12. Januar 2021 / 14:57 Uhr

Fans der BG Göttingen kritisieren Trainer und Team in sozialen Medien

Fans der BG Göttingen kritisieren Trainer und Team in sozialen Medien

Kathrin Lienig
Göttinger Tageblatt
Harper Kamp (hier gegen den Oldenburger Nathan Boothe) wird von den Fans für seinen Einsatz und Kampfgeist gelobt.
Harper Kamp (hier gegen den Oldenburger Nathan Boothe) wird von den Fans für seinen Einsatz und Kampfgeist gelobt. © Peter Heller
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Bei der Niederlagenserie vor dem Jahreswechsel haben sich die Fans der BG Göttingen mit Kommentaren zur Leistung des Basketball-Bundesligisten zurückgehalten. Nach der 63:81-Pleite gegen die Fraport Skyliners äußerten sich die Veilchen-Anhänger kritisch in den sozialen Medien.

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Alles andere als zurückhaltend haben sich die Fans des Basketball-Bundesligisten BG Göttingen in den sozialen Medien nach der Niederlage bei den Fraport Skyliners am vergangenen Wochenende geäußert. Der Tenor ist eindeutig: Die Veilchen werden zum Abstiegskandidat in der Basketball-Bundesliga, wenn sich nichts ändert, die Anhänger vermissen Teamspirit, Kampf und Leidenschaft und eine positive Entwicklung, wie sie die Konkurrenz auf den unteren Rängen der Tabelle zeigt.

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„Wo ist die Göttinger Leidenschaft hin? Das war eigentlich unser Markenzeichen. Die Energie?“, fragt Facebook-User Kev Missi und fährt fort: „Ich erwarte Kampf und Einsatz. Das muss sich der Trainer ankreiden lassen. Aggressive Defense. Energie und Lust auf das Spiel. Er soll endlich mal das Switchen sein lassen. Kann doch nicht sein, dass der Center immer und immer wieder den Pointguard verteidigen muss.“

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„Katastrophale Defensive“

Tobias Müller kritisiert, dass das BG-Team „leider keinerlei Entwicklung im Vergleich zu den anderen Mannschaften zeigt. Vom reinen Spielermaterial (Starting 5) dürfte man eigentlich nichts mit dem Abstiegskampf zu tun haben. Mit Nelson, Dawkins und Odiase hat man allein drei Spieler, die durchaus das Potential für ein Playoff-Team haben. Unser Hauptproblem ist die absolut katastrophale Defensive. Da fängt es beim dämlichen Switchen an, geht beim nicht Ausblocken beim Rebound weiter und hört beim Nicht-Dreier-Verteidigen auf. Der Coach hat nun insgesamt elf Ligaspiele Zeit gehabt, um die Defensive zu verbessern. Mehr als leere Floskeln à la ,Es braucht Zeit, um die Defensive zu verbessern‘ kamen nicht. In der Offensive versuche ich jedes Spiel ein System zu erkennen. Bis jetzt ist es mir leider noch nicht gelungen. Die Dreierschützen werden nicht freigespielt, stattdessen müssen Dawkins, Nelson und Weidemann schwierige Würfe nehmen. Zumindest das Pick and Roll funktioniert teilweise.“

„Ich hab immer das Gefühl, dass ein paar Spieler keine Lust haben. Wenn ich mir Guti anschaue vergeht mir jegliche Lust auf Basketball. Alles nur halbherzig, und wenn es nicht läuft, wird er bockig, wie ein Kleinkind. Nicht besonders fair den anderen Spielern gegenüber“, äußert sich Janine Geisler.

„Aufwachen, bevor es zu spät ist“

André Wendt stellt die mannschaftliche Geschlossenheit in Frage: „Was ist da los im Team? Besser gesagt: welches Team? Ich sehe nicht, dass alle Spieler in die gleiche Richtung wollen!“ Karsten Scholz sieht eine Richtung: „Mit solchen Leistungen geht’s leider in die Pro A. Aufwachen, bevor es zu spät ist.“

Kritik an den routinierten Spielern übt Uwe Rohland: „Wenn ich mir so den Gutiérrez manchmal anschaue, weiß ich ehrlich nicht, was ich dazu noch sagen soll. Gerade er und Vargas sollten voran gehen, aber da kommt null etwas… Keiner ist ein Leader… Mönninghoff ist der einzige, der mit Feuer und Einsatz dabei ist, es gelingt ihm auch nicht alles, aber er kämpft. Wenn die Heimspiele auch verloren gehen, brennt der Baum und dann wird auch ein Trainer hinterfragt werden.“

Einer der treuesten und engagiertesten Fans ist Christian Ziegenhorn. Der Organisator der Auswärtsfahrten hat sich auch nach dem Frankfurt-Spiel zu Wort gemeldet: „Die zweite Halbzeit war leider absolut gar nichts. Da will ich von der Presse-Abteilung keine faulen Ausreden lesen. Kein Spieler hat mehr als 27 Minuten gespielt, da darf keinem Profi die Kraft ausgehen. Hoffentlich wird Luke Nelson bald wieder gesund, sonst sehe ich schwarz.“

Fraport Skyliners - BG Göttingen, BBL 2020/21

Fraport Skyliners - BG Göttingen, BBL 2020/21 Zur Galerie
Fraport Skyliners - BG Göttingen, BBL 2020/21 © Huebner

Nelsons Fehlen nicht als Ausrede benutzen

„Die Fans sollen mittlerweile froh sein, dass sie nicht in die Halle dürfen, um sich das noch anzutun. Und jetzt komm mir bitte keiner mit der Ausrede, dass Nelson doch wieder nicht dabei war“, schreibt Tobias Winter in seinem Facebook-Kommentar.

