10. Februar 2021 / 16:31 Uhr

Neuer Fanshop, bessere Stimmung, mehr Toiletten: So verändert sich RB Leipzigs „Wohnzimmer“

Neuer Fanshop, bessere Stimmung, mehr Toiletten: So verändert sich RB Leipzigs „Wohnzimmer“

Elena Boshkovska
Leipziger Volkszeitung
Trotz Schnee und Kälte: Die Neuerungen werden in der Red Bull Arena vorangetrieben.
Trotz Schnee und Kälte: Die Neuerungen werden in der Red Bull Arena vorangetrieben. © Andre Kempner
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Bei den Aus- und Umbaumaßnahmen der Red-Bull-Arena legt RB Leipzig keine Verschnaufpause ein. Die heftigen Schneefälle haben die Arbeiten nur kurzzeitig verlangsamt. Die aktuell niedrigen Temperaturen sind ein etwas größeres Problem. Geschafft wurde inzwischen aber schon Einiges.

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Leipzig. Am „Wohnzimmer“ von RB Leipzig wird dieser Tage fleißig gewerkelt. Aktuell verlangsamen sich die Arbeiten aber ein wenig. Denn die weiße Schneepracht, die die Messestadt unter sich begraben hat, hat natürlich auch um die Arena keinen Bogen gemacht. „Am Montag hatten wir schon ziemlich viel zu tun, zumindest um sichere Zuwegungen für die Mitarbeiter der Firmen, die im Moment auf dem Bau zugange sind, zu schaffen“, erklärt Falk Jänicke, Leiter der Bauprojekte.

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Das habe den gesamten Montag in Anspruch genommen, weshalb die Baustelle auch etwas brach gelegen habe, so der Bauprojektleiter. Seit Dienstag könne man allerdings wieder in den Innenbereichen loslegen. „Es gibt aber auch immer wieder Arbeiten, die temperatukritisch sind, wie Dämmungs- und Verfugungsarbeiten. Und gerade in den Außenbereichen kann man bei diesen Temperaturen nicht mehr viel machen“, so Jänicke. „Das müssen wir dann ein bisschen schieben.“

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Am 15. April 1955 begannen die Bauarbeiten, am 4. August 1956 wurde es eröffnet. Das Zentralstadion in Leipzig wurde auch als Stadion der Hunderttausend bekannt. Bis zu seinem Abriss im Jahr 2000 sah es zahlreiche hochklassige Fußballpartien und Sportveranstaltungen. Zur Galerie
Am 15. April 1955 begannen die Bauarbeiten, am 4. August 1956 wurde es eröffnet. Das Zentralstadion in Leipzig wurde auch als Stadion der Hunderttausend bekannt. Bis zu seinem Abriss im Jahr 2000 sah es zahlreiche hochklassige Fußballpartien und Sportveranstaltungen. © LVZ Archiv

Fanshop im Stadion soll an Spieltagen geöffnet sein

Dennoch hat sich bereits Vieles getan. Wer in Zukunft zu Spielen von RB Leipzig in die Red-Bull-Arena geht, kann sich auf viele Neuerungen einstellen. So können sich RB-Anhänger in hoffentlich nicht allzu ferner Zukunft, wenn wieder Gäste auf den Rängen erlaubt sein werden, ihren Bullen-Merch direkt im Stadion holen. Denn ein rund 120 Quadratmeter großer Fanshop soll die anderen Verkaufspunkte zum Großteil ablösen und das gesamte Sortiment anbieten. Gleich gegenüber soll außerdem eine Flockstation hinzukommen. „Trikots, die ich beflockt kaufe, kann ich gegenüber direkt abholen“, erklärt Jänicke. Außerdem sei bei der Flockstation eine Art Lager für den Fanshop angedacht, wo man auf Nachschub zugreifen könnte, falls der Abverkauf groß ist.



Der Fanshop auf dem Stadionvorplatz soll nicht geschlossen werden, beide können nebeneinander funktionieren, schätzt Jänicke, zumal der Laden innerhalb der Arena nur an Spieltagen geöffnet sein wird. „Das hängt mit der Verschlusssituation im Stadion zusammen.“ Für den provisorischen Laden auf dem Vorplatz, momentan in Containern untergebracht, sei aber eine langfristige, nachhaltige Lösung geplant.

