30. Juli 2021 / 17:58 Uhr

Regionalliga Nordost: Anstoßzeiten sorgen für Aufruhr

Regionalliga Nordost: Anstoßzeiten sorgen für Aufruhr

Mirko Jablonowski
Märkische Allgemeine Zeitung
Babelsberger Fans, SV Babelsberg 03 - Chemnitzer FC, Fußball, Regionalliga Nordost, Saison 2021/2022, Potsdam, 27.07.2021, Foto: Jan Kuppert
Für die Fans des SV Babelsberg 03 steht am Samstag im Karl-Liebknecht-Stadion um 13 Uhr gegen Lichtenberg 47 das nächste Spiel ihrer Mannschaft auf dem Programm. © Jan Kuppert
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Regionalliga Nordost: Die Zerstückelung der Spieltage stößt bei Fans und Verantwortlichen des FC Carl Zeiss Jena sowie des SV Babelsberg 03 auf Unverständnis.

Gegenwind für den Nordostdeutschen Fußball-Verband (NOFV) und das Streaming-Start-up Ostsport.TV, das sich von der Saison 2021/22 an für vier Jahre die Senderechte für die Regionalliga Nordost gesichert hat: Der FC Carl Zeiss Jena, dessen Präsident und Geschäftsführer sowie zahlreiche Fanclubs und Gruppierungen haben sich am vergangenen Sonntag mit einem offenen Brief an den NOFV gewandt und sich dabei vor allem über die „zeitliche Zerstückelung des Spieltages“ beschwert. Sie fordern zudem einen für „Fans planbareren Ansetzungsrhythmus“. Die Unterzeichner fordern zudem zum Beispiel die Abkehr „vom Vorhaben, sieben verschiedene Anstoßzeiten für einen Spieltag anzusetzen“. Sie setzen sich dafür ein, dass keine Spiele am Samstag und Sonntag um 12 und 16 Uhr sowie am Montag angesetzt werden. Diese Zeiten würden gerade Fans von Auswärtsmannschaften vor größere Probleme stellen und somit zum Rückgang von Zuschauerzahlen und damit Einnahmen für Vereine führen.

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Der FC Carl Zeiss Jena gastierte am ersten Spieltag beispielsweise an einem Samstag um 12 Uhr beim Berliner AK. Beide Spielstätten liegen rund drei Stunden auseinander. In diesem Fall müssten Mannschaften vor „Auswärtsspielen zwangsläufig kostenintensive Übernachtungen in Anspruch nehmen, um wettbewerbsfähig zu bleiben“. Ein weiterer Kritikpunkt des FCCZ und seiner Fangruppierungen ist auch die Vergütung der Vereine durch Ostsport.TV. So sollen aktuell nur 442 Euro pro Heimspiel an die Clubs gehen – zu wenig aus Sicht der Thüringer. Gerade wenn man beachte, dass aufgrund der TV-Übertragungen ohnehin schon weniger Zuschauer in die Stadien kommen könnten. Am dritten Spieltag gibt es mit Freitag (19 Uhr), Samstag (13 und 16 Uhr), Sonntag (13 und 14.05 Uhr) sowie Montag (19 Uhr) sechs verschiedene Anstoßzeiten. Auch der SV Babelsberg 03 schließt sich dem Schreiben seines Ligarivalen inhaltlich an. Das bestätigte Björn Laars, der zusammen mit Katharina Dahme den Vereinsvorsitz bei den Kiezkickern inne hat, auf SPORTBUZZER-Nachfrage. Neben der Sorge vor der dauerhaften Zerstückelung der Spieltage kritisiert er vor allem den Vorgang der Rechtevergabe an den Spielen der Regionalliga Nordost, in welche die Vereine aus seiner Sicht vom NOFV im Vorfeld nicht mit ins Boot geholt wurden. Der FSV Optik Rathenow kann sich der Kritik des FC Carl Jena hingegen nicht anschließen. „Wir spielen in der vierten Liga und sollten froh sein, dass unsere Spiele überhaupt übertragen werden“, sagt Trainer Ingo Kahlisch. „Ostsport.tv hat doch zudem erstmal angefangen und wir sollten die Sachen meiner Meinung nach nicht immer schon direkt am Anfang zerreden. Es ist doch geil, wenn auch mal Spiele von kleinen Vereinen wie Rathenow oder Luckenwalde live zu sehen sind.“

