24. Oktober 2017 / 08:09 Uhr

FC Bayern Fanclub Leipzig: Echte Messestädter, echtes „Mia san mia“-Gefühl

FC Bayern Fanclub Leipzig: Echte Messestädter, echtes „Mia san mia“-Gefühl

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Gemeinsam jubeln: Fanclub-Vorsitzender Jörg Freitag (links) freut sich mit Sven Kretzschmann – im original Fanclub-Trikot – auf das Pokalduell in Leipzig.
Gemeinsam jubeln: Fanclub-Vorsitzender Jörg Freitag (links) freut sich mit Sven Kretzschmann – im original Fanclub-Trikot – auf das Pokalduell in Leipzig. © Christian Modla
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Der Fanclub des Rekordmeisters hat im Vereinsheim des Leipziger SC 1901 einen wohligen Ort zum Beisammensein gefunden.

Leipzig. Vom Glanz des FC Bayern zeugt ihr Domizil zwar nicht, aber dafür atmet der Treffpunkt des „FC Bayern Fanclub Leipzig“ noch echte Vereinsatmosphäre. Der große Raum im Vereinsheim des Leipziger SC 1901 in der Pistorisstraße mit seiner tiefhängenden Decke ist rundum drapiert mit Fahnen von Bayern München und vom süddeutschen Freistaat. Rot-weiße Girlanden und zahlreiche Schals umrahmen die zentrale Leinwand, über die bereits per Beamer die Vorberichterstattung zur Champions-League-Partie des deutschen Rekordmeisters gegen Celtic Glasgow flimmert.

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In Sachen Tradition jedenfalls ist der Fanclub hier dem Emporkömmling RB Leipzig eine Nasenlänge voraus. Seit 2007 – also zwei Jahre vor RB-Gründung – schafft der offiziell bei Bayern München registrierte Fanclub einen wohligen Ort, an dem die Anhänger des Vereins gemeinsam Erfolge feiern, Niederlagen beweinen – und die Partien des FCB verfolgen können. „Hier beim LSC sind wir erst seit einem Jahr“, erzählt der Vorsitzende Jörg Freitag (53) und schwärmt dabei von der Versorgung durch Küche und Zapfhähne von Rubi’s Sportlerklause, die das gesamte Vereinsheim bewirtet.

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RB Leipzig - FC Bayern München (dpa) (7) Zur Galerie
RB Leipzig - FC Bayern München (dpa) (7) © dpa/imago/GEPA Pictures

Ob Allgäuer Büble, Bayreuther Hell oder sächsisches Ur-Krostitzer, auch das Bierangebot spiegelt den buntgemischten Fantrupp von gut 80 Mitgliedern wider. „Bei uns sind alle Altersklassen und Gesellschaftsgruppen vertreten“, freut sich Freitag. Von Familien mit Kindern, die in kompletter Bayern-Montur erscheinen, bis hin zum bald 70-Jährigen, von Ärzten und Rechtsanwälten bis hin zu Maurern und Fliesenlegern – der FC Bayern schafft die gemeinsame Basis. Und das nicht nur an diesem Ort.

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20 Bayern-Fanclubs in der Region

Allein in Leipzig existieren sieben Fanclubs, insgesamt 20 finden sich in Nord- und Westsachsen, die Lipsia United in Grünau gilt mit über 220 Mitgliedern als größte Zusammenkunft in der Region. Im Osten Deutschlands finden sich generell viele Anhänger des bayerischen Serienmeisters. Eine Umfrage des Forschungs- und Beratungsunternehmens „Nielsen Sports“ sah den FCB Anfang 2017 mit 19 Prozent Anhängern in Ostdeutschland (Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Berlin, Sachsen-Anhalt, Sachsen, Thüringen) auf Platz eins – gleichauf mit Borussia Dortmund. Ein Grund: „Jeder hatte hier sein Glück im Osten – und die meisten hatten dann noch einen Lieblingsclub in der BRD“, erzählt Sven Kretzschmann (46), ebenfalls Gründungsmitglied des Fanclubs. Der Reiz der großen westdeutschen Fußballwelt habe niemanden kalt gelassen. „Und ich glaube auch nicht, dass ein Fußballfan von hier ein Spiel der Nationalmannschaft der BRD ausgelassen hat.“

