18. April 2020 / 13:41 Uhr

„Fanclub-Leben liegt komplett brach“: RB Leipzigs Anhänger sehnen Rückkehr der Bundesliga herbei

„Fanclub-Leben liegt komplett brach“: RB Leipzigs Anhänger sehnen Rückkehr der Bundesliga herbei

Thomas Fritz
Leipziger Volkszeitung
Tobias Hohensee vom studentischen Fanclub Red Campus und alle anderen RB-Leipzig-Fans müssen mindestens bis Ende August mit dem Stadionbesuch warten. Vielen fehlt der Fußball bereits und sehnen sich nach ihm - auch wenn er nur im TV liefe.
Tobias Hohensee vom studentischen Fanclub "Red Campus" und alle anderen RB-Leipzig-Fans müssen mindestens bis Ende August mit dem Stadionbesuch warten. Vielen fehlt der Fußball bereits und sehnen sich nach ihm - auch wenn er nur im TV liefe. © GEPA Pictures/Privat
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Die Ausgangsbeschränkungen durch die Corona-Pandemie und die Bundesliga-Pause haben die Fanclubs von RB Leipzig schwer getroffen. Die Hoffnung auf baldige Geisterspiele ist groß, um zumindest ein Stück vom gewohnten Sportalltag wiederzubekommen.

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Es sind Wochenenden, die sich für viele Fans von RB Leipzig seltsam leer anfühlen. Ohne Live-Fußball, ohne Fan-Geselligkeit, ohne das obligatorische Bierchen vorm Stadion, das bei den milden Temperaturen besonders gut schmecken würde. Nicht mal über den Schiri kann man noch meckern.

Die Corona-Pandemie hat den Sportbetrieb in die Knie gezwungen – mit Folgen nicht nur für die Profi-Kicker. „Das Fanclub-Leben liegt komplett brach“, sagt Tobias Hohensee vom studentisch geprägten Offiziellen Fanclub (OFC) Red Campus „Das einzige, was noch aktiv ist, ist der WhatsApp-Chat“, sagt der Leipziger. Es müssen gegenwärtig keine Auswärtsfahrten organisiert, keine Pläne für die Sommerpause geschmiedet werden, neue Mitglieder können auch nicht aufgenommen werden. „Das Stadionerlebnis, der Austausch mit der Gruppe, der gemeinsame Spaß, die Mannschaft anfeuern, das fehlt schon langsam“, klagt der 35-Jährige. „Was mir aber noch mehr fehlt, ist der Sport und die Liga an sich.“

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Yussuf Yurary Poulsen: Yussuf Poulsens mittlerer Namensbestandteil war der Nachname seines vor vielen Jahren an Krebs verstorbenen Vaters, der aus Tansania stammte. In der dänischen Nationalmannschaft läuft der 25-Jährige mit "Yurary" auf dem Rücken auf und nutzt in den sozialen Netzwerken Facebook, Twitter und Instagram seinen vollen Namen. ©

Auch Nicole Tschirner hat die Pause langsam satt. Statt Live-Fußball in der Red Bull Arena schaut die Vorsitzende des OFC „REDVOLUTION LEIPZIG e.V.“ alte RB-Spiele wie das 8:0 gegen Mainz. Statt ihre Jungs im Stadion anzufeuern, sitzt sie auf dem Sofa. „Man findet schon eine Beschäftigung. Aber es fehlt was“, sagt die 42-Jährige.

„Lieber erstmal ein Geisterspiel als überhaupt gar keins“

Die Leipzigerin plädiert für die baldige Wiederaufnahme des Ligabetriebs mit Geisterspielen. „Auch wenn es für uns Fans traurig wäre, nicht live dabei zu sein, wir könnten es wenigstens vorm Fernseher verfolgen. Lieber erstmal ein Geisterspiel als überhaupt gar keins“, sagt sie. Das wäre auch für die Fußballer und einige wirtschaftlich bedrohten Clubs wichtig, meint Tschirner. Bis mindestens 31. August sind Großveranstaltungen in Sachsen – und damit auch Fußballspiele mit Zuschauern – noch untersagt. Im Mai könnte die Liga wieder starten.

