01. Mai 2022 / 09:17 Uhr

Familienfest und Riesensause: BSG Chemie verabschiedet Daniel Heinze

Familienfest und Riesensause: BSG Chemie verabschiedet Daniel Heinze

Jens Fuge
Leipziger Volkszeitung
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280 Mal trug Daniel Heinze stolz das Trikot der Leutzscher: Am Samstag wurde die langjährige "Nummer 10" im Rahmen eines Abschiedsspiels verabschiedet.
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Als er den Platz verließ, flossen dann doch die Tränen. Daniel Heinze schritt durch ein Spalier seiner einstigen und aktuellen Mannschaftskameraden und wurde von den 1227 Zuschauern frenetisch gefeiert. Das Abschiedsspiel gewannen die „Heinzi-Allstars“ gegen die aktuelle Mannschaft der BSG Chemie mit 7:5 – das Ergebnis war allen aber herzlich egal.

Leipzig. „Ich bedanke mich bei allen, die geholfen haben, den Tag zu einem unvergesslichen Ereignis für mich zu machen“, sagte der sichtlich ergriffene Ex-Lenker und heutige Mannschaftsleiter der BSG, Daniel Heinze. 280 Spiele für FCS und Chemie hat der Mann, der die Nummer 10 trug, gemacht (127 FCS, 153 BSG), dabei 66 Tore erzielt (25 FCS, 41 BSG). Das wegen Corona um zwei Jahre verschobene Abschiedsspiel war erst das zweite in der Leutzscher Historie – der andere, dem diese hohe Ehre zuteil wurde, stand mit Heinze auf dem Platz. „Hansi, Hansi!“ feierten die Fans den inzwischen 61-jährigen Ex-Torjäger Leitzke, der 1996 sein ganz besonderes Spiel erhielt.

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Damals musste er diesen Höhepunkt noch ganz allein ohne Unterstützung des Vereines, für den er so viele Jahre die Knochen hingehalten hatte, organisieren. Das war dieses Mal anders – ein ganzes Team kümmerte sich um Kick wie Familientag, in den das Spiel eingebettet war. 4460 Besucher zählten die Organisatoren, die fast schon euphorisch reagierten. „Bombastisch, super. Tolles Wetter, tolle Atmosphäre, Wahnsinn!“, resümierte Martin Schmeißer, Mitglied des Orgateams. Viele Familien mit Kindern kamen, viele auch ohne Vereinsbezug. Vom Zauberer bis zur Vereinsvorstellung auf dem Kunstrasen reichte das Angebot, auch auf dem Flohmarkt herrschte riesiger Andrang.

JETZT Durchscrollen: Die Bilder vom Abschiedsspiel!

Mit 7:6 gewannen die Heinzi Allstars gegen das aktuelle Team der BSG Chemie. Doch eigentlich war das Ergebnis völlig egal, im Mittelpunkt stand der Spaß und der Dank an die langjährige Nummer 10 Zur Galerie
Mit 7:6 gewannen die "Heinzi Allstars" gegen das aktuelle Team der BSG Chemie. Doch eigentlich war das Ergebnis völlig egal, im Mittelpunkt stand der Spaß und der Dank an die langjährige "Nummer 10" ©

Mittendrin kickten die Hansi Leitzke, Bela Virag, Enrico Köckeritz, Daniel Ferl und Co. gegen die Regionalligamannschaft der Chemiker, die am Abend zuvor noch einen Sieg beim Tabellendritten VSG Altglienicke eingefahren hatte. Natürlich ging es nicht sonderlich bierernst auf dem Rasen zu, aber der Ehrgeiz war sämtlichen Akteuren nicht abzusprechen. Tommy Kind versuchte sich einige Male im Abschluss nach Flanken von Christian Sobottka, dem Co-Trainer der Ersten Herren. Sein Chef Miro Jagatic überzeugte durch saubere Technik und Übersicht. Trainer Uwe Thomas hatte aber erst einmal einen Anranzer parat: „Wo kommst du denn jetzt her?“ fragte er entrüstet, als Jagatic zur Halbzeit im Räuberzivil zur Bank schlenderte. Der Coach der Leutzscher kam aus Probstheida, wo er den Derbygegner beobachtet hatte, und kam trotz der erheblichen Verspätung zu seinem Einsatz. Ein Tor gelang ihm trotz einiger Versuche nicht, was seinen „Co“ zu der Bemerkung hinriß: „Gut so, sonnst höre ich mir das die ganze Woche an…“

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Der Flachs blühte allenthalben, und immer wieder wurde Daniel Heinze gesucht. Der traf dreifach – einmal für die BSG, zweimal für die Allstars. Einen Elfmeter verschoss er, und beim nächsten wurde dann Hans Leitzke so lange genötigt, bis der Torjäger von einst antrat – auch er scheiterte zunächst am Torwart Jonas Janke, behielt aber im Nachschuss die Übersicht. Ein Spiel ohne Leitzke-Tor, das gab es auch früher kaum einmal… Kapitän Stefan Karau hielt sich übrigens zurück und nahm nicht am Spiel teil. Dafür stand er in der Halbzeit im Mittelpunkt. Bei der traditionellen, vom Fanclub Delitzsch veranstalteten Wahl zum „Spieler der Saison“ gewann der Capitano erstmals die Umfrage. „Eine schöne Anerkennung, die mir viel bedeutet“, gab Karau zu Protokoll.

Ansonsten freuten sich die Fans über die Rückkehr von Langzeitverletzten Max Keßler, der nach dem Spiel völlig platt war, und Stephane Mvibudulu. Sie wunderten sich über den flotten Kicker mit der 35 und erkannten erst nach dessen spektakulären Fallrückzieher, dass es sich um Torwart Benny Bellot handelte. Und sie freuten sich über den letzten Treffer zum 7:5 für die Allstars, den der 45-jährige Khvicha Shubitidze erzielte. Dann ging „Heinzi“ durch das große Spalier und fand nur noch wenige Worte: „Ich bin total glücklich und geplättet. Was für ein Abschied. Vielen Dank!“