17. Dezember 2020 / 17:15 Uhr

Faustball: Wurzen und Naunhof schmettern um die Wette

Faustball: Wurzen und Naunhof schmettern um die Wette

Roger Dietze
Leipziger Volkszeitung
Faustball
In diesem Schnappschuss kehren die Wurzener Spieler mit einem Sieg vom Parkett. © Bettina Finke
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Coronabedingt ist die neue Faustball-Saison nicht gestartet. Der traditionsreiche Mannschaftssport kämpft mit Nachwuchssorgen.

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Wurzen/Naunhof. Wurzen in einem Atemzug mit Namibia und Südafrika zu nennen, mag überraschen. Aber es gibt tatsächlich eine Gemeinsamkeit: Hier wie da wird nämlich mit großer Intensität dem Faustball-Sport gefrönt. Im Süden des afrikanischen Kontinents haben deutsche Auswanderer diesem über eine Leine gespielten Mannschaftssport zu einiger Popularität verholfen. In der Ringelnatzstadt, die unter anderem Austragungsort von DDR-Meisterschaften war, wird er seit einigen Jahrzehnten unter dem Dach des SV Schwarz-Gelb betrieben.

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Wäre Corona nicht dazwischengekommen, dann wären die seit 1990 eigenständigen Wurzener Faustballer dieser Tage in die neue Saison in der Landesliga gestartet, in welche sie kampflos aufgestiegen waren. „Mitte März war ein Aufstiegsturnier geplant, weil dieses aber aus den bekannten Gründen nicht stattfinden konnte, hat man die vier Teams inklusive unserer Mannschaft am grünen Tisch in die Landesliga entsendet und diese von neun auf elf Mannschaften aufgestockt“, erklärt der Wurzener Chef-Faustballer Lothar Richter, dessen Verein aktuell 14 Spieler angehören, die mehrheitlich am Punktspielgeschehen teilnehmen.

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„Unser ältester Ergänzungsspieler ist 68 Jahre alt, der große Rest zwischen 30 und Mitte 50“, so der 71-Jährige, dessen Verein in der vergangenen Saison in der Chemnitzliga, in der eine Hallen- und eine Feldsaison ausgespielt wird, den zweiten Platz erreichte. Doch die sportlichen Erfolge können nicht darüber hinwegtäuschen, dass es um den traditionsreichen Mannschaftssport in Wurzen perspektivisch nicht zum Besten bestellt ist. „Wir haben zwar in dieser Saison einen neuen Spieler aus Rochlitz in unseren Reihen, die Nachwuchsgewinnung jedoch ist außerordentlich schwer, allerdings werde ich das Ende des Faustballs in Wurzen zum Glück nicht mehr miterleben.“

Personell um einiges besser aufgestellt sind die Faustballer im 50 Kilometer entfernten Groitzsch. Aktuell zählt die Faustball-Sektion innerhalb des SV Groitzsch 34 aktive Sportler, von denen ein knappes Dutzend dem Kinder- und Jugendbereich zugehörig ist.

„Wir haben sehr gute Bedingungen in unserem Sportzentrum, das über eine moderne Sporthalle und einen frisch mit Rollrasen sanierten Faustballrasenplatz verfügt“, berichtet Faustball-Abteilungsleiter Dietmar Wollnitza, dessen Abteilung eine Männer- und eine Frauenmannschaft in Sachsens höchster Spielklasse, der Oberliga, im Spielbetrieb hat. „Darüber hinaus spielt ein weiteres Herrenteam in der Bezirksliga Chemnitz um die begehrten Aufstiegspunkte zur Landesliga, und auch die Nachwuchsarbeit wird von uns intensiv betrieben“, so Wollnitza.

Anknüpfen könnten die Groitzscher Faustballer dabei an durchaus beachtliche Erfolge in der jüngeren Vergangenheit. Über der Nominierung einzelner Spieler in Sächsische Jugendauswahlmannschaften sowie der mehrfachen Qualifikation zur Teilnahme an den Süddeutschen Meisterschaften stehe als größter sportlicher Erfolg der letzten Jahre der errungene Deutsche Meistertitel von Felix Reißmann.

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Mit der männlichen U16 des SV Kubschütz Bautzen gelang es dem Groitzscher Talent vor vier Jahren, an der Seite von Altersgenossen aus den Reihen des ESV Delitzsch die starke gesamtdeutsche Konkurrenz zu schlagen. Umso nachhaltiger würden sich die mit der Corona-Pandemie verbundenen Einschränkungen auswirken. Der Trainingsbetrieb sei eingestellt, und geplante Wettkämpfe seien nicht durchgeführt worden. „Wir geben aber insbesondere die Hoffnung nicht auf, die im nächsten Mai beginnende Feldsaison spielen zu können“, so Wollnitza.

Auch die Faustballer des Turn- und Sportvereins 1884 in Naunhof scharren mit den Hufen. „Unser traditionelles Frühjahrsturnier hatten wir coronabedingt unter dem neuen Namen Nikolaus-Turnier in den November verschoben, um es jetzt doch ganz absagen zu müssen“, berichtet Faustball-Mannschaftsmitglied Sitta Schmeil, an deren Seite derzeit in der Parthestadt weitere zehn Männer und Frauen im Alter zwischen 20 und 64 Jahren dieser Mannschaftssportart frönen.

„Nachschub findet sich leider relativ selten bei uns ein, aber wir Faustballer helfen uns untereinander mit dem Austausch von Spielern für Turniere“, so Schmeil. So trainierten und spielten die Männer regelmäßig zusammen mit den Wurzener Faustballern, und enge Kontakte gäbe es auch mit jenen in Delitzsch. „Wir Naunhofer Faustballer nehmen selbst nicht am Punktspielbetrieb teil, wir fahren aber alljährlich zu fünf bis sechs Turnieren“, so Sitta Schmeil.