05. November 2019 / 13:31 Uhr

Fan-Forscher Claus nach Berliner Derby: Pyrotechnik-Debatte zu pauschal

Fan-Forscher Claus nach Berliner Derby: Pyrotechnik-Debatte zu pauschal

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Fan-Forscher Robert Claus bemängelt eine fehlende gemeinsame präventive Arbeit beider Vereine zum Thema Gewalt.
Fan-Forscher Robert Claus bemängelt eine fehlende gemeinsame präventive Arbeit beider Vereine zum Thema Gewalt. © Christoph Loeffler, dpa - SPORTBUZZER-Grafik
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Bundesliga: Fan-Forscher Robert Claus nimmt auch die beiden Berliner Vereine in die Pflicht

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Für Fan-Forscher Robert Claus führt die pauschale Diskussion über den Einsatz von Pyrotechnik beim Berliner Derby in der Fußball-Bundesliga am Ziel vorbei. „Jenseits der Raketen geht es nicht nur um den Gebrauch von Fackeln, sondern auch darum, wie die Fans den Spieltag mitgestalten und sich einbringen können in einem immer kommerzialisierteren Fußball. Da geht es um Mitbestimmung und Teilhabe“, sagte Claus dem Tagesspiegel nach den Vorfällen in der Partie zwischen dem 1. FC Union Berlin und Hertha BSC (1:0).

In Bildern: Union Berlin siegt im Berlin-Derby mit 1:0 gegen Hertha BSC.

Unions Maskottchen Ritter Keule ballt die Fäuste vor Spielbeginn. Zur Galerie
Unions Maskottchen Ritter Keule ballt die Fäuste vor Spielbeginn. © dpa

Der Wunsch nach Mitgestaltung treffe dann auf die staatliche Seite, der es darum gehe, die strengen Regularien durchzusetzen. „Da treffen unterschiedliche Wertvorstellungen und Ziele aufeinander“, sagt der 36 Jahre alte Fan-Experte, der bedauert, dass eine Vermittlung zwischen den beiden Polen „kaum ernsthaft verfolgt“ werde.

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Claus gibt vier Ziele vor, mit denen der Einsatz von Pyrotechnik ebenso in richtige Bahnen gelenkt werden könne wie die Verhinderung eines Platzsturms. Man müsse eine aktive und präventive Fan-Arbeit bieten und sich in Netzwerken wie dem „Bündnis gegen Homophobie“ beteiligen, bei dem beide Berliner Vereine Mitglied sind. Dadurch sollen die traditionellen Verständnisse von Männlichkeit, die bei gewaltbereiten Leuten vorliegen, aufgebrochen werden. „Das ist eine sehr heteronormative und gewalttätige Männlichkeitsvorstellung“, sagt Claus. Zudem sei eine interne Vereinsarbeit ebenso wichtig wie die Öffentlichkeitsarbeit.

Claus, der unter anderem Borussia Dortmund bei der Anti-Diskriminierungsarbeit beraten hatte, bemängelt aber auch eine fehlende gemeinsame präventive Arbeit beider Vereine zum Thema Gewalt, die öffentlich kommuniziert hätte müssen. „Dass es in Teilen der Fanszene Interesse an Gewalt beim Derby gibt, diese Anzeichen waren da.“