18. September 2020 / 12:52 Uhr

Titelrennen, Not-Transfers und fehlender Mut: Michael Rummenigge analysiert die Bundesliga vor dem Start

Titelrennen, Not-Transfers und fehlender Mut: Michael Rummenigge analysiert die Bundesliga vor dem Start

Michael Rummenigge
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Die Bundesliga startet wieder: SPORTBUZZER-Kolumnist Michael Rummenigge blickt auf die Brennpunkte der neuen Saison.
Die Bundesliga startet wieder: SPORTBUZZER-Kolumnist Michael Rummenigge blickt auf die Brennpunkte der neuen Saison. © imago images/Jürgen Fromme/firo Sportphoto/POOL/Picture Point LE/RHR-Foto/dpa/Montage
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SPORTBUZZER-Kolumnist Michael Rummenigge blickt auf die kommende Saison voraus und analysiert den Titelkampf, die Anwärter auf die Champions League und den Abstiegskampf. bei Schalke 04 und Hertha BSC schaut er genau hin.

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Am Freitag geht es endlich wieder los - und dann mancherorts auch noch mit Zuschauern. Ich finde die nun beschlossene Regelung für die Teil-Rückkehr der Fans in die Stadien gut und freue mich darauf, dass am Auftakt-Wochenende der Bundesliga zumindest ein wenig Stimmung auf den Rängen herrschen wird. Mit meinem Meister-Tipp werde ich wohl niemanden überraschen: Das ist natürlich der FC Bayern, der den neunten Titel in Folge anstrebt. Diese Dominanz kann man beklagen, Ich denke aber, dass die Konkurrenz daran nicht ganz schuldlos ist. Es wundert mich, dass man die Hegemonie der Münchner ligaweit einfach so akzeptiert. Es wird schlicht zu wenig getan, um die Situation zu verändern.

Der BVB-Kader ist meisterreif

Da muss man auch Mumm haben und entsprechend auftreten. Borussia Dortmund hat im vergangenen Jahr Ansprüche auf die Meisterschaft angemeldet und hält sich nun öffentlich zurück. Warum? Der Kader des BVB ist absolut meisterreif. Man hat sich mit Spielern wie Thomas Meunier und Jude Bellingham noch einmal verstärkt. Eigentlich sind die Dortmunder die einzige Mannschaft, die Bayern gefährlich werden kann. Sie muss aber auch den Mut aufbringen, dies wirklich zu wollen. Gerade bei den Auftritten der Borussia in München hat man das in den vergangenen Jahren nicht gesehen.

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Hinter diesen beiden Mannschaften sehe ich die selben Teams wie in der vergangenen Saison: RB Leipzig, Borussia Mönchengladbach und Bayer Leverkusen. Wobei Leverkusen durch die Abgänge von Kai Havertz und Kevin Volland enorm an Potenzial verloren hat. Die Verpflichtung von Patrik Schick finde ich aber sehr gut. Man darf gespannt sein, ob das reicht, um in die Champions League zurückzukehren. Dort wird Leipzig ziemlich sicher landen - zu mehr wird es für den Königsklassen-Halbfinalisten nicht reichen. Dafür hätte man auf dem Transfermarkt einfach mehr Mut beweisen und auch mal gestandene Top-Spieler holen müssen. Aber die Sachsen setzen auf eine andere Philosophie.

Schalke: Ibisevic und Paciencia sind Not-Transfers

Eine Philosophie - das ist etwas, was ich bei Schalke 04 nicht wirklich erkennen kann. Vedad Ibisevic und Goncalo Paciencia wirken auf mich wie Not-Transfers. Wobei aufgrund der wirtschaftlichen Lage des Vereins wohl auch nicht mehr möglich ist. Sportvorstand Jochen Schneider und Trainer David Wagner sind daran aber unschuldig. Sie leiden unter der Erblast, die ihnen hinterlassen wurde. Wenn ich daran denke, was da bei S04 für Transfers getätigt wurden, schlage ich die Hände über dem Kopf zusammen. Ergebnis: Schalke kann in dieser Saison froh sein, wenn sie nichts mit dem Abstieg zu tun bekommen.

Und dann ist da ja noch der "Big City Club". Ganz ehrlich, wenn ich Ansprüche wie Hertha BSC anmelde, kann ich nicht solche Spieler wie Alexander Schwolow holen. Da muss man schon ins höhere Regal greifen. Am Ende sehe ich die Berliner maximal auf Platz zehn. Mit Blick auf den Klassenerhalt müssen sich die beiden Aufsteiger VfB Stuttgart und Arminia Bielefeld strecken. Auch für Mainz 05, Union Berlin und den FC Augsburg wird es wohl eine nervenaufreibende Spielzeit.