Das führt zu der interessanten Konstellation, dass sich im „FC Bayern Fanclub Leipzig“ Sympathisanten des 1. FC Lok, der BSG Chemie sowie auch RB-Leipzig-Anhänger zusammenfinden, um gemeinsam bajuwarische Spielfreude zu zelebrieren. Jörg Freitag selber wurde 1977 durch seinen Vater sozialisiert – als Bayern- und gleichzeitig Lok-Fan. Andere Mitglieder haben sich im Laufe der Zeit von Lok abgewandt, andere haben den Fanclub verlassen und sich ganz auf die Unterstützung von RB Leipzig konzentriert. „Die hatten schon darauf gewartet, dass sie in der Bundesliga spielen“, so Kretzschmann.

Freude über Konkurrenz

Und nicht nur im Kreis der Bayern-Fans hat sich der Konkurrent im eigenen Nest bemerkbar gemacht. Auch auf der sportlichen Ebene erwuchs aus der Leipziger Neugründung ein Widersacher, den die Süddeutschen und ihre Anhänger im Blick haben ­müssen. Das Fußball-Spektakel in der Bundesliga Ende vergangener Saison, das die Münchner knapp mit 5:4 in Leipzig gewinnen konnten, hat hier auf jeden Fall niemand vergessen. „Aber das ist Fußball“, stellt Sven Kretzschmar klar. „Wir sind froh, dass mit RB Leipzig noch ein Verein hochgekommen ist, der mitspielen kann, und die Bundesliga wieder spannend geworden ist.“ Interessanterweise seien denn auch Bayern-Sympathisanten die einzigen in deutschen Stadien, die den neuen sächsischen Widersacher und seine Fans nicht verteufelten. „Wir haben das selber erlebt, dass RB-Anhänger in der Allianz-Arena positiv aufgenommen werden und über den Verein positiv gesprochen wird“, erzählt Kretzschmann. Über Kommerz und Vermarktung müsse hier nicht groß diskutiert werden.

Die Alleingänge der Bayern in den vergangenen Jahren hätten nämlich nicht nur dem deutschen Fußball geschadet und den Fans den Spaß genommen. „Diese Dominanz ist auch für die Bayern nicht gut. Wenn man immer ganz alleine oben steht, dann weiß man am Ende überhaupt nicht mehr, wo man steht. Man muss ja auch kämpfen können.“ Damit erklären sich so manchem FCB-Fan die Niederlagen in den entscheidenden Duellen der vergangenen Jahren – allein in der Champions League schossen spanische Teams München viermal in Folge aus dem Wettbewerb. Einen ständigen Stachel wie derzeit Dortmund und Leipzig sehen viele Bayern-Fans als gesund. Ähnlich wie die zwei Titel für den BVB 2011 und 2012, die als Schlüsselerlebnis für das Triple 2013 angesehen werden.

Sogar hier im Versammlungsraum des Fanclubs wird manchmal gemeinsam RB geguckt. „Die allermeisten von uns sind zwar keine Fans, aber wir akzeptieren jeden Verein und verfolgen natürlich auch interessiert, was hier in der Stadt passiert“, erklärt Freitag. Vor allem international drücke man dann schon die Daumen für deutsche Teams – Stichwort Fünfjahreswertung.

Zeichen stehen auf Bayern-Sieg

Für diesen Mittwoch prognostizieren die Bayern-Fans jedenfalls einen Triumph der Münchner. „RB Leipzig hat den Nachteil der Dreifachbelastung, der FC Bayern ist das gewohnt“, sagt Jörg Freitag. Der Kader des amtierenden deutschen Meisters sei einfach größer und breiter, der von Leipzig noch nicht. „Klar, RB ist jung, dynamisch, schnell, aber dafür haben wir die technisch überlegenen Fußballer und deutlich mehr Erfahrung“, so auch Kretzschmann. „Man hat das in der vergangenen Saison beim 3:0 in München gesehen: Die RB-Spieler rennen alle schwarmartig zum Ball, da sind die mit Cleverness ruckzuck ausgespielt worden."

Thomas Bothe