16. Mai 2021 / 19:25 Uhr

Fans attackieren Polizei: Schwere Ausschreitungen rund um Dynamo-Aufstieg

Fans attackieren Polizei: Schwere Ausschreitungen rund um Dynamo-Aufstieg

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Am Rande des Aufstiegsspiels von Dynamo Dresden kam es zu Ausschreitungen.
Am Rande des Aufstiegsspiels von Dynamo Dresden kam es zu Ausschreitungen. © Baumann-Hartwig
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Zunächst bleibt alles ruhig, doch zwanzig Minuten bevor Dynamo Dresden die Rückkehr in die 2. Bundesliga besiegelt, eskaliert die Lage: Vor dem Stadion fliegen Flaschen und Pyrotechnik auf die Polizei, es gibt Verletzte.

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Dresden. Am Rande des Heimsiegs von Dynamo Dresden gegen Türkgücü München und dem damit gleichbeutenden Aufstieg in die 2. Liga ist es am Sonntag vor dem Stadion in Dresden zu schweren Ausschreitungen zwischen Fans und der Polizei gekommen. Anhänger des Vereins attackierten ab der 70. Minute des Spiels beim Stand von 3:0 außerhalb des Stadions die Polizei mit Pyrotechnik, warfen Glasflaschen und Flaschen und versuchten die Absperrungen mit Gewalt zu durchbrechen, wie ein dpa-Reporter berichtete. Später flogen Flaschen und Steine auf Fahrzeuge und Beamte, die wegen der Gewaltbereitschaft immer wieder den Rückzug antreten mussten. Die Polizei meldete am Abend elf verletzte Polizisten, die im Krankenhaus behandelt werden mussten. Auch bei den Fans von Dynamo gab es Verletzte. Eine genaue Bilanz stand zunächst noch aus.

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„Die erschreckenden Szenen rund um das Rudolf-Harbig-Stadion haben gezeigt, dass die Deeskalationsstrategie der Polizei nur dann funktioniert, wenn beide Seiten das auch wollen“, erklärte Dresdens Polizeipräsident Jörg Kubiessa. Die Polizei habe auf Kommunikation gesetzt. „Als dann aber mindestens 500 Gewaltbereite unsere Polizeibeamten im Großen Garten unvermittelt und massiv mit Pyrotechnik, Flaschen sowie Steinen angriffen, fand diese Strategie zwangsläufig ihr Ende.“ Es sei bedauerlich, dass der sportliche Erfolg Dynamo Dresdens von „bestürzenden Bildern“ überschattet wird.

DURCHKLICKEN: Bilder zu den Ausschreitungen

Am Rande des Dynamo-Aufstiegs kam es in Dresden zu Ausschreitungen und turbulenten Szenen. Zur Galerie
Am Rande des Dynamo-Aufstiegs kam es in Dresden zu Ausschreitungen und turbulenten Szenen. ©

Feierlaune der Dynamo-Spieler nach Fan-Ausschreitungen dahin

Die Feierlaune nach dem Aufstieg war schnell dahin. Die Krawalle der Fans außerhalb verbreiteten sich auch im Stadionrund schnell. Spieler Marco Hartmann sendete aus dem Stadion einen Appell an die Anhänger vor der Spielstätte. „Ich bitte euch einfach, geht bitte nach Hause. Es bringt heute nichts mehr, wir können und dürfen heute nicht rauskommen. Wir können es auch nicht verantworten, rauszukommen, denn es würde nicht gut werden“, sagte der Kapitän. Mannschaft, Fans und Verein hätten es verdient, den Aufstieg gebührend zu feiern. „Aber nicht heute, sondern zu einem guten Zeitpunkt“, sagte Hartmann.



Der Verein hatte die Randale und die Verletzten bedauert. „Dieser Moment des Aufstiegs gehört so vielen Menschen, die heute nicht im Stadion dabei sein durften“, twitterte Dynamo. „Hier gibt es sehr viel aufzuarbeiten, wenn der Polizeieinsatz vor dem Stadion abgeschlossen sein wird. Es ist sehr schade, dass dieser Tag so schwer beschädigt wurde.“

Nach Angaben der Polizei waren Beamte bereits seit den Morgenstunden rund um das Stadion präsent. „Wir haben das Stadion zur Festung gemacht“, sagte Polizeisprecher Thomas Geithner. Zur Mittagszeit hätten sich mehr als 4000 Fußballfans am nahe gelegenen Straßburger Platz und an der Hauptallee im Großen Garten eingefunden. Dabei sei wiederholt Pyrotechnik abgebrannt worden. Per Lautsprecher habe man die Menge mehrfach aufgefordert, den Bereich zu verlassen und per Video das Geschehen dokumentiert, um Rechtsverstöße zu ahnden.

Aktuell hat die Polizei 17 Ermittlungsverfahren unter anderem wegen schweren Landfriedensbruchs, Körperverletzung, Sachbeschädigung und Verstoßes gegen das Sprengstoffgesetz eingeleitet. Im Zusammenhang mit dem Einsatz sind bisher 30 Leute ins Gewahrsam gekommen, hieß es.

Nach Angaben der Polizei wurden auch Medienvertreter attackiert, darunter ein Kamerateam. Auch ein 17-Jähriger sei von Unbekannten geschlagen und getreten worden: „Der junge Mann war dort mit einem Fotoapparat unterwegs und dokumentierte die Situation. Auch er war möglicherweise journalistisch tätig.“ Die Polizei bat andere betroffene Journalisten, sich zu melden und Anzeige zu erstatten. Laut Polizei sind während des Einsatzes mindestens ein Dutzend Polizeifahrzeuge beschädigt worden. Unter anderem wurden Reifen zerstochen und Spiegel abgetreten. Der Gesamtschaden steht zunächst nicht fest. Etwa 1100 Beamte waren im Einsatz. Die Dresdner Polizei wurde von Kollegen aus Brandenburg, der sächsischen Bereitschaftspolizei und der Bundespolizei unterstützt.