28. Dezember 2020 / 19:19 Uhr

FC Bayern, BVB & Co.: Das kostet die Corona-Pandemie die Bundesliga-Klubs

FC Bayern, BVB & Co.: Das kostet die Corona-Pandemie die Bundesliga-Klubs

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Die wirtschaftlichen Folgen des Corona-Jahres machen sich bei den Bundesliga-Klubs bemerkbar.
Die wirtschaftlichen Folgen des Corona-Jahres machen sich bei den Bundesliga-Klubs bemerkbar. © Getty/Pixabay/Montage
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Die Bundesliga-Klubs blicken auf ein sportlich wie wirtschaftlich anspruchsvolles Jahr 2020 zurück. Der SPORTBUZZER macht den Check: Wer kam finanziell gut durch die Krise, wer verzeichnet ein Minus?

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Das Corona-Jahr 2020 neigt sich dem Ende entgegen – es war für die Bundesliga-Klubs nicht nur wegen der rund zweimonatigen Spielpause von Mitte März bis Mitte Mai eines mit besonderen Herausforderungen. Der SPORTBUZZER-Check zeigt: Viele Vereine hat die Pandemie richtig Geld gekostet – und wird es wohl auch weiterhin tun.

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Sogar der FC Bayern München hat schmerzhafte Einschnitte hinnehmen müssen, auch wenn die nackten Zahlen auf den ersten Blick positiv erscheinen. Denn der Umsatz beim Triple-Sieger beträgt laut Klubmitteilung in der Corona-Saison 2019/2020 698 Millionen Euro. Sowohl vor als auch nach Steuern (17 bzw. 9,8 Millionen Euro) verzeichnet der FCB einen Gewinn. In der Vorsaison 2018/2019 sahen die Zahlen allerdings noch besser aus: Umsatz 750 Millionen Euro, Gewinn vor Steuern 75,3 Millionen Euro, nach Steuern satte 52,5 Millionen Euro.

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Ursache für die trotz Pandemie ordentliche Bilanz seien laut Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge "die herausragenden Erfolge, die unsere Mannschaft errungen hat". Allerdings rechnet sein Stellvertreter Jan-Christian Dreesen, der als Finanzexperte gilt, für die laufende Spielzeit mit einem weiteren Einbruch beim Umsatz – "sollten wir noch länger vor leeren Rängen spielen müssen, sogar in dreistelliger Millionenhöhe".

In Corona-Pandemie: Hoher Verlust beim BVB

Verglichen mit den Bayern liest sich das Finanzergebnis von Dauerrivale Borussia Dortmund ernüchternder. Zwar ging der Umsatz bei dem einzigen börsennotierten Bundesligisten laut Ad-hoc-Mitteilung von Mitte August 2019/2020 im Vergleich zum Vorjahr nur leicht von 489,5 auf 486,9 Millionen Euro zurück. Doch unter dem Strich wurde aus 17,4 Millionen Euro Gewinn nach Steuern im Spieljahr 2018/2019 ein Verlust von 44 Millionen Euro. Im ersten Quartal des laufenden Geschäftsjahres machte der BVB abermals 35,8 Millionen Euro Verlust.


Immerhin: Anfang November gaben die Westfalen bekannt, für das zweite Quartal ein nahezu ausgeglichenes Ergebnis zu erwarten. Für die gesamte Saison rechnen die Bosse um Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke jedoch mit einem Jahresfehlbetrag von 70 bis 75 Millionen Euro.

Ob es die Schwarz-Gelben tröstet, dass die Lage beim nicht nur sportlich darbenden Reviernachbarn Schalke 04 weitaus dramatischer ist? Der Ende September veröffentlichten Halbjahresbilanz zufolge brach der Umsatz bei den Königsblauen in den ersten sechs Monaten 2020 um rund ein Drittel ein (102,1 Millionen Euro im Vergleich zu 151,3 im Vorjahreszeitraum). Dank kostensenkender Maßnahmen drückte Schalke das Halbjahresdefizit zumindest auf 9,7 Millionen nach 18,3 Millionen im ersten Halbjahr 2019. Die Verbindlichkeiten beim Bundesliga-Schlusslicht wuchsen gleichwohl – von 197,9 Millionen Euro mit Stand 31. Dezember 2019 auf 205,3 Millionen Euro.

Klub-Bosse mit düsteren Prognosen zu Corona-Minus

Von einigen Klubs liegen derweil noch keine offiziellen Zahlen vor, wohl aber Prognosen von Klubbossen, die einigen Fans Sorgen machen dürften. So ging Fredi Bobic, Sportvorstand von Eintracht Frankfurt, im Interview mit der Bild am Sonntag im September von einem Corona-Minus von "50 bis 75 Millionen Euro im Umsatz" aus. Bei RB Leipzig rechnete Geschäftsführer Oliver Mintzlaff im SPORTBUZZER-Interview für das Kalenderjahr 2020 mit fehlenden Einnahmen in Höhe von 30 Millionen Euro. Mit einem Minus in ähnlicher Größenordnung, vor allem aufgrund geringerer TV-Einnahmen, kalkulierte auch Werder Bremens Boss Klaus Filbry im Juli. Und Geschäftsführer Alexander Wehrle vom 1. FC Köln prognostizierte im November für die vergangene und die aktuelle Saison einen Umsatzverlust von mindestens 40 Millionen Euro.

Doch es gibt auch Vereine – abseits der Bayern –, die in der Krise positive oder zumindest ermutigende Zahlen vorlegten. Die TSG Hoffenheim verzeichnete mit 229 Millionen Euro einen Rekordumsatz in ihrer Bundesliga-Geschichte und verdreifachte ihren Gewinn nach Steuern auf 56 Millionen Euro. Oder: Der SC Freiburg erlitt zwar leichte Einbußen beim Umsatz (89,2 nach 96,1 Millionen Euro im Vorjahr), erwirtschaftete aber einen Mini-Überschuss von 95.418 Euro. Borussia Mönchengladbach profitierte vom sportlichen Erfolg während der Pandemie – und begrenzte das Loch, das das Virus in die Kassen riss, wohl auch dank der Einnahmen aus dem Einzug ins Champions-League-Achtelfinale nach Angaben von Finanz-Geschäftsführer Stephan Schippers auf "deutlich unter 20 Millionen Euro".

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Bei manchen Vereinen ist die Situation mangels öffentlich gewordener Zahlen oder Vorhersagen unklar. Dazu gehören Bayer Leverkusen, Arminia Bielefeld (die für Anfang Dezember geplante Mitgliederversammlung wurde verlegt) oder der VfL Wolfsburg. Die Wölfe hatten im Geschäftsjahr 2018/2019 mit 44,8 Millionen Euro den ligaweit größten Fehlbetrag ausgewiesen – da war Corona allerdings noch kein Thema.