12. August 2021 / 15:57 Uhr

Fahrrad, Monopoly, Wolfsburg-Erinnerungen: Mark van Bommel im XXL-Interview

Fahrrad, Monopoly, Wolfsburg-Erinnerungen: Mark van Bommel im XXL-Interview

Andreas Pahlmann
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Im Interview: Mark van Bommel, Trainer des VfL Wolfsburg.
Im Interview: Mark van Bommel, Trainer des VfL Wolfsburg. © Boris Baschin
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Seine erste Bundesliga-Saison als Trainer steht vor der Tür. Im XXL-Interview für das AZ/WAZ-Sonderheft zum Start der neuen Spielzeit sprach Mark van Bommel über seine Karriere und seine Ziele mit dem VfL Wolfsburg.

Die Laufbahn als Spieler war von Erfolg gekennzeichnet, die als Trainer fängt gerade erst so richtig an: Mark van Bommel (44) sprach für das AZ/WAZ-Sonderheft zum Saisonstart Sportchef Andreas Pahlmann über seine Karriere, seinen neuen Job beim VfL Wolfsburg und Schummeleien beim Monopoly.

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Bei Ihrer Vorstellung in Wolfsburg erwähnten Sie Henk van Meteren, den ersten niederländischen VfL-Trainer. Es war ein bisschen beeindruckend, dass Sie ihn kannten.

Warum?

Als van Meteren hier Trainer war, waren Sie nicht einmal ein Jahr alt.

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Ich habe mich vorbereitet. Auch als Spieler habe ich immer versucht, mich so schnell wie möglich mit einem neuen Verein zu identifizieren. Dazu gehört, dass man sich auch ein bisschen mit der Geschichte dieses Vereins beschäftigt.

Was ist Ihnen aus der VfL-Geschichte noch geläufig?

Erinnern Sie sich an den 4. April 2009?

Klar, da war ich im Stadion dabei.

Ich auch.

Wir reden über den Wolfsburger 5:1-Sieg gegen Bayern. Was fällt Ihnen als erstes ein, wenn Sie an das Spiel denken?

Dass wir an dem Tag keine Chance hatten. Dann der Torwartwechsel am Schluss...

...über den Sie sich furchtbar aufregten. „Das könnt ihr nicht machen!“, sollen Sie Richtung Bank gebrüllt haben, als André Lenz für Diego Benaglio kam.

Ich finde immer noch, dass man so etwas bei einem 5:1 nicht machen muss. Felix Magath hat‘s gemacht, das muss man akzeptieren.

Lenz und Magath behaupten bis heute, dass es nicht darum ging, Bayern zu demütigen, sondern um die Einsatzprämie für Lenz.


Das würde ich hinterher auch sagen. (lacht)

Zwölf Jahre nach dem Spiel kam dann das Angebot, Trainer in Wolfsburg zu werden. Wie lange mussten Sie überlegen?

Nicht lange. Ich hatte mich in Deutschland mit Jörg Schmadtke und Marcel Schäfer getroffen, danach bin ich nach Hause gefahren und habe zu meiner Frau gesagt: „Ich habe ein gutes Gefühl.“

Haben Sie Erkundigungen über Wolfsburg eingeholt?

Nein, bewusst nicht. Es ist manchmal nicht gut, sich von zu vielen Meinungen beeinflussen zu lassen. Für mich ist wichtig, dass ich das Gefühl habe, dass es passt. Der Verein will junge Spieler entwickeln, dabei trotzdem eine gute Rolle in der Bundesliga spielen – die Idee passt. Das Umfeld ist gut, die Bedingungen top.

Ihr letzter Trainerjob in Eindhoven endete 2019, bis zum Start in Wolfsburg vergingen eineinhalb Jahre. Kam Ihnen die Zeit lang vor?

Im Nachhinein gar nicht. Ich habe in der Zeit mit vielen meiner Ex-Trainer gesprochen, vor Corona manche besucht. Ottmar Hitzfeld, Jupp Heynckes, Peter Herrmann, viele niederländische Trainer.

Fortbildung?

Ja. Man muss als Trainer von sich überzeugt sein, aber nicht so arrogant, dass man glaubt, alles zu wissen. Ich hatte viele Trainer, von denen ich lernen kann. Ich habe mit vielen von ihnen zusammengesessen und einfach über Fußball gesprochen – und den Eindruck bekommen, dass vieles von dem, was ich mache, gut und richtig ist. Als dann Corona anfing, hatten meine Frau, unsere drei Kinder und ich endlich mal Zeit für uns. Das gab es vorher fast gar nicht, weil ich nach meinem letzten Spiel für Eindhoven ja gleich Trainer geworden bin.

