11. Februar 2020 / 06:44 Uhr

100 Tage Hansi Flick als Bayern-Trainer: Die Bilanz – Was hat er bewegt? Und wo hakt es noch?

100 Tage Hansi Flick als Bayern-Trainer: Die Bilanz – Was hat er bewegt? Und wo hakt es noch?

Patrick Strasser
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Hansi Flick ist seit 100 Tagen Trainer des FC Bayern. Gefragt ist der ehemalige DFB-Coach als Gewinnertyp (r., von oben), als Koordinator (hier mit Oliver Kahn) und als Spieler-Flüsterer, wie hier mit Philippe Coutinho. 
Hansi Flick ist seit 100 Tagen Trainer des FC Bayern. Gefragt ist der ehemalige DFB-Coach als Gewinnertyp (r., von oben), als Koordinator (hier mit Oliver Kahn) und als Spieler-Flüsterer, wie hier mit Philippe Coutinho.  © imago images/Jan Huebner
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Seit 100 Tagen ist Hansi Flick Trainer des FC Bayern. Was hat er in dieser Zeit bewegt? Was läuft noch nicht rund? Und wie stehen seine Chancen auf einen Titel? Der SPORTBUZZER hat die Zeit beim Rekordmeister analysiert.

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In der Nacht zu Montag wird Leon Goretzka schlecht geschlafen haben. Zum einen, weil Orkantief „Sabine“ an den Fenstern seines Hauses gerüttelt hat, zum anderen, weil die Gedanken an die Großchance im Topspiel der Bundesliga immer wieder in seinem Kopf angeklopft haben werden. Beim 0:0 zwischen Meister FC Bayern München und RB Leipzig kam der Bayern-Profi frei vor Leipzigs Torwart Peter Gulacsi zum Schuss – gehalten.

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„Es tut mir leid für die Mannschaft“, grämte sich Goretzka, „normal mache ich den rein. Dann gehst du mit einem 1:0 nach Hause und die Gesichter sehen ein bisschen fröhlicher aus.“ Im Rahmen der Aufräumarbeiten nach dieser Partie sagte Kollege Thomas Müller: „Wir haben es verpasst, aus diesem Spiel unser Spiel zu machen, konnten nicht so über unseren Schatten springen.“ Den Schatten der Vergangenheit, den der Ära Niko Kovac? Im Titelduell mit Herbstmeister Leipzig waren im Spiel der Bayern Restspuren ihrer früheren Spielweise enthalten, nämlich das zurückhaltende Element und das Motto „Safety first“ – ausgerechnet zu dem Zeitpunkt, da Hansi Flick an diesem Dienstag genau 100 Tage im Amt sein wird. Zeit für eine Schaffensbilanz des 54-Jährigen.

Was hat Flick bewegen können?

Als er am 4. November, zwei Tage nach dem 1:5 der Bayern bei Eintracht Frankfurt, seinen ersten Arbeitstag nach dem Aufstieg von Kovacs Co-Trainer zum Chefcoach antrat, brachte er den Optimismus zurück, ging in vielen Gesprächen auf die Spieler ein und betonte, „ein Teamplayer und ein Mensch der Gegenwart“ zu sein. Für Bayern war es der Aufbruch in eine bessere Zukunft, vor allem spielerisch. Flicks Credo: „Wir müssen nach vorne verteidigen und auch mit Ball die Qualität zeigen, die in uns steckt.“ Er propagiert Dominanzfußball, das hatte die Mannschaft unter Kovac vermisst. Der Kroate hatte sein Konzept zu oft dem System des Gegners angepasst. Das Ergebnis: Die Bayern wurden wieder die Bayern, Flick vom Zwei-Spiele-Interimscoach zum Trainer bis Weihnachten und schließlich bis Saisonende bestimmt. Bei (anhaltendem) Erfolg wird eine Zusammenarbeit darüber hinaus immer wahrscheinlicher.

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Wie sieht Flicks Bilanz aus?

Die Leipzig-Partie hat gezeigt: Der Mann kann auch unentschieden. Und das im 15. Pflichtspiel. Zwölf Spiele wurden gewonnen, nur gegen Leverkusen und Gladbach verlor man jeweils 1:2 – obwohl man überlegen war und ein Chancenplus hatte. Darüber hinaus hat Flick die Renaissance von Müller bewirkt, der in elf Bundesliga-Spielen unter dem neuen Coach an 13 Treffern beteiligt war. David Alaba gibt einen souveränen Abwehrchef und selbst Thiago, obwohl gegen Leipzig mal wieder abgetaucht, hat sich deutlich gesteigert.

Was läuft noch nicht wie gewünscht?

Für Topstar Philippe Coutinho konnte auch Flick keine Position finden. Der Brasilianer wirkt wie ein Fremdkörper, stand in der Rückrunde nur in zwei von fünf Partien in der Startelf. Mit einer Verpflichtung eines weiteren Flügelspielers konnte sich Flick in der Winterpause nicht durchsetzen, Bayerns Offensivspiel ist blessurengeplagt: Ivan Perisic wird bis April fehlen, Kingsley Coman gab gegen RB nach zwei Monaten Pause ein Kurzcomeback, Serge Gnabry ist nach seinen Achillessehnen-Beschwerden noch nicht der Alte.

Wie stehen nun Flicks Titel-Chancen?

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Seine Arbeit wird mit dem Abschneiden in der Champions League bilanziert. Bei einem Achtelfinal-Aus gegen den FC Chelsea hätte er schlechte (Weitermach-)Karten. In der Liga will man die achte Meisterschale in Serie einsacken. „Es ist noch ein langer Weg, wir versuchen, unsere Position in der Tabelle bis zum Ende der Saison zu halten“, sagt Flick. Aus Bayern-Sicht das Mindeste. Ein Pünktchen vor RB ist hauchdünn. Sportdirektor Hasan Salihamidzic rechnet anders: „Wir haben einen Punkt auf Dortmund (3:4 in Leverkusen, d.Red.) gewonnen.“ Am 4. April sieht man sich zum nächsten Topspiel, dann in Dortmund

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