04. Januar 2020 / 14:52 Uhr

Kommentar zum Bayern-Wechsel: Alexander Nübel gefährdet seine Karriere

Kommentar zum Bayern-Wechsel: Alexander Nübel gefährdet seine Karriere

Sönke Gorgos
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Alexander Nübel wechselt zum FC Bayern. Mit dem Transfer auf die Bank des Rekordmeisters gefährdet er seine Karriere, meint Sönke Gorgos.
Alexander Nübel wechselt zum FC Bayern. Mit dem Transfer auf die Bank des Rekordmeisters gefährdet er seine Karriere, meint Sönke Gorgos. © imago images/Action Pictures
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Alexander Nübel wechselt zum FC Bayern - und viele Fußball-Fans wundern sich. Die Entscheidung, sich drei Jahre auf die Bank zu setzen, birgt für den 23-Jährigen ein gewaltiges Risiko, das sogar seine Karriere gefährden kann, meint SPORTBUZZER-Redakteur Sönke Gorgos.

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Es ist der vielleicht ungewöhnlichste Transfer der Bundesliga-Geschichte - und Fußball-Deutschland wundert sich über Alexander Nübel. Der 23-Jährige wechselt ablösefrei vom FC Schalke 04 zum FC Bayern München. Für fünf Jahre, als designierter Nachfolger von Weltmeister Manuel Neuer. Was gut klingt, hat einen gewaltigen Haken: Von den fünf Jahren wird er sicher drei auf der Ersatzbank verbringen. Mit sporadischen Einsätzen hier und da. Anstatt auf Schalke zu verlängern, vielleicht mit einer niedrigschwelligen Klausel für seinen Traum-Klub FCB in ein oder zwei Jahren, stürzt sich Nübel in eine schwierige Situation, die sogar seine Karriere gefährden kann.

Warum tut Nübel sich das an? Er will mit seiner Karriereplanung zweifellos Weitblick demonstrieren, doch der Wechsel zeugt auch von einer erstaunlichen Kurzsichtigkeit. Denn Nübel dürfte drei Jahre lang nur sehr selten spielen, seine Karriere kann angesichts der mangelnden Spielpraxis stagnieren. Klar, eines der größten Torwart-Talente kann im Training von Neuer lernen - aber drei Jahre sind vor allem im Fußball eine enorm lange Zeit. Ob er danach in der Lage sein wird, seine Klasse unter Beweis zu stellen, ist mindestens ungewiss. Nübel wird kaum Spielpraxis erhalten, während andere in diesem Zeitraum 150 Einsätze sammeln können. Dass Neuer keine Lust hat, seinen Platz im Tor auch nur für unbedeutende Spiele zu räumen, ist hinlänglich bekannt. Dafür ist er viel zu ehrgeizig.

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Alexander Nübel, Kai Havertz und Joshua Zirkzee (v.l.) könnten im Bayern-Kader 2025 tragende Säulen sein. Der <b>SPORT</b>BUZZER stellt den möglichen FCB-Kader vor. Zur Galerie
Alexander Nübel, Kai Havertz und Joshua Zirkzee (v.l.) könnten im Bayern-Kader 2025 tragende Säulen sein. Der SPORTBUZZER stellt den möglichen FCB-Kader vor. ©
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Der FC Bayern schafft sich ohne große Not einen Konfliktherd

Auch die Bayern schaffen sich (und das ist für sie ganz und gar nicht üblich) aus einem glimmenden Teelicht einen ausgewachsenen Konfliktherd. Denn Manuel Neuer ist weiterhin einer der besten Keeper der Welt und wird das auch in den kommenden Jahren bleiben. Sven Ulreich hat unter Beweis gestellt, dass er als Ersatzmann auch seine Qualitäten hat. Sogar für eine Berufung ins DFB-Team hat es gereicht. Jetzt muss er den Klub verlassen, wenn er nicht auf der Tribüne versauern will. Das ist auch wegen seines tadellosen Verhaltens bitter für ihn.

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Und Neuer? Den könnte die Verpflichtung von Nübel vergrätzen, wenn er nicht mehr auf die maximale Anzahl von Spielen kommt. Dabei wollen die Münchner ihn mindestens bis 2023 binden (sein aktueller Vertrag läuft 2021 aus), erst danach soll Nübel den Platz einnehmen. Dass beide Torhüter zufrieden aus dem Szenario rausgehen, ist kaum vorstellbar. Der vermeintlich klare Plan der Bayern, aus dem Fehler von 2008 zu lernen, als man keinen klaren Nachfolger für Oliver Kahn parat hatte, zu lernen, könnte so nach hinten los gehen. Immerhin: Viel kostet dieses Wagnis den Verein nicht.

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Dann ein letzter Punkt: Die Signalwirkung an die nationale Konkurrenz. Schalke schließlich ist nicht irgendwer, gehört zu den besten und, ja, finanzstärksten Klubs Deutschlands. Und verliert jetzt trotz einer eigenen Rekord-Offerte seinen Kapitän, der zum Aushängeschild hätte werden können, für nichts - an die Ersatzbank des Rekordmeisters. So wird der ungewöhnlichste Transfer der Liga auch noch zu einem Armutszeugnis für selbige.

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