Wie organisieren Sie jetzt in Wolfsburg das Familienleben?

Unsere Tochter spielt Tennis, ihr Zwillingsbruder spielt Fußball in Maastricht, sie starten gerade ihre eigenen Karrieren. Der jüngste Sohn ist auch in Maastricht, in der U18. Wenn er es gut macht, kann er vielleicht in der U19 in Wolfsburg spielen, mal sehen. Bis dahin wird er wohl eher pendeln. Meine Frau und ich haben eine schöne Wohnung gefunden. Nicht weit von der Arena, ich fahre mit dem Fahrrad zur Arbeit, das geht schneller als mit dem Auto.

Der neue VfL-Trainer: Die Karriere von Mark van Bommel in Bildern

Sittard, Bayern, Trainerkarriere: Mark van Bommel. Zur Galerie
Sittard, Bayern, Trainerkarriere: Mark van Bommel. ©

Klar, Sie sind Niederländer. Da fahren Sie Fahrrad. Wollen wir gleich noch mehr Klischees abräumen?

Dann los.

Dass Sie nicht mit dem Wohnwagen gekommen sind, haben Sie schon bei Ihrer Vorstellung gesagt. Bleiben Windmühlen, Holzschuhe, Tulpen – und dass Holländer immer im 4-3-3-System spielen lassen.

Dann reden wir über 4-3-3. Aber das ist eine Formation, die nur auf dem Zettel steht. Es kommt darauf an, Räume verteidigen zu können, das ist wichtiger als die Frage, in welcher Grundordnung man das macht. Und der Fußball ist immer dynamischer geworden, darum braucht man verschiedene Lösungen. Manchmal baut man mit drei Spielern hinten auf und die Außenverteidiger stehen höher, manchmal lassen sich die Stürmer etwas tiefer fallen. Dann sieht auch ein 4-3-3 immer wieder anders aus.

Wie kommt das eigentlich, dass ein Land so sehr für eine taktische Grundidee steht?

Weil wir ein kleines Land sind. Deswegen müssen wir gut nachdenken, wie wir spielen wollen – und genau dafür ausbilden. Wenn man das macht, hat man die Chance, auch die Großen zu schlagen.

Aber warum gerade 4-3-3?

Ich denke, das liegt an den 70er Jahren, als der niederländische Fußball mit Johan Cruyff seine erste große erfolgreiche Zeit hatte.

Wer waren Ihre Fußball-Helden in der Kindheit?

Als der AC Mailand mit van Basten, Gullit und Rijkaard gleich drei Niederländer hatte, war ich zwölf. Das fand ich spannend. In den Niederlanden habe ich auf Eindhoven oder Sittard geschaut, die Teams, in denen ich später auch gespielt habe. Aber um 18 Uhr am Samstag lief immer die deutsche Bundesliga, da habe ich jedes Wochenende vor dem Fernseher gesessen und alles verfolgt, was gezeigt wurde. Und als wir 1988 Europameister wurden, war ich eher Fan der Nationalmannschaft insgesamt, nicht so sehr eines einzelnen Spielers.

Gab‘s keinen Lieblingsspieler?

Später erst, so mit 17 - Pep Guardiola. Der hat in Barcelona vor der Abwehr gespielt, hatte ein gutes Auge, hat clever den Raum verteidigt. Das fand ich stark. Und auf Barca hat man ja sowie geschaut, weil da immer viele Holländer waren. Das orangefarbene Auswärtstrikot dort ist ja kein Zufall.

War für Sie immer klar, dass Sie Fußballer werden?

Eigentlich schon. Früher gab es ja auch nicht so viele Möglichkeiten. Der Nintendo kam irgendwann raus, da wurde dann auch mal Super Mario Bros. gespielt. Aber ansonsten gab‘s nur Fußball. Ich war Einzelkind, viele meiner Freunde auch. Da war zu Hause dann wenig los, also sind wir immer raus auf den Bolzplatz. Und blieben dann dort, bis es dunkel war. Mein Vater war auch Fußballer, hat noch mit über 40 beim Amateurverein in Maasbracht in der ersten Mannschaft gespielt, über 1000 Spiele gemacht. Auch im Mittelfeld, übrigens. Da waren wir dann am Sonntag immer dabei. Neben dem Sportplatz war ein Deich, dahinter eine Rasenfläche. Da haben wir Kinder gekickt. Wenn wir hörten, dass ein Tor gefallen ist, haben wir kurz geschaut – und dann wieder weitergespielt.

