22. Mai 2020 / 21:29 Uhr

Favorit Kliff gewinnt bei Geister-Renntag in Dresden

Favorit Kliff gewinnt bei Geister-Renntag in Dresden

Astrid Hofmann
Dresdner Neueste Nachrichten
galopp
Martin Seidl holte gleich im ersten Rennen auf Außenseiter Kobra einen der drei Dresdner Siege. © Matthias Rietschel
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Auf der Galopprennbahn in Dresden-Seidnitz hat der erste Saisonrenntag stattgefunden. In neun Rennen gingen 81 Pferde an den Start. Dabei setzte sich Kliff unter Jockey Bauyrzhan Murzabayev durch – und das vor leeren Tribünen.

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Dresden. Die Tribünen leergefegt, rund um das Geläuf kein Stimmengewirr, keine Jubelschreie und auch keine Musik. Auf 43 Hektar verlaufen sich am Freitagabend lediglich 204 Menschen. Da sind schon 24 Akteure eingerechnet, die auf dem Rücken der Pferde um Sieg und Platz galoppieren. Eine skurrile Szenerie herrscht auf der sonst von vielen tausend Besuchern bevölkerten Rennbahn in Dresden-Seidnitz bei diesem Saison-Aufgalopp. „Geisterrenntag“ nennt man so etwas in Zeiten der Corona-Pandemie. Es ist der erste in Mitteldeutschland.

Ein toller Zusammenschnitt des heutigen Renntags 🍀🐎🤗

Gepostet von Dresdener Rennverein 1890 e.V. am Freitag, 22. Mai 2020

Da in Sachsen-Anhalt bis 27. Mai keine Veranstaltungen durchgeführt werden dürfen, war der Dresdner Rennverein kurzfristig eingesprungen. Besitzer sind froh, dass ihre Vollblüter trotz halbierter Rennpreise dennoch ein wenig Geld verdienen können. Reiter und Trainer freuen sich, ihrem Beruf nachgehen zu können – wenn auch mit einigen Behinderungen. So müssen auch alle Jockeys bei den Rennen Mundschutz tragen. „Das nervt schon, aber man gewöhnt sich daran“, sagt Martin Seidl, der gleich zum Auftakt mit Außenseiter Kobra den ersten von drei Dresdner Siegen (Trainer: Stefan Richter) landet.

Auch auf der Sandbahn würden manche Reiter auch sonst schon eine Maske tragen. Für die Pferde aber sieht der 26-Jährige sogar einen positiven Aspekt: „Es stören keine Geräusche von außen, die Tiere sind nicht so gestresst, sondern viel ruhiger, können sich auf ihren Start konzentrieren.“ Allerdings gibt auch Seidl zu: „Natürlich fehlt das Flair. Wenn man bei den großen Rennen Beifall bekommt, gejubelt wird und zur Siegerehrung gerufen wird. Deshalb hoffe ich schon, dass wir bald wieder zur Normalität zurückkehren können.“

"Spaß macht das nicht"

Ähnlich sieht das auch Ex-Champion Filip Minarik, der das neunte und damit letzte Rennen an diesem Abend mit Never in Doubt für sich entscheidet: „Durch den Mundschutz ist die Sauerstoffzufuhr nicht so optimal. Ich habe mich vor dem ersten Geisterrenntag darauf vorbereitet, habe meine Kondition auf dem Fahrrad verbessert und dabei schon immer Mundschutz getragen. Aber es wäre schon schön, wenn wir bald wieder richtige Renntage mit Zuschauern machen könnten.“

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Das hoffen natürlich auch die Verantwortlichen des Dresdner Rennvereins. Vizepräsident Rainer Naseband gesteht: „Das ist schon langweilig ohne Besucher, Spaß macht das nicht. Zumindest aber bieten wir den Beteiligten die Chance, ihren Beruf auszuüben und Geld zu verdienen.“ Rein sportlich bot dieser Renntag immerhin 82 Starter in neun Rennen. Neben Kobra gab es noch zwei weitere Seidnitzer Sieger. So siegte Wenke Falland auf Sha Gino für Besitzertrainer Guido Scholze. Und der dritte Treffer gelang So Super unter Maxim Pecheur für das Quartier von Claudia Barsig. Im Hauptrennen, dem mit 3600 Euro dotierten Preis der Freiberger Brauerei, siegte der von Roland Dzubasz trainierte Favorit Kliff unter Bauyrzhan Murzabayev, der wie Lukas Delozier zwei Siege feierte.

Beim Gesamtumsatz konnten sich die Seidnitzer freuen, denn mit 298 557,90 Euro wurde eine neue Rekordmarke erreicht. „Wir danken vor allem unseren vielen fleißigen Helfern“, betonte Rennvereins-Präsident Michael Becker nach dem Aufgalopp. Schon am 30. Mai steht in Seidnitz der nächste Renntag auf dem Plan, allerdings erneut ohne Zuschauer.