaften geschlossen. [...] Valentin Stocker, Jens Hegeler, Sami Allagui, Sandro Wagner, Steve von Bergen. Mit Per (Skjelbred, d.Red.) werde ich sicher regelmäßig Kontakt halten, denke ich."

...seinen Einsatz im Tor gegen 1860 München 2010: "Marko Sejna hatte Rot gekriegt, es gab keinen Spieler mehr zum wechseln, das hab ich dann relativ schnell geschnallt. Irgendwie stand Markus Babbel draußen, er wusste, glaube ich, selber nicht, was er machen soll, hat immer so gezeigt. Dann wollte er Roman Hubnik nehmen und ich habe gedacht: Ne, Roman Hubnik brauchen wir vielleicht vorne noch, der ein Tor schießt bei einem Eckball, habe mir dann die Handschuhe genommen und stand im Tor. Dass dann so eine coole Geschichte daraus wurde, konnte man natürlich nicht ahnen. Beim ersten Schuss hatte ich Glück, als er an die Latte ging. Danach hatte ich zwei, drei Aktionen, wo ich den Ball halte und fast den Konter einleite (lacht). Das waren schon lustige Szenen."

...sein erstes Bundesligator: "In Nürnberg, Abpraller, aus zwei Metern reingeschoben. 1:2 haben wir verloren, das war das 1:2."

...Spiele, die er vergessen möchte: "Leipzig dieses Jahr (0:3 und 0:5, d.Red.), Düsseldorf Relegation (danach kam es zum Platzsturm, d.Red.). Ich habe zwar nicht gespielt, aber es war Horror, beide Spiele."

...wie er im schnelllebigen Fußball 12 Jahre bleiben konnte: "Es kommt zustande, wenn es a) vom Verein und Sportlichen passt und b) vom Privaten. Und das hat bei mir 12 Jahre gepasst. Theoretisch würde es jetzt auch noch passen, aber ich habe jetzt eine andere familiäre Situation (Frau und Kinder wohnen in der Schweiz, d.Red.)."

...seine Absetzung als Kapitän 2016: "Das war nicht einfach, definitiv. Das Gute war, ich habe immer gesagt: Egal, ob ich die Binde trage oder nicht, ich gebe immer alles, um der Mannschaft zu helfen. Das war immer mein Motto und ist auch heute noch mein Leitsatz. [...] Ich habe dem Trainer dann relativ schnell gezeigt, dass er weiter auf mich bauen kann und er hat dann relativ schnell wieder auf mich zurückgegriffen. [...] Vielleicht war es im Nachhinein auch eine kleine Befreiung, im Sinne davon, dass ich mich nicht mehr hinstellen und rechtfertigen musste, sondern das halbe Jahr dann genommen und nichts mehr (medienmäßig, d.Red.) gemacht habe. Das hat mir dann auch ganz gut getan."

...den Zeitpunkt des Abschieds, obwohl er Stammspieler ist: "Es ist schöner jetzt zu gehen, wenn es sportlich noch gut läuft, wenn man noch im Fokus ist, wenn man noch wichtig ist, als wenn man Nummer 15, 16 ist, nicht mehr spielt und irgendwann sagen die Leute: Lustenberger war auch noch da, der war jetzt 13 Jahre hier - wenn ich noch ein Jahr bleiben würde - und dann spielst du keine Rolle mehr. Jetzt habe ich einen schönen Abschied, die Leute sehen, dass ich, glaube ich, egal in welcher Situation, immer alles gegeben habe für die Hertha."

...einen möglichen Plan bei seiner Ankunft 2007, 12 Jahre zu bleiben: "Auf keinen Fall. Ich bin als 19-Jähriger gekommen und habe einfach gesagt: Wow, Bundesliga, geil. [...] Bei uns war Samstagabend, 18 Uhr, Ran Sat.1-Bundesliga Pflichttermin. Da stand der Fernseher, Mama hat Essen auf den Tisch gestellt vor dem Fernseher und dann wurde Ran geschaut, da gab es keine Diskussion. Am besten wusstest du vorher auch die Resultate nicht, dann wurde richtig mitgefiebert, wer gewinnt. Deswegen war Bundesliga immer der große Traum. Und dann kam ich her und konnte den zehn Jahre in der ersten Liga und zwei in der zweiten leben. Deshalb ist das eine überragende Zeit. Ich glaube nicht, dass du 12 Jahre planen kannst."

Seit 2007 bei Hertha: Fabian Lustenberger ist der dienstälteste BSC-Profi. Bilder seiner Karriere:

Manager Dieter Hoeneß holte Fabian Lustenberger im Sommer 2007 vom FC Luzern nach Berlin. Am Ende seiner Hertha-Premierensaison kommt Lusti auf 24 Bundesliga-Einsätze. Zur Galerie
Manager Dieter Hoeneß holte Fabian Lustenberger im Sommer 2007 vom FC Luzern nach Berlin. Am Ende seiner Hertha-Premierensaison kommt "Lusti" auf 24 Bundesliga-Einsätze. © dpa

...die Dinge, die er an Berlin vermissen wird: "Das weiß ich noch nicht, das wird sich zeigen. Den Fußball an sich werde ich nicht vermissen, aber es geht um das ganze Drumherum. Berlin ist eine Stadt, die total viel zu bieten hat, wo man spontan mal da essen kann, spontan sich da treffen kann. Das ist in der Schweiz wahrscheinlich ein bisschen anders, vielleicht werde ich das vermissen irgendwann. Im Moment freue ich mich eher auf die neue Herausforderung, auf die neue Zeit und dass ich wieder zu Hause bin."

