21. Mai 2020 / 16:40 Uhr

Per Schalte in die Zukunft: FAQ zum außerordentlichen Verbandstag des NFV

Per Schalte in die Zukunft: FAQ zum außerordentlichen Verbandstag des NFV

Christoph Hage
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
So viel ist sicher: Ein solches Bild wird es am 27. Juni nicht geben.
So viel ist sicher: Ein solches Bild wird es am 27. Juni nicht geben. © Stefan Zwing
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Für die 2600 Vereine des Niedersächsischen Fußballverbandes steht und fällt ein wichtiger Teil ihrer Zukunft, nämlich der Umgang mit der Saison 2019/20, mit den Entscheidungen, die auf dem außerordentlichen Verbandstag getroffen werden. Der SPORTBUZZER beantwortet die wichtigsten Fragen im Vorfeld.

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Gibt es schon ein Datum für den außerordentlichen Verbandstag?

Ja, seit dem 20. Mai. Dieser wird am 27. Juni mit einer verkürzten Ladungs- und Antragsfrist von fünf Wochen einberufen. Die Einladung sowie die Tagesordnung soll am Freitag versandt werden.

Der Verbandstag wird aufgrund der Covid-19-Pandemie erstmals im virtuellen Raum über die Bühne gehen. Wie soll das funktionieren?

Die beiden Online-Seminare am 16. Mai, an denen insgesamt mehr als 500 Klubvertreter teilgenommen haben, waren gewissermaßen ein Testlauf. Den Delegierten dürfte ein Link zugeschickt werden, den sie im Webbrowser öffnen. Offen ist noch, wie die Abstimmungen vonstatten gehen sollen.

Wann war der letzte außerordentliche Verbandstag?

Das gab es in der Geschichte des NFV zum letzten Mal vor 41 Jahren. 1949, 1950, 1975, 1978 und 1979 traf sich das höchste Gremium des Verbandes jeweils außerordentlich. Normalerweise kommt es alle drei Jahre zusammen. Der nächste ordentliche Verbandstag ist für den 26. September dieses Jahres in Barsinghausen vorgesehen.

Ein Überblick: Das ist der Status quo bei Deutschlands Landesverbänden. Stand: 21. Mai 2020.

<b>Schleswig-Holstein:</b> Ob sie sich bei ihrem Weg auf Glatteis bewegen, wird sich zeigen. Klar ist: Das Präsidium des Schleswig-Holsteinischen Fußballverbandes (SHFV) hat beschlossen, dass die Saison 2019/2020 nicht über den 30. Juni hinaus verlängert werden soll. Stattdessen wird sie ohne weiteren Spielbetrieb auslaufen. Mit anderen Worten: Sie ist abgebrochen worden. Die Entscheidung gibt unseren Vereinen die bestmögliche Planungssicherheit, wird SHFV-Präsident Uwe Döring auf der Homepage des Verbandes zitiert.

 Am 9. Mai entschied das Präsidium schließlich, die Saison mithilfe der Quotientenregel zu werten. Es gibt zwei Auf-, aber keine Absteiger. Sollte eine Mannschaft auf den Aufstieg verzichten, erfolgt keine Weitergabe des Aufstiegsrechts. Die ausstehenden Kreispokalspiele sollen als regionale Qualifikationsrunden vor Beginn der nächsten Saison gespielt werden. Bei den Frauen und Junioren steigen hingegen jeweils nur die Staffelsieger auf, Absteiger gibt es ebenfalls nicht.  Zur Galerie
Schleswig-Holstein: Ob sie sich bei ihrem Weg auf Glatteis bewegen, wird sich zeigen. Klar ist: Das Präsidium des Schleswig-Holsteinischen Fußballverbandes (SHFV) hat beschlossen, dass die Saison 2019/2020 nicht über den 30. Juni hinaus verlängert werden soll. Stattdessen wird sie ohne weiteren Spielbetrieb auslaufen. Mit anderen Worten: Sie ist abgebrochen worden. "Die Entscheidung gibt unseren Vereinen die bestmögliche Planungssicherheit", wird SHFV-Präsident Uwe Döring auf der Homepage des Verbandes zitiert. Am 9. Mai entschied das Präsidium schließlich, die Saison mithilfe der Quotientenregel zu werten. Es gibt zwei Auf-, aber keine Absteiger. Sollte eine Mannschaft auf den Aufstieg verzichten, erfolgt keine Weitergabe des Aufstiegsrechts. Die ausstehenden Kreispokalspiele sollen als regionale Qualifikationsrunden vor Beginn der nächsten Saison gespielt werden. Bei den Frauen und Junioren steigen hingegen jeweils nur die Staffelsieger auf, Absteiger gibt es ebenfalls nicht.  ©

Wie setzt sich das höchste Gremium des Verbandes zusammen?