Was konnte man in Maasbracht sonst als Jugendlicher so machen?

Bei uns hatte viel mit Wasser zu tun. Maasbracht ist ein Zentrum für die Binnenschifffahrt, ich hatte Mitschüler, deren Eltern auf den Flüssen unterwegs waren. Und wir haben eine große Schleuse, einige sind dort von oben zehn, zwölf Meter tief in den Fluss gesprungen.

Sie auch?

Nein, das habe ich mich nicht getraut.

Wann wurde Fußball für Sie eine ernste Sache?

Es gab ein Förderprogramm, „Masterplan Jugendfußball“ nannte sich das. Da konnte man als junger Fußballer aus einem Amateurverein bei größeren Klubs trainieren und spielen. So habe ich mit zehn schon bei Fortuna Sittard mittrainiert, später auch bei VVV-Venlo. Da sahen die Tage dann manchmal so aus: Mit dem Fahrrad im höchsten Tempo von der Schule nach Hause, damit meine Mutter mich rechtzeitig nach Sittard bringen konnte, dort gab es Hausaufgabenhilfe und dann Training, nach dem Training wartete schon ein Kleinbus mit laufendem Motor, um uns zum Bahnhof zu bringen, was zeitlich immer sehr eng war. Manchmal ließ der Schaffner den Zug sogar auf uns Jungs mit den Sporttaschen warten. 19.45 Uhr war ich dann daheim, 20.15 Uhr lag ich im Bett.

Klingt nach Stress.

Nein, war es nicht. Ich wollte ja Profifußballer werden. Mit 15 durfte ich in Sittard mit der ersten Mannschaft trainieren, bei meinem ersten Spiel in der 1. Liga war ich 16 Jahre und 23 Tage alt.

Das wissen Sie noch so genau?

Ich stehe bis heute in der Liste der jüngsten niederländischen Erstliga-Spieler ziemlich weit oben (lacht), darum habe ich das oft genug über mich gelesen.

Von Sittard ging es zur PSV Eindhoven – weil das der Top-Verein war, der am nächsten lag?

Nein, das war mir egal, es wären auch Feyenoord Rotterdam, Roda Kerkrade oder Anderlecht in Belgien infrage gekommen. Aber ich hatte zwei überragend gute Gespräche. Eines mit Jan Wouters, der damals bei Ajax Amsterdam war. Und das andere mit Erik Gerets.

Der war später auch mal Trainer in Wolfsburg.

Ja, ich weiß. Damals war er Trainer in Eindhoven. Der Verein dort hat mir insgesamt besser gefallen, darum habe ich Jan und Ajax abgesagt. Ich habe ihn neulich getroffen, er bedauert das bis heute (lacht).

Dass dann Barcelona Ihre erste Auslands-Station war, wundert bei der Barca-Geschichte mit niederländischen Top-Spielern nicht. Aber warum sind Sie da nach einem Jahr wieder weg? Weil Sie im ersten Jahr schon alles gewonnen hatten?

Nein. Barca holte damals Gianluca Zambrotta und Lillian Thuram von Juve für meine Position und Trainer Rijkaard sagte mir: „Du hast zuletzt viel gespielt, wir wollen jetzt mehr rotieren.“ Da habe ich geantwortet: „Ich mag das nicht. Kann ich mir einen anderen Verein suchen?“

Stimmt es, dass Sie dann Roy Makaay nach einem Job bei den Bayern gefragt haben?

Ja, bei einem Freundschaftsspiel. Wir haben 4:0 gegen die Bayern gewonnen, die in diesem Spiel ein sehr junges Mittelfeld hatten. Da habe ich zu Roy gesagt: „Braucht ihr einen Mittelfeldspieler?“, und er antwortete: „Ich frage mal Uli.“ Am Abend rief er mich dann an und sagte: „Ja, Uli Hoeneß denkt darüber nach.“ So bin ich in die Bundesliga gekommen…

...die Sie 2011 wieder verließen, obwohl der VfL Sie haben wollte. Wie weit war das mit dem Wechsel nach Wolfsburg damals?

Ich denke, das wäre vielleicht möglich gewesen. Ich habe zwar nie selbst mit Wolfsburg gesprochen, aber ich weiß, dass Uli mit seinem Bruder darüber geredet hat.

Dieter Hoeneß war damals Manager in Wolfsburg. Woran ist das gescheitert?