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Peter Gulacsi: 9,5 Mio Euro (-2,5 Mio Euro) ©

Tobias Hohensee ist hin und her gerissen. Einerseits sehnt sich der sportaffine Familienvater sehr nach der Rückkehr des Fußballbetriebs. Anderseits sind Geisterspiele in seinen Augen vom Unterhaltungsfaktor auf Dauer schwere Kost. Die Matches zwischen Dortmund und PSG sowie Mönchengladbach und Köln, die beide ohne Fans stattfanden, seien „gruselig“ gewesen. Einziger Vorteil: Man konnte die Anweisungen von Spielern und Trainern hören. Hohensee gibt zu Bedenken, dass es am Ende nicht nur um 22 Männer geht, die gegen einen Ball treten. Die Corona-Pandemie treffe auch Security-Firmen oder Caterer, die von der Bundesliga leben, in ihrer Existenz. Andere Sportarten seien ebenfalls betroffen.

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Das Bündnis „Fanszenen Deutschland“ lehnt Geisterspiele dagegen völlig ab. „Eine baldige Fortsetzung der Saison wäre blanker Hohn gegenüber dem Rest der Gesellschaft und insbesondere all denjenigen, die sich in der Corona-Krise wirklich gesellschaftlich engagieren“, hieß es in einer Erklärung. Der ultraaffine Leipziger Kurvenverein Rasenballisten war für eine kurzfristig Stellungnahme nicht zu erreichen.

Gesundheitliche Gefahren?

Kritiker warnen außerdem davor, dass sich Fans bei Geisterspielen in geschlossenen Räumen zu Fußball-Partys versammeln könnten, die Kontaktregeln ignorieren und neue Ausbruchsherde provozieren. Was meinen die RB-Fans dazu? „Es kann natürlich sein, dass solche Treffen stattfinden. Für uns kommt das überhaupt nicht in Frage“, sagt Red-Campus-Mitgründer Hohensee. Mittlerweile würden sich die meisten Menschen ohnehin an die bestehenden Regeln halten.

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(1) Peter Gulacsi: Vertrag bis 30.6.2023 mit Vereinsoption auf ein weiteres Jahr. ©

„Wir würden das im Fernsehen verfolgen, aber es wird einige geben, die die Regeln missachten“, befürchtet Nicole Tschirner. Ihr Sorge: Dass aufgrund solcher Nachlässigkeiten die Spiele durch die Behörden komplett abgesagt werden könnten.

Sportlicher Wert der Meisterschaft steht in Frage

Schließlich stellt sich die Frage nach dem sportlichen Wert einer „Corona-Meisterschaft“. Ein Thema, über das sich auch Tobias Hohensee Gedanken gemacht hat. „Wie bewertet man diesen Meistertitel nach so einer Pandemie? Das ist ja nicht dasselbe, als wenn man unter regulären Bedingungen den Titel geholt hätte“, sagt der RBL-Anhänger. „Es gibt keine Fans, es gibt keine Meisterfeier. Das wäre eine ganz komische Situation.“

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Ein Teil des Walls, der die Red-Bull-Arena umgibt, wird gerade abgetragen. Wir durften die riesige Baustelle besuchen. © Dirk Knofe

Und es bleiben weitere offene Fragen. Müsste nicht das ganze Team in Quarantäne, wenn sich ein Spieler ansteckt? Was machen die Clubs, wenn mehrere Stars mit Corona-Diagnose ausfallen? Bis es Antworten darauf gibt, werden sich die Leipziger Fans wohl noch einige alte Bullen-Kicks im Internet angesehen haben, um sich die Zeit am Wochenende zu vertreiben.