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Auch die 1999 gegründete Babelsberger Ultra-Gruppierung „Filmstadt Inferno“ äußerte sich schon kritisch zur Thematik und veröffentlichte am 11. Juli ein Statement unter der Schlagzeile: „Nein zur Spieltagszerstückelung der Regionalliga Nordost“. Ihrer Meinung nach tummeln sich in der Liga „ausnahmslos Vereine, bei denen wöchentliche Zuschauereinnahmen zu den wichtigsten Posten im Saisonetat zählen“. Dementsprechend wichtig seien stabile Zuschauerzahlen für die Finanzierung des Spielbetriebs. Durch die weitere Abweichung von Standardterminen bei der Ansetzung sei das in Gefahr. „Wir fordern daher eine konsequente Rückkehr zur Standard-Anstoßzeit samstags und sonntags um 14 Uhr, eine Abkehr von Gedankenspielen zu Montags-Ansetzungen und eine rechtzeitige Terminierung der Spieltage für eine frühzeitige Planung der Heim- und Auswärtsspiele für Vereinsverantwortliche, Anhänger und Mitglieder. Nicht nächste Saison, nicht in vier Jahren. Jetzt!“.

Die Regionalliga-Vereine bekommen vom TV-Vertrag zunächst etwas weniger als die 15 000 Euro pro Saison zuletzt vom MDR, hätten aber wegen der längeren Laufzeit Planungssicherheit. Steigerungen des TV-Geldes seien den Vereinen wohl auch in Aussicht gestellt. Ostsport.tv, Geschäftspartner der GmbH sind der Journalist Heiko Mallwitz (MDR, ZDF, aktuell Sky) und der Rechtsanwalt Robert Karehnke, trat im vergangenen Frühjahr in einer durchaus schwierigen Lage für die Regionalliga Nordost in Erscheinung. Karehnke war auf den NOFV zugegangen, nachdem der vorherige Rechtehalter MDR dem Verband signalisiert hatte, eine Verlängerung des stets nur ein Jahr laufenden Vertrags könne schwierig werden. „Das Aus der Übertragungen schwebte wie ein Damoklesschwert über uns. Wir wollen aber unbedingt, dass über unser Premiumprodukt weiter berichtet wird. Die Übertragungen hatten immer sehr gute Quoten mit zum Teil zehn oder auch über zehn Prozent, das ist für ein Regionalprogramm sensationell“, erzählte Hermann Winkler mit Blick auf die zustande gekommene Zusammenarbeit mit dem neuen Partner in einem Gespräch mit der Leipziger Volkszeitung.

Klickrekord zum Auftakt

Die Angebote von Ostsport.tv wurden an den ersten beiden Spieltagen schon sehr gut angenommen. Das Spiel zwischen dem Berliner AK und Carl Zeiss Jena am ersten Spieltag wurde über 100 000 Mal aufgerufen – der laut NOFV „mit Abstand höchste Wert, der je für ein Regionalligaspiel gemessen wurde“. Der vorherige Rekord habe bei knapp 38 000 Zuschauern beim Spiel Jena gegen Chemnitz am 18. Oktober 2020 auf MDR.de gelegen.

Auf SPORTBUZZER-Nachfrage erklärte der gebürtige Potsdamer Mallwitz, dass die Belange und Interessen der Fans für Ostsport.tv natürlich wichtig seien und ernst genommen werden. „Inhaltlich können wir den Offenen Brief allerdings nur bedingt nachvollziehen.“ Aus Sicht des Rechteinhabers gebe es keine Zerstückelung der Spieltage. Freitag (in der Regel zwei Spiele), Samstag und Sonntag seien auch schon vor Ostsport.TV meistens der normale Spieltag der Regionalliga Nordost gewesen. Regelanstoßzeiten seien am Samstag und Sonntag um 13 Uhr, weil vor der 2. Liga, die um 13.30 Uhr anpfeift, gestartet werden soll. Am Freitag und in einer Englischen Woche um 19 Uhr. Das seien Anstoßzeiten, die sich aufgrund der relativen regionalen Nähe für die Fans bewerkstelligen lassen müssten. Die beiden Montagsspiele an den ersten Spieltagen in Cottbus und in Luckenwalde seien ausschließlich auf Wunsch der Vereine beziehungsweise aufgrund von Sperrterminen der Vereine zustande gekommen. „Wir haben kein Interesse an einem fest etablierten Montagsspiel in der Regionalliga Nordost, sind aber natürlich bereit zur Übertragung, wenn die Vereine das wünschen“, erläutert Mallwitz.


