22. April 2022 / 11:42 Uhr

Vor Bundesliga-Spitzenspiel: Welche Parallele Bayern-Trainer Nagelsmann und BVB-Coach Rose verbindet

Vor Bundesliga-Spitzenspiel: Welche Parallele Bayern-Trainer Nagelsmann und BVB-Coach Rose verbindet

Patrick Strasser
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Treffen zum zweiten Mal als Trainer ihrer aktuellen Klubs in der Bundesliga aufeinander: Julian Nagelsmann und Marco Rose.
Treffen zum zweiten Mal als Trainer ihrer aktuellen Klubs in der Bundesliga aufeinander: Julian Nagelsmann und Marco Rose. © IMAGO (Montage)
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Julian Nagelsmann vom FC Bayern und Marco Rose von Borussia Dortmund stehen sich am Samstag als Trainer im Bundesliga-Spitzenspiel gegenüber. Nagelsmann kann mit dem FCB dabei sogar den Titel vorzeitig sichern. Eine Parallele verbindet die beiden Coaches jedoch in ihrem jeweils ersten Amtsjahr.

Was für ein Dilemma. Da kann sich Julian Nagelsmann, in einem für Bundesliga-Trainer jugendlichen Alter von erst 34 Jahren, den Kindheitstraum erfüllen, als verantwortlicher Chefcoach seines Herzensvereins FC Bayern die Meisterschale zu gewinnen – und die Reaktion in und um München sowie an der Säbener Straße ließe sich angesichts des anstehenden zehnten Titels in Serie verkürzt zusammenfassen mit einem „Na, toll!“.

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Und so konnte man am Donnerstag einen sehr nachdenklichen Nagelsmann erleben. Der gebürtige Bayer aus Landsberg am Lech scheint hin- und hergerissen zwischen der Freude über seine erste persönliche Meisterschaft im Profibereich und der allgemeinen negativen Grundstimmung in und um den Verein nach dem Viertelfinal-Aus in der Champions League gegen den spanischen Underdog FC Villarreal.

Nagelsmann: Meisterschaft der "ehrlichste Titel"

Ob allein die Gelegenheit, am Samstag (18.30 Uhr, live mit Sky Ticket/Anzeige) vor ausverkaufter Allianz-Arena den Verfolger Borussia Dortmund mit einem klaren Statement-Sieg in die Schranken zu weisen, noch für Emotionen sorgt bei Fans und Spielern? Und sogar mehr zählt als Schale Nummer zehn? „Grundsätzlich hat die Meisterschaft einen Tick weniger Bedeutung in München als die Champions League“, untertrieb Nagelsmann und betonte: „Trotzdem ist es der ehrlichste Titel. Dennoch: Wenn man seinen elften oder sechsten Titel holt, ist es ein Stück weit menschlich, dass das nicht der besonderste Moment ist.“ Muss der Schalen-Frischling seine Routinesieger zum Feiern treiben? Für ihn ist die Meisterschaft „eine Auszeichnung. Ich freue mich darauf und hoffe, dass sich die Spieler auch freuen.“ Prinzip Hoffnung.

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In München ist eine neue Nachdenklichkeit eines ihrer leitenden – und derzeit auch leidenden – Angestellten eingezogen. Kurz vor dem Abdriften in Melancholie. Nagelsmann, der absolute Wunschtrainer der Bosse, vergangenen Sommer für die Trainer-Weltrekordablösesumme in Höhe von rund 25 Millionen Euro Ablöse aus Leipzig verpflichtet, weiß, was ihm möglicherweise im zweiten (von fünf unterschriebenen) Vertragsjahren blüht. Angesprochen auf die Relevanz seines anstehenden ersten Titels sagte er frei heraus: „Wenn ich die Meisterschaft nicht holen würde, dann wäre ich hier nicht mehr Trainer.“ Er gestand auch: „Ich bin ein Ehrgeizling, mich trüben die letzten zwei Wochen. Es gibt viele Dinge, die mich beschäftigen, auch ein paar Sachen drumherum.“ Man ahnt jetzt schon: Das zweite Jahr wird neuer Anlauf und neue Chance zugleich. Bereits Nagelsmanns letzte?

Mit Süle und Co.: Verfeinert Rose das BVB-System?

Für sein Gegenüber Marco Rose sind die Voraussetzungen nach dessen erstem Jahr im Amt ähnlich. Auch wenn die Ansprüche andere sind, haftet an ihm das blamable Ausscheiden in der Vorrunde der Champions League, der zu frühe Abschied aus der Trostrunde Europa League (gegen die Glasgow Rangers) und der herbe Dämpfer im DFB-Pokal-Achtelfinale (gegen Zweitligist St. Pauli). Als Bundesliga-Zweiter mit mehr als ordentlicher Punkteausbeute (13 mehr als zum Vorjahreszeitpunkt) ist der BVB im Soll. Die Saisonbilanz von Rose erhält wie bei Nagelsmann das Prädikat: Okay.

Mit einem Sieg nun in München könnte ein Signal für die kommende Spielzeit gesetzt werden. „Das kann etwas mit einer Mannschaft machen“, meinte der BVB-Coach. Vor allem er will etwas mit seiner Mannschaft machen – noch so eine Parallele: Seine Vorstellung vom Fußball mehr und mehr etablieren, sein System über weitere Neuzugänge neben Bayern-Profi Niklas Süle (wohl die Nationalspieler Nico Schlotterbeck und Karim Adeyemi) verfeinern. Hier hakt der Vergleich: Die Bayern haben nämlich noch keinerlei Transfers eingetütet.

„Ich werde meinen Stil aber nicht ändern“, betonte Nagelsmann und sagte: „Ich werde weiterhin alles geben. Ich habe es nicht in der Hand, dass es nur mehr schön ist.“ Vielleicht sollte ihn Rose vor Anpfiff am Samstag mal ganz feste drücken.