07. April 2022 / 19:31 Uhr

Unerwartete Auferstehung: Wie Xavi bei Frankfurt-Gegner Barca die Euphorie zurückgebracht hat

Unerwartete Auferstehung: Wie Xavi bei Frankfurt-Gegner Barca die Euphorie zurückgebracht hat

Florian Haupt
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Beim FC Barcelona kann man wieder lachen.
Beim FC Barcelona kann man wieder lachen. © IMAGO/ZUMA Wire/Pressinphoto (Montage)
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Am Donnerstagabend ist Eintracht Frankfurt im Hinspiel des Europa-League-Viertelfinals gegen den FC Barcelona gefordert. Nach dem sportlichen und finanziellen Absturz zeigt sich Barca vor dem Duell gegen Eintracht Frankfurt wieder in Topform – dank Trainer Xavi und Stürmer Pierre-Emerick Aubameyang.

Niemand wird uns je verbiegen können, heißt es in der Klubhymne des FC Barcelona, die derzeit so viel und inbrünstig gesungen wird wie seit vielen Jahren nicht mehr. Den Beweis für diese Strophe haben die letzten Monate erbracht.

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Im Herbst schien der Klub noch mausetot: ausgeschieden aus der Champions League, im Mittelfeld der Liga und mit einem Schuldenstand von 1,35 Millionen Euro. Doch wenn er am Donnerstag bei Eintracht Frankfurt zum Viertelfinale der Europa League (21 Uhr, RTL) antritt, umweht ihn wieder Zuversicht, fast schon Euphorie. Nicht nur bei den Frauen, die vorige Woche mit 91. 553 Fans im Camp Nou beim Champions-League-Viertelfinale gegen Real Madrid einen Zuschauerweltrekord für ihren Sport aufstellten und nun das Halbfinale gegen Wolfsburg innerhalb von 24 Stunden ausverkauft haben. Nein, auch bei den kürzlich noch so geschundenen Männern.

Seit 13 Spielen ist die Mannschaft von Trainer Xavi Hernández wettbewerbsübergreifend ungeschlagen, sechsmal schoss sie dabei vier Tore, unter anderem beim Triumph im Stadion des Erzrivalen Real Ma­drid (4:0). In der Tabelle belegt man jetzt Platz zwei, die Gegner sind schwer beeindruckt.

Xavis rasanter Fußball begeistert Fans und Gegner

Auffällig ist unter Xavi zuvorderst, wie viel schneller und dynamischer gespielt wird. Der einstige König des "Tiki-Taka" hat sich auf die aus der Zeit seines Trainers Pep Guardiola berühmten Grundlagen von Passspiel und Pressing rückbesonnen, aber auch für Rasanz und Vertikalität gesorgt. Die wiederbelebte Leidenschaft der Spieler tut ein Übriges. Veteranen wie Abwehrchef Gerard Piqué, Linksverteidiger Jordi Alba und Stratege Sergio Busquets scheinen aus einem Jungbrunnen getrunken zu haben. Der Nachwuchs um Verteidiger Ronald Araújo oder den herausragenden Mittelfeldspieler Pedri macht enorme Entwicklungssprünge. Der zuvor kriselnde Niederländer Frenkie de Jong wirkt wie befreit und auch Marc-André ter Stegen im Tor hat eine unglückliche Phase überstanden.

Für den Angriff brauchte allerdings selbst Xavi fremde Hilfe. Mit Kreativität, Geduld und Verhandlungsgeschick besorgte ihm Sportdirektor Mateu Alemany trotz der Schulden einen Satz neuer Stürmer. Der spanische Nationalspieler Ferran Torres kam von Manchester City, die 55 Millionen Euro Ablöse müssen erst ab Sommer abgestottert werden. Flügelstürmer Adama Traoré wurde von Wolverhampton Wanderers ausgeliehen. Am erstaunlichsten war jedoch der Coup mit Pierre-Emerick Aubameyang. Der ehemalige BVB-Goalgetter kam kurz vor Marktschluss komplett gratis – er hatte kurz zuvor seinen Vertrag bei Arsenal aufgelöst, wo er in Ungnade gefallen war.

"Auba" und Dembele haben gemeinsam zu alter Stärke gefunden

Aubameyang brachte nicht nur Treffsicherheit (bislang neun Tore in 796 Minuten). Seine Stärke im Raum, seine ständige Anspielbarkeit und sein Engagement im Pressing verbesserten sofort die ganze Mannschaft. "Ein Geschenk, das vom Himmel gefallen ist", nennt ihn Xavi, dem der fröhliche Gabuner en passant noch ein weiteres Problem löste. Seit "Auba" mit seinem alten Dortmunder Kumpel Ousmane Dembélé wiedervereint ist – und wie es heißt, positiv auf ihn einredet –, agiert Barças Problemkind wie ausgewechselt. Allein in den letzten sechs Ligaspielen steuerte der Franzose acht Torvorlagen bei.


Offen bleibt weiter nur die Frage, ob Dembélé seinen auslaufenden Vertrag verlängert. Sportlich verspricht Xavis Barça viel, aber finanziell bleibt der Rahmen eng. Auch an seiner Entscheidung wird sich zeigen, wie groß die Pflanze der neuen Ära schon gewachsen ist.