Es gab wohl ein Angebot, aber ich weiß bis heute nicht, wie das ausgesehen hat. Denn als Mailand kam, war klar, dass ich das machen werde. AC Mailand, die Erinnerung an van Basten, Gullit, Rijkaard, das ist für einen Holländer ein besonderer Verein.

Es hieß, Sie seien bei Bayern vor Trainer Louis van Gaal geflüchtet.

Ich sage mal so: Normalerweise wechselt ein Kapitän im Winter nicht den Verein.

Oder sind Sie gegangen, weil für Ihre Position Luiz Gustavo aus Hoffenheim kam?

Zumindest konnte van Gaal sagen, dass ich weg bin, weil ich den Konkurrenzkampf nicht annehmen wollte. Gut für ihn.

Sie kamen offenbar nicht mit allen Trainern in Ihrer Karriere gut klar.

Ich hatte 22 Trainer. Da finde ich es normal, dass es nicht mit allen problemlos war.

Besonders spektakulär war Ihr Zerwürfnis mit Marco van Basten zu dessen Zeit als Nationaltrainer, der Sie 2005 gleich am Anfang seiner Amtszeit nach einem Spiel gegen Rumänien stark kritisiert hat. 2006 haben Sie dann gesagt, dass Sie unter ihm nicht mehr spielen wollen.

Man muss wissen, dass ich bis zur WM 2006 kein großes Turnier gespielt habe. 2000 kam ich erst nach der EM in die Nationalmannschaft, 2002 waren wir für die WM nicht qualifiziert, 2004 habe ich mich kurz vor der EM verletzt. Die WM 2006 wollte ich unbedingt spielen, also habe ich erst einmal alles akzeptiert. Und nach dem Turnier habe ich dann gesagt, dass ich unter ihm nicht mehr spiele.

Heute sind Sie selbst Trainer. Welche Lehren konnten Sie aus der damaligen Situation ziehen?

Ich habe gelernt, immer offen zu kommunizieren – und zu erwarten, dass die Spieler das auch tun. Ich hatte damals das Gefühl, dass der Trainer mich nicht aufstellt, egal wie gut ich bin. Und du darfst eigentlich nicht zulassen, dass ein Spieler so ein Gefühl bekommt. Wenn jemand nur sagt: „Das war schlecht“, aber er kann dir nicht erklären, warum – dann werde ich ein Sturkopf.

Können Sie als Trainer Ihren Spielern immer alles erklären?

Das ist eine sehr gute Frage. Ich versuche es immer, aber ich gebe zu: Manchmal kann ich es nicht, weil man manchmal auch auf sein Gefühl hört. Dann kann man einem Spieler nicht erklären, warum er nicht spielt. Und wenn man es dann trotzdem versucht, läuft man Gefahr, dass man was Falsches sagt – und nicht ehrlich ist.

Sehen Sie heute als Trainer Dinge grundsätzlich anders als als Spieler?

Ich habe schon als Spieler versucht, immer die Mannschaft als Ganzes zu sehen. Wahrscheinlich war ich deswegen auch so oft Kapitän. Jeder Spieler muss zwar auf sich und seine Leistung fokussiert sein, aber trotzdem müssen alle zusammen als Mannschaft funktionieren.

Also war immer klar, dass Sie Trainer werden?

Schon 1999, da war ich gerade von Sittard nach Eindhoven gewechselt, habe ich meine ersten beiden Trainerscheine gemacht. Bei der praktischen Prüfung hatte ich als Übungsgruppe die Sittard-Spieler, mit denen ich ein paar Monate zuvor noch zusammengespielt hatte.

Das kann die Sache einfach machen.

Oder es macht sie besonders schwer (lacht). Nein, ich hatte ihnen vorher „Limburgse Vlaai“ versprochen, das ist eine niederländische Gebäckpezialität.

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Aber das wird ja nicht die einzige Vorbereitung gewesen sein?

Ich hatte schon als Spieler immer geschaut: Welche Übungen machen die Trainer? Warum machen sie die? Was ist die Idee dahinter? Ich sage ja auch hier den Spielern immer: Wir machen alles mit einer Idee. Bei jeder Übung sollte klar sein, warum wir sie machen. Und idealerweise kommen die Spieler selbst drauf.

Als van Basten nicht mehr Nationaltrainer war, sind Sie in die Elftal zurückgekehrt – wo dann ausgerechnet Ihr Schwiegervater der Trainer war…

Ja, hört sich einfach an, oder? War es aber nicht. Da war eine Menge Druck dabei. Aber wir haben gut gespielt, in der WM-Quali fast alles gewonnen und sind am Ende Vize-Weltmeister geworden. Da war dann schnell klar, dass ich nicht nur wegen meines Schwiegervaters wieder dabei bin.

