01. Januar 2021 / 16:32 Uhr

Familie engagiert sich in Verein – in drei Generationen

Familie engagiert sich in Verein – in drei Generationen

Mirko Jablonowski
Märkische Allgemeine Zeitung
Opa Günter (links) und Enkel Justin Mählhahn trainieren in dieser Saison gemeinsam die zweite E-Jugend-Mannschaft des SV Babelsberg 03.
Opa Günter (links) und Enkel Justin Mählhahn trainieren in dieser Saison gemeinsam die zweite E-Jugend-Mannschaft des SV Babelsberg 03. © Verein
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Drei Generationen, ein Verein : Günter, Britta und Justin Mählhahn engagieren sich als Trainer und Betreuer beim SV Babelsberg 03 in der Nachwuchsarbeit.  

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Sport spielte im Leben von Familie Mählhahn schon immer eine ganz große Rolle. Opa Günter, inzwischen 77 Jahre alt, engagierte sich erstmals im Jahr 1966 als Übungsleiter. Damals noch in der Heimat im Harz. 2004 übernahm der gelernte Tischler, der später bis zur Rente als Personalratsvorsitzender im öffentlichen Dienst tätig war, erstmals einen Trainerposten im Nachwuchs des SV Babelsberg 03. „Justin“, sagt der rüstige Rentner mit Blick auf seinen heute 21 Jahre alten Enkelsohn, „hat damals mit dem Fußball begonnen und es wurden Übungsleiter gesucht. So kam ich zum Verein und bin bis jetzt dabei geblieben.“

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Dabei habe er schon oft angekündigt, sich zurückzuziehen. „Aber so richtig ernst nimmt das ohnehin keiner“, sagt Günter Mählhahn, der in den vergangenen Jahren mehrere Nachwuchsteams als Betreuer oder Trainer begleitete, mit einem Schmunzeln. „Solange es die Gesundheit zulässt, werde ich dabei bleiben. Falls das nicht mehr möglich ist, werde ich eben ein guter Zuschauer.“

Britta Mählhahn engagiert sich ehrenamtlich als Betreuerin in der C-Jugend von Babelsberg.
Britta Mählhahn engagiert sich ehrenamtlich als Betreuerin in der C-Jugend von Babelsberg. © Verein

Übergabe des Staffelstabs

Vom Großfeldbereich verabschiedete er sich aufgrund des höheren Aufwandes und weil ihm die Arbeit mit den jüngsten Jahrgängen einfach am meisten Spaß mache als damaliger Betreuer der C-Junioren im Sommer 2014 und übergab den Staffelstab an Tochter Britta. Die 50-Jährige engagierte sich bis dahin immer als Spielermama und kümmerte sich um die Wäsche. Zum Babelsberger Traditionsverein kam sie eher zufällig. „Als wir nach Potsdam gezogen sind, bin ich schon mit Justin im Kinderwagen regelmäßig zu den Spielen der ersten Männermannschaft gegangen. Später hat er eben selbst angefangen zu spielen.“

Zur Saison 2014/15 übernahm sie die Funktion der Teambetreuerin bei den C-Junioren des Vereins, die damals vom Trainerduo Matthias Boron/Torsten Sellmann betreut wurde. „Mein Papa wollte seine Funktion nicht mehr ausüben und hat den Staffelstab quasi an mich übergeben“, berichtet die Beiköchin des Potsdamer Studentenwerks, die früher in Gernrode (Sachsen-Anhalt) selbst aktiv Handball spielte und – natürlich – auch von Papa Günter trainiert wurde. „Sport hat bei uns in der Familie schon immer eine große Rolle gespielt“, sagt sie und räumt aber auch ein, dass man sich bei Familienfeiern inzwischen bemüht, nicht nur dieses eine Thema zu haben: „Sonst sind die anderen irgendwann auch bedient.“

Vereinsliebe geht unter die Haut

Mit wie viel Herzblut Britta Mählhahn bei ihrem Ehrenamt aber dabei ist, verrät ein Blick auf ihre Wade. Diese ziert ein ganz besonderes Tattoo: Eine rote Rose, auf deren grünen Blättern die Initialen von Matthias Boron und Torsten Sellmann verewigt sind. Die wurden nicht nur in der Saison 2013/14 mit ihrem Papa Günter (als Betreuer) und mit Sohn Justin (als Defensivspieler) Landesmeister bei den C-Junioren, sondern wiederholten diesen Erfolg auch in der Spielzeit 2015/16 mit dem 2001er-Jahrgang und Britta als Betreuerin. Der Schriftzug „Die 01er“ und das Wappen der SV Babelsberg 03 komplettieren das ungewöhnliche Körperkunstwerk.

Hohes Ansehen innerhalb des Vereins

„Ich durfte mit allen drei Generationen zusammenarbeiten“, sagt Matthias Boron, der aktuell Co-Trainer bei der ersten Männermannschaft des Vereins in der Regionalliga ist und zudem die A-Junioren der Filmstädter unter seinen Fittichen hat. „Die erste Begegnung hatte ich ja damals direkt mit Günter und Justin in meinen ersten Jahren als Trainer der C-Jugend. Justin durfte ich trainieren, Günter war damals unser Betreuer. Ich bin erst mit Günter und Justin und später auch mit Britta Landesmeister geworden“, erinnert er sich und weiß um die Bedeutung ihres ehrenamtlichen Engagements für „seinen“ Verein.

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„Sie genießen hier ein hohes Ansehen. Was sie alle drei einzeln in ihren Aufgabenbereichen leisten, ist einfach unbezahlbar.“ Dass sich drei Generationen einer Familie zu ein und derselben Zeit ehrenamtlich in einem Verein engagieren, ist auf jeden Fall außergewöhnlich. Wenn man weiß, dass Brittas Bruder Olaf ebenfalls viele Jahre beim SVB aktiv war, verdeutlicht das umso mehr, dass die Mählhahns die Begeisterung für den Sport in den Genen haben müssen.

Erste Trainererfahrungen mit dem Großvater

So verwundert es kaum, dass Justin schon vor fünf Jahren, als er selbst noch auf dem Platz stand, seine ersten Erfahrungen als Übungsleiter gesammelt hat – selbstverständlich an der Seite von Opa Günter. „Er hatte einen Co-Trainer gesucht und ich habe es mal ausprobiert. Es hat mir Spaß gemacht zu sehen, wie sich die Jungs entwickeln, und deswegen bin ich noch immer am Ball“, erläutert der Fan des Fußball-Zweitligisten Hamburger SV. Im Dezember 2017 begann er zudem zusammen mit Mama Britta seinen Trainerschein und schloss den Lehrgang 2018 erfolgreich ab.

In dieser Saison kümmert er sich – sofern der Spielbetrieb nicht wie aktuell wegen Corona unterbrochen ist – zusammen mit seinem Großvater um die zweite E-Jugend der Nulldreier. „Natürlich haben wir auch mal andere Ansichten“, berichtet der gelernte Anlagenmechaniker aus dem „Arbeitsalltag“ des durchaus ungewöhnlichen Trainerduos. „Aber wir ergänzen uns super. Opa hat ganz viel Erfahrung, ich bin etwas näher an den Jungs dran. Das passt und macht Spaß.“ Ein Ende des Drei-Generationen-Projekts von Familie Mählhahn ist also noch lange nicht in Sicht.