28. Oktober 2021 / 10:26 Uhr

Pokal-Debakel: Der FC Bayern hätte Kimmich und Hernández eine Pause verordnen sollen

Pokal-Debakel: Der FC Bayern hätte Kimmich und Hernández eine Pause verordnen sollen

Patrick Strasser
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Joshua Kimmich (links) und Lucas Hernandez hätten im Pokal-Spiel eine Pause bekommen müssen, meint SPORTBUZZER-Reporter Patrick Strasser.
Joshua Kimmich (links) und Lucas Hernandez hätten im Pokal-Spiel eine Pause bekommen müssen, meint SPORTBUZZER-Reporter Patrick Strasser. © IMAGO/MIS/Jan Huebner (Montage)
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Nach dem Pokal-Debakel des FC Bayern begibt sich SPORTBUZZER-Reporter Patrick Strasser auf Ursachensuche. Er meint, der Wirbel um Joshua Kimmich und Lucas Hernández hat sich auf die Leistung niedergeschlagen – was nur verständlich ist.

Schon ist er ausgeträumt, der Triple-Traum. Es war nicht nur eine erschreckend schwache Leistung des FC Bayern München, sondern ein Abend, der in seiner geschichtlichen Dimension in mehrfacher Hinsicht einmalig ist. Die 0:5-Packung bei Borussia Mönchengladbach in der zweiten Runde des DFB-Pokals war die höchste Niederlage der Bayern in diesem Wettbewerb und die höchste in allen Wettbewerben seit Dezember 1978 als Sepp Maier & Co. mit 1:7 bei Fortuna Düsseldorf untergingen. Und: Erstmals nach einer unfassbaren Serie von 84 (!) Spielen bleiben die Münchner ohne Tor. Im Februar 2020 hatte es ein 0:0 gegen RB Leipzig gegeben.

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Sportvorstand Hasan Salihamidzic gab nach dem 0:5 in der ARD zu, er sei "absolut schockiert" und wertete den Auftritt des Rekord-Pokalsiegers als "kollektiven Blackout". Über das 0:3 bis zur Pause sagte Salihamidzic: "Wir waren nicht da, wir waren in keinem Zweikampf da." Für ihn war das alles "unerklärlich".

Wirklich nicht zu erklären? Ich finde schon. Natürlich war die Fallhöhe extrem hoch. Mit 13:1 Toren in nur sieben Tagen (5:1 in Leverkusen, 4:0 bei Benfica Lissabon, 4:0 gegen Hoffenheim) kamen die Bayern nach Gladbach. Scheinbar von Sieg zu Sieg schwebend auf einer Wolke. Egal, ob Trainer Julian Nagelsmann nun an der Seitenlinie coacht oder wie zuletzt aufgrund der häuslichen Quarantäne nach Corona-Infektion per virtueller Standleitung aus seinem Rechenzentrum in der eigenen Küche. Nagelsmann fehlte im Borussia-Park. Aber auch einige Spieler waren "nicht da", lediglich körperlich anwesend.

Hätte man vor allem zwei Spieler – zugegeben: zuletzt Leistungsträger – besser zu Hause lassen sollen? Weil sie einfach mit ihren Gedanken nicht komplett bei der Sache, beim Spiel, sein konnten? Was nur allzu menschlich wäre. Ich meine Joshua Kimmich und Lucas Hernández. Nach seinem am Samstag offenbarten Impfverzicht, musste der deutsche Nationalspieler eine Lawine von Reaktionen ertragen. Ob Beschimpfungen, Unverständnis oder Zustimmung. So etwas kann einen nicht kalt lassen - erst recht nicht, wenn sich sogar der Sprecher der Bundesregierung äußert.

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Der FC Bayern in der Einzelkritik gegen Borussia Mönchengladbach. ©

Auch bei Hernández kann der Fokus in den letzten Tagen nicht bei 100 Prozent gelegen haben. Der französische Nationalspieler erhielt am Mittwoch (am Tag des Spiels!) die erleichternde Nachricht, dass er nun doch nicht für sechs Monate in ein spanisches Gefängnis muss, stattdessen eine Bewährungs- und Geldstrafe erhält. Seinem Einspruch gegen den Haftbefehl wegen eines Verstoßes gegen ein Annäherungs- und Kontaktverbot gegenüber seiner heutigen Ehefrau im Dezember 2019 wurde stattgegeben. Das alles macht was mit einem - um es flapsig zu formulieren. Man denke an all die Nachrichten, die Hernández vor dem Gladbach-Spiel erhielt. Auch Kimmichs Handy dürfte in den letzten Tagen "explodiert" sein. Da leidet die Konzentration.

Nagelsmann hätte den beiden eine Pause verordnen sollen. Für den Kopf. Zum Durchschnaufen. Und frische, mental freie Kräfte bringen müssen. Salihamidzic wischte dies weg: "Damit sind wir auch in den letzten Spielen zurechtgekommen und haben wirklich sehr gute Leistungen gezeigt." Stimmt. Aber der Fall Kimmich nahm erst nach dem Hoffenheim-Spiel am Samstag Fahrt auf und die Hernández-Deadline war auf diese Woche terminiert. Folge: Sie waren gegen Gladbach "nicht da".