10. August 2020 / 06:12 Uhr

Fan-Rückkehr in Bundesliga-Stadien? Gesundheitsminister beraten über Zuschauer-Comeback

Fan-Rückkehr in Bundesliga-Stadien? Gesundheitsminister beraten über Zuschauer-Comeback

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
 Die Bundesliga-Stadien könnten schon zu Saisonbeginn wieder teilweise gefüllt sein.
Die Bundesliga-Stadien könnten schon zu Saisonbeginn wieder teilweise gefüllt sein. © imago images/Montage
Anzeige

Am Montag beraten die Gesundheitsminister der Länder über die Maßnahmen der DFL für eine Zuschauer-Rückkehr in die Stadien der Bundesliga. Die Debatte schwelt vor dem Hintergrund der steigenden Corona-Infektionszahlen weiter. 

Anzeige

Die Debatte um das Für und Wider einer Zuschauerrückkehr in die Bundesliga-Stadien zur neuen Saison hält an. Das Konzept der Deutschen Fußball Liga für einen zunächst reduzierten Wiedereinzug der Fans ohne Besetzung der Stehplätze, Alkohol und Gästefans sowie mit personalisierten Tickets hat viel Anerkennung bekommen. Zugleich gibt es angesichts der steigenden Corona-Infektionszahlen weiter Kritik und Zweifel aus Bund, Ländern und Wissenschaft. Die Gesundheitsminister der Länder wollen an diesem Montag über die geplanten DFL-Maßnahmen beraten.

Mehr vom SPORTBUZZER

"Wir haben aber nicht vor, einen Beschluss zum Hygienekonzept der DFL zu fassen", sagte die Berliner Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci (SPD), Vorsitzende der Gesundheitsministerkonferenz, der Berliner Morgenpost. Die Idee, dass unter anderem alle Besucherinnen und Besucher nach Testungen wieder ins Stadion kommen können, werde von der Mehrheit der Minister "kritisch gesehen. Ganz besonders, weil vor und nach dem Spiel niemand große Menschenansammlungen und Alkoholkonsum ausschließen und kontrollieren kann“, sagte Kalayci (53). Man brauche die Testkapazitäten außerdem in vielen anderen Bereichen – in den Schulen, Kitas, Pflegeheimen, Krankenhäusern und für die Reiserückkehrer. "Daher steht nach meiner jetzigen Einschätzung der Profifußball auf der Prioritätenliste der Gesundheitsminister nicht ganz oben", erklärte Kalayci.

Für Ärzteverband ist Teilzulassung von Zuschauern nur schwer vorstellbar

Vor dem Treffen hat der Ärzteverband Marburger Bund Bedenken gegen eine Zuschauerteilzulassung auch mit Corona-Schutzauflagen geäußert. "Ich kann mir nur schwer vorstellen, wie Fußballfans mit zwei Metern Abstand ein Tor ihrer Mannschaft bejubeln", sagte die Vorsitzende Susanne Johna der Deutschen Presse-Agentur. "Wenn Fans im Stadion sind, dann wollen sie auch zusammensein und gemeinsam feiern, was menschlich nachvollziehbar ist", sagte die Ärztin und Hygienespezialistin. "Insofern bin ich da eher kritisch."

Sané, Schick & Co.: Die Sommer-Zugänge der Bundesliga-Klubs 2020

Bayerns Leroy Sané (von links), Leverkusens Patrik Schick, Dortmunds Jude Bellingham und Leipzigs Alexander Sörloth haben für ihre neuen Klubs bereits gespielt. Zur Galerie
Bayerns Leroy Sané (von links), Leverkusens Patrik Schick, Dortmunds Jude Bellingham und Leipzigs Alexander Sörloth haben für ihre neuen Klubs bereits gespielt. ©

Der Virus-Experte Helmut Fickenscher hingegen warnt, dass der Ligastart mit Zuschauern am dritten September-Wochenende die Probleme mit der Pandemie in den kälteren Jahreszeiten vergrößern könnte. "Im Herbst und Winter ist zu erwarten, dass sich die epidemische Lage verschärft", sagte der Direktor des Instituts für Infektionsmedizin des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein in Kiel der dpa. Gleichzeitig werde es schwer sein, zwischen Infektionen mit dem Coronavirus und herkömmlichen Erkältungen sowie der Grippe zu unterscheiden. "Das wird es schwieriger machen, über entsprechende Lockerungen im Sportbereich zu entscheiden", sagte der Mediziner.

Grundsätzlich hält er eine begrenzte Rückkehr von Fans zu den Spielen für möglich. "Bei zehn Prozent der Zuschauer habe ich aber den Verdacht, dass man das auch gleich lassen könnte", sagte Fickenscher und fügte hinzu: Vielleicht sei das andererseits "ein Anfang. Und auf Basis dieses Anfangs kann man Erfahrungen sammeln."

Hertha BSC mit Komplett-Verzicht auf Zuschauer?

Die Zulassung einer geringen Zuschauerzahl hätte einen symbolischen Wert, aber kaum einen wirtschaftlichen. So denkt Hertha BSC einem Bericht der Bild am Sonntag zufolge darüber nach, ganz auf Besucher zu verzichten, zumal in Berlin eine Obergrenze von 5000 Personen für Großveranstaltungen bis zum 24. Oktober gilt. "Zu wenig für Hertha BSC", schrieb das Blatt. Um auf eine schwarze Null zu kommen, müssten mindestens 15 000 Zuschauer kommen, hieß es in der BamS laut einer klubinternen Hertha-Rechnung.

Wie unabwägbar und mit welchen (Infektions-)-Gefahren das Vorhaben der Bundesliga verbunden ist, zeigen die jüngsten Coronavirus-Fälle beim 1. FC Köln. Zwei Spieler sind positiv getestet worden, twitterte der Klub am Samstag. Beide sind in häuslicher Quarantäne. Am Samstag hatte das Kölner Team erstmals gemeinsam auf dem Platz gestanden.