28. Mai 2022 / 08:56 Uhr

Fan-Boss des FC Liverpool über Trainer Klopp: "Die Menschen lieben ihn nicht nur, weil wir erfolgreich sind"

Fan-Boss des FC Liverpool über Trainer Klopp: "Die Menschen lieben ihn nicht nur, weil wir erfolgreich sind"

Hendrik Buchheister
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Der FC Liverpool fordert im Champions-League-Finale den spanischen Rekordmeister Real Madrid.
Der FC Liverpool fordert im Champions-League-Finale den spanischen Rekordmeister Real Madrid. © IMAGO/Shutterstock/Privat (Montage)
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Der FC Liverpool setzt im Champions-League-Finale gegen Real Madrid am Samstag auch auf die Unterstützung der Anhänger. Der SPORTBUZZER hat vor der Chance auf den dritten "Reds"-Titel in der laufenden Saison mit Joe Blott, dem Vorsitzenden von "Spirit of Shankly", der Dachorganisation der Liverpool-Fans, gesprochen.

Der FC Liverpool greift am Samstag zum zweiten Mal binnen drei Jahren nach dem Henkelpott. Im Champions-League-Finale geht es für die "Reds" gegen den spanischen Rekordmeister Real Madrid um die dritte Trophäe in der laufenden Saison (21 Uhr, ZDF und mit DAZN [Anzeige]). Der SPORTBUZZER, das Sportportal des RedaktionsNetzwerks Deutschland (RND), hat mit Joe Blott, dem Vorsitzenden von "Spirit of Shankly", der Dachorganisation der Liverpool-Fans, über die Rolle von Trainer Jürgen Klopp, den fehlenden Zuschauer-Support während der Corona-Pandemie und die Aussicht auf weitere Titel gesprochen.

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SPORTBUZZER: Mr. Blott, stimmt der Eindruck, dass Jürgen Klopp im Moment so beliebt bei den Fans des FC Liverpool ist wie nie zuvor?

Joe Blott: Kann man ihn noch mehr verehren als am ersten Tag? Er passt perfekt zu unserer Kultur und hat das immer wieder bewiesen. Die Menschen lieben ihn nicht nur, weil wir erfolgreich sind. Er zeichnet sich dadurch aus, wie er sich abseits des Rasens verhält. Dass er gerade seinen Vertrag bis 2026 verlängert hat, ohne eine Gehaltserhöhung zu verlangen, zeigt einfach, was für ein großartiger Mensch er ist. Er versteht, was den Fans wichtig ist. Kürzlich kritisierte er die UEFA für die Verteilung der Karten beim Champions-League-Finale. Welcher andere Trainer macht das? Er tut einfach die richtigen Dinge. Und das nicht, weil er es muss, sondern, weil es seiner Persönlichkeit entspricht.

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Sie erwähnen die Kultur des FC Liverpool. Was muss ein Liverpool-Trainer haben?

Er muss verstehen, was der Verein den Fans bedeutet, wie viele Opfer wir bringen, um dem Klub durch England und Europa zu folgen. Klopp tut das. Seine Jubelfaust nach den Spielen zeigt, dass es eine enge Verbindung zu den Fans gibt. Er glaubt an den Wert der Gemeinschaft. Das entspricht dem Spirit der Menschen in Liverpool. Unser legendärer Trainer Bill Shankly sprach davon, dass es beim FC Liverpool eine heilige Dreifaltigkeit geben soll – Mannschaft, Trainer, Fans. Unter Klopp ist das so.

Vor einem Jahr sah er schwer angeschlagen aus. Liverpools Titelverteidigung in der Premier League war krachend gescheitert, zwischenzeitlich gab es sechs Heimniederlagen am Stück. Jetzt hat er einen neuen Vertrag und könnte Liverpool zum zweiten Champions-League-Sieg in drei Jahren führen. Hätten Sie mit einer solchen Wende gerechnet?

Man konnte einfach sehen, wie sehr er in der Zeit der leeren Stadien die Fans vermisst hat. Das hat ihm stark zugesetzt. Er ist auch nur ein Mensch. Er war nicht mehr der starke Mann, den wir kannten. Wir haben uns Sorgen um ihn gemacht. Und jetzt? Wir haben in dieser Saison in allen Wettbewerben alle Spiele bestritten, die möglich waren, und wir haben die meisten davon gewonnen. Das verlangt nicht nur den Spielern viel ab, sondern auch dem Trainer. Er lebt von der Energie der Fans, und die Fans geben das zurück. Das ist eine wichtige Erklärung für unsere unglaubliche Saison.

Blott: "Fans und Verein stehen zusammen wie lange nicht"

Die Aussicht auf das "Quadruple" mit vier Titeln hat sich gerade zerschlagen. Manchester City wurde mit einem Punkt Vorsprung Meister. Wäre es immer noch eine erfolgreiche Saison, wenn auch das Champions-League-Finale verloren gehen sollte?

Auf jeden Fall! Wir waren in allen Wettbewerben bis zum Ende dabei und haben den Ligapokal und den FA-Cup gewonnen. Selbst, wenn es dabei bleiben sollte, zeigt das, wie weit wir gekommen sind. Außerdem stehen Fans und Verein zusammen wie lange nicht. Ein Beispiel: Nach dem letzten Premier-League-Spiel gegen die Wolverhampton Wanderers sind fast alle Zuschauer im Stadion geblieben, um die Mannschaft auf ihrer Ehrenrunde zu verabschieden. Ich kann mich nicht erinnern, dass in der Vergangenheit nach dem letzten Spiel so viele Leute geblieben sind. Jürgen Klopp hat uns alle zusammengebracht.

Nach seiner Vertragsverlängerung soll er dem FC Liverpool bis 2026 erhalten bleiben. Wieviele Pokale wollen Sie in dieser Zeit noch gewinnen?

Wir haben jetzt unsere Standards gesetzt. Wir wollen in jeder Saison um alle Titel mitspielen. Aber wir messen den Erfolg nicht nur an Trophäen. Es ist auch wichtig zu sehen, wie sich einzelne Spieler verbessern. Das jüngste Beispiel dafür ist Luis Díaz, der nach seinem Wechsel aus Porto im Januar sofort verstanden hat, was Klopp von ihm will. Als Fan erlebt man immer Höhen und Tiefen, so wird es auch in den kommenden Jahren sein. Aber wir werden weiter um Titel kämpfen. Und wir werden eine mindestens so gute Mannschaft haben wie im Moment, auch über 2026 hinaus. Ich bin mir sicher, dass Klopp ein Erbe hinterlassen will.

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