Kaj Warnecke war ernüchtert während des Spiels: „Sorry BG, aber es ist heute tatsächlich passiert: Ich habe erstmalig überlegt umzuschalten. Über die Gründe referieren die Anderen schon genug. Geht es so weiter, werde ich mir nächste Saison nicht überlegen müssen, ob ich umschalte. Die zweite Liga läuft nämlich nicht bei MagentaSport. Bitte lasst es nicht soweit kommen. Wir werden natürlich immer zu unserem Verein halten. Aber im Moment ist nicht Covid der Grund, warum eine Entwöhnung stattfinden kann, vor der man sich so ängstigt.“

Dass der Frankfurter Matt Mobley 30 Punkte gegen die Veilchen erzielen konnte, ist für Patrik Becker unverständlich: „Die Fans sitzen jedes Wochenende wieder vor dem Fernseher, kaufen sogar Geistertickets und Pappaufsteller, um ihre Unterstützung zu zeigen und dann bekommen wir eine solche zweite Hälfte präsentiert... Eine absolute Frechheit sowas! Im Pokalspiel haben wir Frankfurt dominiert und jetzt werden wir von einer Truppe, die von einem einzigen Spieler lebt, so verprügelt!“

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Guten Job in der Vergangenheit gemacht

Sarkasmus kommt von Uwe Roselieb: „Das letzte Viertel war doch super spannend. Ach ne, hatte schon auf Bayern gegen Chemnitz umgeschaltet.“ Der Aufsteiger aus Sachsen spielte zeitgleich und verlor bei den Münchenern äußerst knapp mit 76:77.

Bei der Forderung von Mathias Schönthal nach dem Austausch des Trainerteams meldet sich noch einmal Tobias Müller zu Wort: „Bei dem Trainerteam stimme ich dir zu! Aber das andere finde ich gegenüber der BG nicht fair! Man hat seit Jahren einen guten Job gemacht, jetzt läuft es mal nicht gut und schon will man kein Fan mehr sein?! Sorry, aber auf diese Fans kann man verzichten. Viele würden sich umschauen, falls es die BG irgendwann mal nicht mehr geben sollte. Dann ist im beschaulichen Göttingen nämlich tote Hose, was den Sport betrifft.“

Über die Loyalität der Fans zu ihrem Verein macht sich Thomas Guenther Gedanken: „Es wird immer von den Verantwortlichen gesagt, dass die Corona-Zeit die Fans vom Basketball entwöhnt. Ich glaube das machen sie ganz alleine.“

Dennis Schüstale holt einen Spieler in den Vordergrund, den in Göttingen vor der Saison niemand auf der Rechnung hatte: „Harper Kamp mit ganz viel Herz und Leidenschaft bis jetzt. Von dem ,alten Mann‘ kann sich so manch‘ anderer ’ne Scheibe abschneiden!“


Reaktion von Frank Meinertshagen

Angesprochen auf die Fan-Kritik äußert sich BG-Geschäftsführer Frank Meinertshagen: „Ich lese manchmal die Kommentare in den sozialen Medien, nicht immer. Wir wären aber schlecht beraten, wenn diese eine Auswirkung auf unsere Arbeit hätten. Wir können unser Handeln nicht danach ausrichten.“ Die Kritik der Anhänger sei der BG-Chefetage nicht egal. „Uns ist es schon wichtig, zu erfahren, wie die Stimmung unter den Zuschauern ist. Aber ich glaube nicht, dass diese Kommentare die allgemeine Meinung widerspiegeln.“

Für das Team sei es nicht gut, wenn es ständig mit Meinungsäußerungen aus den sozialen Netzwerken konfrontiert werde. „Die Stimmung ist bei den Spielern nach den Niederlagen auch schlecht – vor allem, nachdem das dritte Viertel in Frankfurt so sang- und klanglos verloren wurde. Ich weiß, dass die Fans mehr erwarten, nachdem wir so verheißungsvoll in die Saison gestartet sind.“ Für Meinertshagen ist es wichtig, dass die Mannschaft Kampfgeist zeigt. „Uns fehlen die Zuschauer in der Halle ungemein – in beide Richtungen. Als Unterstützung für die Mannschaft, aber auch als Zeichen der Spieler, die zeigen können, für wen sie kämpfen.“

Von Kathrin Lienig