200 Delegierte kommen aus den Kreisen, die anteilig über die Mannschaftszahlen verteilt werden. Der Kreis Region Hannover ist mit 1707 Teams im Spielbetrieb der größte und erhält ein Zehntel, also 20 Delegierte. Davon entfallen drei Plätze auf die Ausschussvorsitzenden des Spielbetriebs der Männer, Frauen und Jugend (Thorsten Schuschel, Steffi Pätsch, Dieter Damsch). Unklar ist, ob das alle Kreisverbände so handhaben werden.

Hinzu kommen die Mitglieder des Verbandsvorstandes (das zwölfköpfige Präsidium um Günter Distelrath sowie die 33 Kreisvorsitzenden), je drei Delegierte aus den vier Bezirken, die wohl vom Bezirksvorsitzenden bestimmt werden, sowie je ein Delegierter der Mannschaften, die von der Oberliga aufwärts spielen. Jeder der insgesamt 324 Delegierten hat eine Stimme, die nicht übertragbar ist.

Wer darf Anträge stellen?

Jedes Verbandsmitglied ist dazu berechtigt.

Über wie viele Anträge wird zu entscheiden sein?

Das steht erst nach dem Ende der Antragsfrist, also am 5. Juni, fest. Grundsätzlich steht erst einmal nur der Antrag des Verbandsvorstandes zur Abstimmung. Dieser hatte innerhalb von vier Wochen eine komplette Kehrtwende hingelegt, schlägt nun vor, dass die Saison abgebrochen werden und über die Quotientenregel mit Auf- (Regelaufsteiger und Relegationsplatz) und ohne Absteigern gewertet werden soll. Damit wären auch die Zweiten TSV Sievershausen (Kreisliga 1), MTV Engelbostel-Schulenburg (2), FC Can Mozaik (3) und TuS Mecklenheide (4) aufgestiegen. Klar ist aber, dass nicht nur Martin Becker (TSV Bemerode) bereits einen ergänzenden Antrag gestellt hat.

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Wann ist ein Antrag angenommen?

„Zur wirksamen Beschlussfassung genügt die einfache Mehrheit“, heißt es dazu in der NFV-Satzung. Satzungsänderungen sind davon ausgenommen.

In welcher Reihenfolge wird abgestimmt?

„Das Abstimmungsszenario ist in unserer Geschäftsordnung geregelt“, sagte NFV-Direktor Jan Baßler auf dem Webinar der Vereine. „Die Ordnung sieht vor, dass über die Anträge nacheinander abgestimmt wird. Beginnen müsste man mit den am weitreichendsten Eingriff in unsere Satzungen und Ordnungen.“ Es kann allerdings beantragt werden, dass über jeden Antrag einzeln abgestimmt werden soll.

Ist die Fortsetzung der Saison vom Tisch?

Nein. 70 Prozent der Vereine haben sich zwar gegen den Vorschlag des Verbandsvorstandes, die Saison einzufrieren und im Herbst fortzusetzen, ausgesprochen. Auch wenn dies bislang nicht auf der Tagesordnung steht, ist allerdings davon auszugehen, dass ein solcher Antrag erneut auf dem Tisch landen wird.

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In den vergangenen Wochen ist immer wieder von möglichen Haftungsrisiken der handelnden Personen die Rede gewesen. Wer steht am Ende für die Entscheidungen gerade?

Unklar. Die persönliche Haftung des BGB-Vorstandes dürfte voraussichtlich durch einen Beschluss des Verbandstages ausgeschlossen werden. Das grundsätzliche Haftungsrisiko des Verbandes gegenüber Vereinen und Dritten sei allerdings bei allen Varianten nicht in Gänze auszuschließen, könne durch die „schonendste und gerechteste Entscheidung“ nur minimiert werden, sagt der Verband.

Angenommen, die Saison 2019/20 wird am 27. Juni abgebrochen – wie geht es danach weiter?

Viele Fragen werden offen bleiben. Bislang endet die Saison formal am 30. Juni. Sprich: Spieler und Trainer, die ihren Verein verlassen wollen, hätten nur drei Tage Zeit, sich bei ihrem alten Klub abzumelden. Dass diese Frist am 27. Juni verlängert wird, ist unwahrscheinlich. Die „Transferperiode I“ geht vom 1. Juli bis zum 31. August.

Die Pokalsaison soll nach Möglichkeit sportlich zu Ende gebracht werden. Der NFV behält sich vor, Sonderregelungen hierfür zu treffen oder die kommende Saison bis zum Beginn der Sommerferien am 22. Juli 2021 zu verlängern. Wann die neue Spielzeit beginnen wird, wie die Staffeln aussehen werden und wann NFV- (Halbfinale), Bezirks- und Kreispokal (jeweils Viertelfinale) beendet werden können, steht in den Sternen.