Sie waren unter Bert van Marwijk Spieler und Co-Trainer, ist diese familiäre und gleichzeitig auch berufliche Bindung für Sie und Ihr Umfeld manchmal schwierig?

Nein, es sind ja alle daran gewöhnt. Als ich meine spätere Frau kennenlernte, war ihr Vater ja schon mein Trainer bei Fortuna Sittard. Er hat dann in der Kabine vor der ganzen Mannschaft einmal gesagt: „Jungs, hört zu, es kann sein, dass der Mark jetzt auch ab und zu mal bei mir zu Hause auftaucht. Das ist aber hoffentlich für alle kein Problem.“ Das war es nicht und seitdem auch keine Thema mehr.

Ihre Kinder haben alle Leistungsport-Ambitionen. Haben Sie den Ehrgeiz und das Talent dafür eher von ihrem Vater oder von ihrem Opa mütterlicherseits?

Das weiß ich nicht. Ich weiß, dass sie Spaß daran haben – das ist das Wichtigste.

Dann frage ich anders: Haben Sie Ihre Kinder bei „Niet boos worden”, dem holländischen “Mensch, ärgere dich nicht” gewinnen lassen?

Nein, natürlich nicht. Wir spielen das übrigens immer noch, wenn wir im Urlaub sind, machen wir richtige Turniere, meistens am Strand. Und am Ende des Urlaubs schauen wir, wer gewonnen hat.

Wie ist Ihre Quote?

Kann ich nicht sagen, aber bei einem der letzten Turniere war der Endstand 16 – 17 – 18 – 21. Also sehr knapp. Ich hatte 18 Siege, leider. Meine Tochter hat gewonnen.

Wenn man sich erinnert, wie Sie als Spieler waren und wie Sie manchmal auch die Grenzen des Erlaubten auf dem Platz, sagen wir mal „gedehnt“ haben, muss man an dieser Stelle fragen: Schummeln Sie dabei auch manchmal?

Es wird wohl beim Monopoly mal vorgekommen sein, dass ein Spielgeldschein plötzlich woanders lag… (lacht)

Das passt zu Ihrem Image, immer alles zu tun, um zu gewinnen. Aber wirklich alles.

Wenn ich beim Monopoly geschummelt habe, dann habe ich das nach dem Spiel auch zugegeben. Aber da hatte ich dann ja schon gewonnen.

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AZ/WAZ-Sonderheft © Roland Hermstein

Die obszöne Geste im Rücken des Schiris, der Griff in den Unterleib von Stuttgarts Fernando Meira - gab es in Ihrer aktiven Zeit Reue-Momente?

Es gibt einiges, wo ich im Nachhinein sagte: Das war nicht klug. Klar. Wenn ich nach einer Roten Karte abends nach dem Spiel mit dem Hund spazieren war, dann wusste ich immer schon ganz genau, was nicht so schlau war.

Vermitteln Sie den Spielern das?

Darüber denke ich nicht nach. Wenn ich so etwas thematisiere, dann denken sie zu viel daran. Das wäre nicht gut. Wenn ich etwas bemerke, was mir nicht passt und von dem ich denke, dass es am Ende ein Nachteil für uns ist, dann sage ich das schon. Aber im Zweifelsfall drücke ich da eher ein Auge zu.

Was macht Ehrgeiz aus?

Jeden Tag 100 Prozent arbeiten, jeden Tag daran arbeiten, besser zu werden. Es reicht nicht, das einfach nur zu wollen. Man muss es wollen und machen.

Der VfL war in der Vorsaison Vierter, die Fallhöhe ist enorm hoch, das Risiko für einen neuen Trainer damit auch...

Wenn Sie es so formulieren, müsste man ja sagen: Den Job in Wolfsburg sollte man nicht antreten. Denn was soll nach Platz vier kommen? Aber ich wäre nicht auf die Idee gekommen, deswegen abzusagen. Weil ich es eben nicht so sehe, sondern sage: Was in der Vergangenheit war, sollte meine Entscheidung nicht beeinflussen. Wenn du das Gefühl hast, das alles passt, dann musst du es tun – und nicht darüber nachdenken, was vielleicht passieren könnte. Man muss das Abenteuer angehen und die Herausforderung annehmen - dann empfindet man es nicht als Risiko.

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