...seinen Lieblingsort in Berlin: "Das ist vielleicht ein bisschen kitschig, aber das Olympiastadion ist nicht schlecht, muss ich ehrlich zugeben, da war ich gerne. Das Trainingsgelände, das Olympiastadion und bei mir zu Hause, das waren die drei Eckpunkte, wo ich am meisten war, wo ich mich wohlgefühlt habe."

...Wehmut, wenn er von den Fans Geschenke beim Training bekommt: "Da realisiert man es ein bisschen. Sonst ist der Alltag immer der gleiche, du kommst zum Training und bereitest dich aufs Spiel vor am Wochenende, unabhängig davon, was am 1.7. ist, soweit denkst du gar nicht. [...] Das richtige Realisieren kommt dann erst, wenn ich in der Schweiz bin und dann nicht mehr einen Flug nach Berlin buchen muss, sondern da bleibe."

...die Tatsache, dass nur fünf Spieler häufiger für Hertha aufliefen: "Das ist schön, aber ich habe es nicht deswegen gemacht. [...] Wenn man dann geht, ist es eine schöne Zahl. Ich denke es zeigt, dass man sich wohlgefühlt hat, dass man immer alles gegeben hat, dass man sich für den Verein eingesetzt hat in den 12 Jahren."

...den Ex-Herthaner Steve von Bergen, der in Bern gerade seine Karriere beendet hat: "Ich glaube, es wäre für mich schon gut gewesen, wenn noch ein Vertrauter in der Mannschaft ist, wenn du jemanden direkt kennst, um Fuß zu fassen. Ich finde es schade, ich glaube aber, dass es für ihn zum jetzigen Zeitpunkt der perfekte Schritt ist. Er ist zweimal als Kapitän Meister geworden, wird im Juni 36 und hat eine Riesenkarriere gemacht."

...internationale Spiele mit Bern: "Das ist natürlich ein schönes Ding, wobei Champions League natürlich die Krönung wäre. Europa League habe ich ja hier auch schon gespielt. Aber Champions League wäre natürlich ein Highlight. Aber ich freue mich in erster Linie nach Hause zu kommen und sportlich eine neue Herausforderugn zu haben."

​50 ehemalige Hertha-Spieler – und was aus ihnen wurde.

Marcelinho, Marko Pantelic, Niko Kovac und Adrian Ramos... Was machen die ehemaligen Hertha-Spieler eigentlich heute? Erfahrt es hier! Zur Galerie
Marcelinho, Marko Pantelic, Niko Kovac und Adrian Ramos... Was machen die ehemaligen Hertha-Spieler eigentlich heute? Erfahrt es hier! ©

...seine künftige Position in Bern: "Eher Innenverteidiger."

...Herthas Zukunft: "Ich bin gespannt, wie die Mannschaft nächstes Jahr aussieht. Ich weiß nicht, ob da noch was passiert, ob a) noch Spieler kommen und b), ob der ein oder andere Spieler so ein gutes Angebot kriegt, dass Hertha sagt, wir lassen dich ziehen. Grundsätzlich glaube ich, mit der Mannschaft, mit der Mentalität, mit dem Charakter sind sie sehr gut aufgestellt."

...Neu-Trainer Ante Covic: "Ich denke, er hat in der U23 super Arbeit geleistet und gezeigt, was er kann, dass er ein Team weiterführen kann. In der Regionalliga liegen sie auf Platz vier, das ist schon gut, das ist schon eine Leistung. Deswegen traue ich ihm was zu und hoffe, dass er gut startet."

...die Nationalmannschaft, für die er drei Spiele absolviert hat: "Für mich ist das Thema durch, ohne da einen Rücktritt zu geben. Tranquillo Barnetta hat es mal gut gesagt: Man muss ja nicht irgendwo zurücktreten, wenn man eh nicht mehr dabei ist. [...] Ich kann nicht mehr, als mich anbieten und hier spielen und alles machen, das hat gestimmt. Da sind Trainer gewesen, die vielleicht nicht so auf mich gesetzt haben, was auch in Ordnung ist. [...] Ich hege keinen Grol oder bin negativ gestimmt. Ich schaue mir die Spiele an und drücke der Schweiz die Daumen."

...eine mögliche Trainerkarriere: "Ich denke, dass es schon in die Richtung geht. Ich gehe schwer davon aus, dass ich im Fußball bleibe. [...] Was genau, kann ich noch nicht genau sagen, aber ich gehe fest davon aus, dass ich einen Trainerschein mache. Ob es dann wirklich Trainer wird - vielleicht dann eher im Jugendbereich. Aber, das hat ja Pal auch mal gesagt und dann ging es relativ schnell."

...eine Rückkehr zur Hertha: "Theoretisch kann ich mir alles vorstellen. [...] Wenn man hier so lange gearbeitet hat und die Leute kennt und das Umfeld kennt. [...] Aber jetzt ist erst einmal Familie angesagt und in 10 Jahren sind die Kinder schon ein bisschen größer. Wer weiß, ob es dann Sinn macht. Aber ich tue mich schwer, soweit in die Zukunft zu denken, wenn ich nicht einmal weiß, was in vier, fünf Jahren ist. Aber Hertha wird immer einen speziellen Platz bei mir haben und immer irgendwie ein Thema sein."

ANZEIGE: 50% aufs Set für deine Mannschaftsfahrt! Der Deal of the week im SPORTBUZZER-Shop.

Die aktuellen TOP-THEMEN
Anzeige
Sport aus Brandenburg
Sport aus aller Welt