Heiko Mallwitz ist einer der Chefs bei Ostsport.tv.
Heiko Mallwitz ist einer der Chefs bei Ostsport.tv. © Imago/Ed Gar

„Der frühe Anstoß des FC Carl Zeiss Jena beim BAK am Samstag um 12 Uhr kam zustande, weil wir am ersten Spieltag den Fans, die neun Monate auf Regionalligafußball im Osten verzichten mussten, möglichst viel Livefußball zu unterschiedlichen Zeiten bieten und eine Kollision mit der 2. und 3. Liga ausschließen wollten. Das wird nicht die Regel werden.“ Das bestätigt auch Regionalliga-Spielleiter Wilfried Riemer: „Uns ist nicht an einer Zerstückelung der Spieltage gelegen. Die Regelanstoßzeiten bleiben bei Abendspielen 19 und bei Nachmittagspartien 13 Uhr.“ Ein Antwortschreiben an Jena sei am Donnerstagabend verschickt worden. Von anderen Vereinen aus der Liga seien an ihn bislang keine Beschwerden über die Ansetzungen der Spiele herangetragen worden.

Ostsport.TV sei „jederzeit bereit, mit jedem Verein über die Ansetzung der Spiele zu reden“, sagt Mallwitz, der mit seinem Partner Karehnke auch auf der Staffeltagung des NOFV anwesend war. An den bisherigen fünf Tagen, an denen er selbst als Kommentator in Stadien unterwegs war, habe er überwältigend positives Feedback von Trainern, Spielern, Funktionären und Fans bekommen. „Der Grundtenor bei meinen persönlichen Kontakten war, dass die Regionalliga Nordost durch Ostsport.TV eine Plattform bekommt, wie es sie zuvor noch nie gab.“

SVB-Neuzugang Marcel Rausch trifft auf seinen Ex-Verein Lichtenberg

Am dritten Spieltag der Fußball-Regionalliga Nordost empfängt der SV Babelsberg 03 am Samstagnachmittag ab 13 Uhr den SV Lichtenberg 47 im heimischen Karl-Liebknecht-Stadion. Für SVB-Sommerneuzugang Marcel Rausch geht es dabei gegen seinen Ex-Verein, für den er in den beiden Regionalliga-Saisons 2019/20 und 2020/21 in 20 Punktspielen auf dem Platz stand und anschließend an den Babelsberger Park wechselte. Auf Seiten der Lichtenberger, die nach einem 0:1 beim ZFC Meuselwitz und einem 1:1 gegen Tasmania Berlin einen Zähler auf dem Konto haben, stehen mit David Hollwitz (Saison 2011/12), Jonas Schmidt (2012 bis 2015), Nils Fiegen (2015 bis 2017) und Lionel Salla (2016 bis 2019) gleich vier Akteure im Kader, die eine Vergangenheit beim SVB haben.

„Wir müssen gegen Lichtenberg auf jeden Fall nachlegen, um nach einem Sieg von einem gelungenen Saisonstart sprechen zu können“, sagte Doppeltorschütze Sven Reimann nach dem 2:1-Erfolg der Nulldreier am Dienstagabend gegen den Chemnitzer FC. Verzichten muss Trainer Predrag Uzelac am Samstag unter anderem weiterhin auf Linksverteidiger Georgios Labroussis (Achillessehnenverletzung). Angreifer Frank Zille feierte hingegen nach langer Leidenszeit und zwei Mittelfußbrüchen gegen den CFC sein Pflichtspieldebüt für den SVB und hofft gegen Lichtenberg auf weitere Einsatzminuten.