03. April 2020 / 16:49 Uhr

Fan-Pressekonferenz bei RB Leipzig: Julian Nagelsmann deutet Saison-Aus für Willi Orban an

Fan-Pressekonferenz bei RB Leipzig: Julian Nagelsmann deutet Saison-Aus für Willi Orban an

Thomas Fritz
Leipziger Volkszeitung
JuNagelsmann
RB-Trainer Julian Nagelsmann nutzt die Zeit, um seine Steuererklärung zu machen. © getty images
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RB Leipzigs Coach Julian Nagelsman hat sich am Freitag auf einer Fan-Pressekonferenz den Fragen der Anhänger gestellt. Möglicherweise kann Kapitän Willi Orban diese Saison gar kein Spiel mehr absolvieren, sagte der 32-Jährige.

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Leipzig. Julian Nagelsmann kann der Arbeit im Homeoffice während der Corona-Pandemie durchaus etwas Gutes abgewinnen. „Ich habe meine Steuererklärung für das letzte Jahr gemacht“, verriet der Trainer von RB Leipzig auf einer Fan-Pressekonferenz am Freitag. „Dann habe ich schon ein paar lästige Themen verarbeitet.“

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Mit 3,66 <b>Torschussvorlagen</b> pro 90 Minuten liegt <b>Christopher Nkunku</b> laut Online-Portal www.ligainsider.de einsam an der Spitze der Bundesliga. Der hochgerechnete Minuten-Wert erlaubt eine bessere Vergleichbarkeit der Leistungen als Pro-Spiel-Statistiken und ist beispielsweise im US-Sport schon seit Jahren Teil von Analysen. Hinter Nkunku folgen Bayern-Profi Thomas Müller (3,06) und der Kölner Florian Kainz (2,62). Zweitbester RB-Kicker ist  <b>Marcel Sabitzer</b> mit 2,07 vorbereiteten Torschüssen vor  <b>Emil Forsberg</b> (1,70),  <b>Timo Werner</b> (1,38) und  <b>Marcel Halstenberg</b> (1,22) – ein starker Wert für einen Verteidiger. Zur Galerie
Mit 3,66 Torschussvorlagen pro 90 Minuten liegt Christopher Nkunku laut Online-Portal www.ligainsider.de einsam an der Spitze der Bundesliga. Der hochgerechnete Minuten-Wert erlaubt eine bessere Vergleichbarkeit der Leistungen als Pro-Spiel-Statistiken und ist beispielsweise im US-Sport schon seit Jahren Teil von Analysen. Hinter Nkunku folgen Bayern-Profi Thomas Müller (3,06) und der Kölner Florian Kainz (2,62). Zweitbester RB-Kicker ist  Marcel Sabitzer mit 2,07 vorbereiteten Torschüssen vor  Emil Forsberg (1,70),  Timo Werner (1,38) und  Marcel Halstenberg (1,22) – ein starker Wert für einen Verteidiger. ©

Mit Pressesprecherin Silva Saländer saß Nagelsmann wie so oft vor dem Wochenende im PK-Raum der Trainingsakademie am Cottaweg. Nur dass die Plätze vor ihnen dieses Mal verwaist blieben. Stattdessen las Saländer Fragen vom Laptop ab, die die Anhänger über die sozialen Medien stellen konnten. Seiner Familie und ihm gehe es gut, bestätigte der 32-Jährige, der einen gut gelaunten Eindruck machte und sich unter anderem zum Lazarett und zum allgemeinen Fitnesszustand seiner Spieler äußerte.

Am Montag die Situation neu bewerten

Die ehemals Langzeitverletzten Kevin Kampl und Ibrahima Konaté wären bei der Wiederaufnahme des Bundesligaspielbetriebs Anfang Mai wieder körperlich in der Lage auf dem Rasen zu stehen, so Nagelsmann. Kapitän Willi Orban befindet sich nach seiner Knieverletzung dagegen noch im Rehatraining. Es sei offen, ob der ungarische Nationalspieler in dieser Saison überhaupt noch ein Spiel machen könne. „Er hat noch ein bisschen was wieder gut zu machen. Das ist einfach eine schwere Verletzung gewesen, die noch ein bisschen Zeit in Anspruch nimmt.“

Auch Ethan Ampadu laboriert nach wie vor an einer schmerzhaften Wirbelverletzung. Ein Kontroll-MRT soll Aufschluss über das weitere Vorgehen geben. „Es ist noch nicht daran zu denken, dass er wieder am Training teilnehmen kann“, erklärte Nagelsmann.

Seit Donnerstag sind bei RB wieder körperkontaktlose Übungseinheiten in Kleingruppen angesetzt, die auch nächste Woche fortgesetzt werden sollen. Am Montag will der Club die Situation allerdings neu bewerten. Die DFL hatte empfohlen, bis zum 5. April kein Teamtraining durchzuführen.

Spannung nicht zu früh hochfahren

Sorgen vor möglichen Folgen der schwierigen Trainingsbedingungen auf den Fitnesszustand seiner Spieler macht sich der Chefcoach nicht. Durch das Lauftraining und die individuellen Fitnesseinheiten in den eigenen vier Wänden sei die Substanz weitgehend erhalten geblieben. „Die haben nicht allzu viel verloren, die Buben“, so Nagelsmann.

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Die RBL-Kicker wären in seinen Augen in eineinhalb bis zwei Wochen in der Lage, Spiele zu absolvieren, sobald ein normales Mannschaftstraining mit Vollkontakt möglich ist. Geisterspiele ohne Fans, ohne Emotionen von den Rängen bezeichnete der Coach für seine junge Mannschaft als „besondere Herausforderung“, die ein größeres Maß an Eigenmotivation erfordere. Seine Aufgabe sieht der Bayer jetzt vor allem darin, die Spannung nicht vorschnell hochzufahren, damit sie Anfang Mai noch da ist.

Lieber Bundesliga anstatt Testspiele

Ob die jetzige Situation die größte Herausforderung übehaupt für ihn als Trainer sei, wollte ein Fan wissen. Nagelsmann verneinte das vehement. „Nee, auf keinen Fall. Das ist wie eine vorgezogene Sommerpause oder nachgeschobene Winterpause“, stellte der Coach klar. „Da bricht die Welt nicht zusammen.“ Duelle fast ohne Zuschauer kennt er zudem aus seiner Zeit als Jugendtrainer bei der TSG Hoffenheim. Und Kommandos seien bei Geisterspielen schließlich viel besser zu verstehen – ein kleiner Vorteil.

Nagelsmanns Einstellung zu Testspielen hat sich durch die Corona-Krise übrigens nicht geändert. Selbst wenn ein Übungs-Kick vor Wiederbeginn der Liga theoretisch möglich wäre, würde er ablehnen. „Ich würde am liebsten nie ein Testspiel machen, nur Bundesliga spielen.“ In vier Wochen könnte es im deutschen Oberhaus wieder so weit sein.