06. Dezember 2022 / 23:01 Uhr

Fans jubeln auf den Straßen, Torwart-Held Bono ergriffen: So feiert Marokko die WM-Sensation

Fans jubeln auf den Straßen, Torwart-Held Bono ergriffen: So feiert Marokko die WM-Sensation

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
 Torwart Bono ist nach seinen zwei gehaltenen Elfmetern gegen Spanien der neue WM-Held. Im Amsterdam (kleines Bild, oben) und Düsseldorf (kleines Bild) unten jubelten zahlreiche Fans auf den Straßen.
Torwart Bono ist nach seinen zwei gehaltenen Elfmetern gegen Spanien der neue WM-Held. Im Amsterdam (kleines Bild, oben) und Düsseldorf (kleines Bild) unten jubelten zahlreiche Fans auf den Straßen. © IMAGO/Newspix/Panoramic International/dpa (Montage)
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Marokko ist am Dienstagabend mit dem Achtelfinal-Erfolg gegen Spanien eine WM-Sensation gelungen. Der Jubel ist nicht nur bei den Nordafrikanern groß. Vor allem Elfmeter-Held Bono wird gefeiert.

Als Marokkos Elfmeter-Held Bono am späten Dienstagabend seine ersten Interviews gab, hatte er gerade die Jubelbilder aus der Heimat gesehen. Zehntausende feiernde Marokkaner auf den Straßen des Landes, in den Bars der großen Städte, im Stadion von Raja Casablanca. Der 31 Jahre alte Torwart hatte nach seinen beiden gehaltenen Elfmetern gegen Spanien selbst schon weinend auf dem Rasen gelegen und war von seinen Teamkollegen im Kollektiv in die Luft geworden worden. Doch in diesem Moment war der Keeper, der im Hauptberuf ausgerechnet für den spanischen Klub FC Sevilla spielt, noch einmal besonders ergriffen. "Wir sind sehr glücklich. Wir müssen jetzt weiter fokussiert bleiben. Aber um das zu realisieren, was wir hier gerade erreicht haben, werden wir noch viel, viel Zeit brauchen", sagte er.

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Nach einem 3:0 im Elfmeterschießen gegen Spanien steht die große WM-Überraschung Marokko zum ersten Mal im Viertelfinale einer Weltmeisterschaft. Das schafften vor diesem Team überhaupt nur drei andere afrikanische Länder: Ghana 2010, Senegal 2002 und Kamerun 1990. Für die Marokkaner ist nun ein Traum in Erfüllung gegangen.

Spanien-Trainer Luis Enrique würde gerne Marokko-Torwart Bono auswechseln

Die Nordafrikaner sind in Katar auch nach vier Spielen noch unbesiegt, sie ließen in der Vorrunde bereits den WM-Zweiten Kroatien und den WM-Dritten Belgien hinter sich und sie kassierten gegen den ehemaligen Weltmeister Spanien einen ganzen Abend lang keinen einzigen Treffer. Weder in 120 hochspannenden aber torlosen Minuten. Noch in dem danach fälligen Elfmeterschießen. Den ersten Versuch setzte Pablo Sarabia von Paris Saint-Germain nur an den Pfosten. Danach hielt Bono die Schüsse von Carlos Soler und Sergio Busquets. "Ich würde alle Schützen noch einmal so auswählen. Den Einzigen, den ich wechseln würde, wäre Bono, den Torwart des Gegners", sagte der spanische Trainer Luis Enrique, ein besonders fairer und respektvoller Verlierer, hinterher.

Yassine Bounou, der nur mit Künstlernamen Bono heißt, hat eine sehr spezielle Vita. Geboren in Kanada und aufgewachsen in Marokko, holte Atlético Madrid den 1,90 Meter großen Torwart vor zehn Jahren für seine zweite Mannschaft nach Spanien. Über Real Saragossa und den FC Girona wechselte er 2019 nach Sevilla – und wird sich dort nach seiner Rückkehr nun wohl einiges anhören müssen. "Vor diesem Turnier hatten wir immer große Probleme zwischen den Spielern, die in Marokko geboren wurden und den Spielern, die im Ausland aufgewachsen sind. Auch ihr Journalisten habt doch immer gefragt: Warum lasst ihr die spielen oder die?", sagte Trainer Walid Regragui am Dienstagabend nach dem großen Triumph. "Jetzt haben wir gezeigt: Jeder Marokkaner ist ein Marokkaner. Wir gehören alle zusammen. Ich habe eine außergewöhnliche Gruppe von Spielern. Wir haben aus einem Team eine Familie gemacht."

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Großer Jubel vor allem in Spanien

Eine Familie, hinter der Fans weltweit stehen: Nach der nervenaufreibenden Partie entlud sich in Marokko die Freude über den Sieg in spontanen Tänzen, Gesängen und Schreien. Überall im Land fuhren Autos hupend durch die Straßen. Die Nachrichtenseite Ana al-Khabar sprach von einer "beispiellosen Leistung auf Kosten der Spanier". Marokkos König Mohammed VI. gratulierte der Mannschaft zum Sieg. In vielen spanischen Städten herrschte ebenfalls Partystimmung bei den dort lebenden Marokkanern. In Madrid, Barcelona oder Alicante feierten Marokkaner mit Hupkonzerten und Feuerwerk. Die Menschen jubelten und tanzten auf den Straßen und Plätzen, wie im Fernsehen zu sehen war. Für viele der in Spanien lebenden Marokkaner ist ein Sieg über die ehemalige Kolonialmacht Spanien von besonderer Bedeutung.

Starke Polizeikräfte waren vielerorts aufgezogen, aber es wurden zunächst keine Ausschreitungen wie in Belgien und den Niederlanden Ende November nach dem Sieg Marokkos über Belgien bekannt. In Amsterdam meldete die Polizei ebenfalls Feierlichkeiten marokkanischer Fans, hier und da sei auch Feuerwerk gezündet worden. Die Polizei rief die Menschen dazu auf, friedlich zu bleiben und nach Hause zu gehen. In Düsseldorf feierten am Abend mehr als 1000 Menschen den Sieg. In der Nähe des Hauptbahnhofs hätten sich etwa 1200 Menschen versammelt, berichtete eine Sprecherin der Polizei. Die Polizei war mit einem großen Aufgebot vor Ort. Straßen wurden für den Verkehr gesperrt. Auch in Essen gingen Fans der marokkanischen Mannschaft auf die Straße.

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