Schallschutzfassade soll Stimmungskessel schaffen

Bereits fertig ist die Schallschutzfassade im Oberrang des Sektors C.. Die soll die Arena zu großen Teilen einschließen. „Hintergrund dessen ist, dass wir mit der Baugenehmigung entsprechende Auflagen bekommen haben, für Schallschutz zu sorgen – im Westen in Richtung der dort liegenden Naturschutzgebiete und im Osten in Richtung Waldstraßenviertel“, so der Bauprojektleiter.

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Besucher der Red-Bull-Arena können im Rahmen der Stadionführung nicht nur hinter die Kulissen blicken, sondern auch den Baufortschritt in Augenschein nehmen. Zur Galerie
Besucher der Red-Bull-Arena können im Rahmen der Stadionführung nicht nur hinter die Kulissen blicken, sondern auch den Baufortschritt in Augenschein nehmen. © Dirk Knofe

Vordergründig soll die Fassade Schutz nach außen bieten. „Wir versprechen uns aber einen Nebeneffekt davon, indem wir einen Stimmungskessel in der Arena schaffen. Bei konstanter Lautstärke hält sich der Schall im Stadion. Demzufolge wird das, was hier drinnen passiert, künftig auch lauter wirken.“ Zudem soll die Fassade den Oberrangbesuchern etwas Schutz vor dem Wind bieten. „Ob es ganz ohne Wind klappt, werden wir erst in Zukunft sehen. Aber bereits jetzt haben wir merklich weniger Wind und weniger Zug.“

Gästefans nehmen künftig im Unterrang Platz

Fertig umgebaut auch bereits der Gästesektor. „Künftig werden wir im Unterrang des Gästesektors Steh- und Sitzplätze anbieten.“ Der Sektor ist in drei Teile geteilt. „Es gibt die sogenannte große Variante, die das Komplettangebot von zehn Prozent der zukünftigen Stadionkapazität umfasst. Zudem gibt es eine mittlere und eine kleine Variante, sodass wir bei einem geringeren Gäste-Fan-Aufkommen die Möglichkeit haben, die dann frei gebliebenen Plätze an Heimfans zu vergeben“, erklärt der Bauprojektleiter die geplanten Veränderungen.

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Dass im Unterrang die Gesamtkapazität des Gästefan-Kontingents gedeckt werden kann, ermöglicht die Nutzung des Oberrangs für Heimfans. Dafür gibt es neue Zugänge zum Heimoberrang im Sektor C. Auch die Zuwegung für die Gästefans wurde angepasst: „Es gibt einen neuen Gäste-Einlass außen und eine neue Treppe, die nur für die Gästefans ist.“ Dabei werden Ober- und Unterrang mit einem Tor voneinander getrennt. „Im normalen Spielbetrieb wird die Treppe auf den Rängen geschlossen. Wir müssen sie aber für die Flucht- und Evakuierungswege erhalten. Im Notfall werden die verschlossenen Tore aufgemacht“, so Jänicke.

Zwei Zugänge für Rollstuhlfahrer

Auch für Rollstuhlfahrer ändert sich etwas. „Wir arbeiten zusammen mit dem Bauordnungsamt der Stadt Leipzig an einer Lösung. Grundsätzlich werden wir in Zukunft zwei Zuwegungen für Rollstuhlfahrer haben: Einmal den bekannten Weg durch das Hauptgebäude und den dortigen Aufzug auf die Dammkrone. Von dort geht es dann eine Viertelrunde in Richtung Sektor B. Dort gibt es im Dammeinschnitt einen Aufzug, der nur für Rollstuhlfahrer sein wird.“ Bereits gearbeitet wird an einer zweiten Zuwegung, die eine Wegbefestigung über die Festwiese vorsieht. „Dort soll es dann eine Rampe geben, die von der Festwiese hinauf auf die Stadionumfahrung führt und selbstständig zu bewältigen ist“, so Jänicke.

Übrigens: Viel dürfte freuen, dass in Zukunft die Schlangen vor den Toiletten deutlich kürzer ausfallen dürften. Der ehemalige Getränkekiosk in Sektor D wurde nämlich in ein stilles Örtchen umgewandelt. „Wir haben versucht, den Raum optimal zu nutzen, um viele Kapazitäten zu schaffen, um das altbekannte Problem zu lösen.“