19. April 2021 / 11:51 Uhr

Kompromisslos wie beim FC Bayern: So liefen die Flick-Abschiede in Salzburg, beim DFB und in Hoffenheim ab

Kompromisslos wie beim FC Bayern: So liefen die Flick-Abschiede in Salzburg, beim DFB und in Hoffenheim ab

Patrick Strasser
RedaktionsNetzwerk Deutschland
War auch bei seinen vergangenen Abschieden nicht zögerlich: Bayern-Coach Hansi Flick.
War auch bei seinen vergangenen Abschieden nicht zögerlich: Bayern-Coach Hansi Flick. © IMAGO/Eibner/Jan Huebner/ActionPictures (Montage)
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Bayern-Trainer Hansi Flick ist ein Mann klarer Entscheidungen: Das hat der 56-Jährige am Wochenende mit seiner Absichtserklärung, den FCB verlassen zu wollen, wieder unter Beweis gestellt. Nach seinen bisherigen Rücktritten in Salzburg, beim DFB als Sportdirektor und als Geschäftsführer der TSG Hoffenheim ist ein Muster zu erkennen.

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Hansi Flick ist kompromisslos, hat eine klare Linie und zieht die Notbremse, wenn er es aus seiner Sicht für richtig erachtet. Das müssen die Verantwortlichen des FC Bayern München am Samstag schmerzvoll erfahren - und hat auch intern für Ärger gesorgt, wie die Stellungnahme der Bayern-Bosse am Sonntag nach dem Flick-Vorstoß zeigte. Bereits drei Mal in seiner Karriere nach der aktiven Zeit als Profi machte er bei seinen Stationen früher Schluss als vereinbart. Der SPORTBUZZER gibt einen Überblick

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Als Co-Trainer bei RB Salzburg: Zum 1. Juli 2006 wurde Flick bei den Österreichern Assistent von Cheftrainer Lothar Matthäus – allerdings für nur zwei Monate. Doch RB holte plötzlich Giovanni Trapattoni als neuen Sportdirektor, der sich jedoch auch als Chefcoach sah. Ständig gab es zwischen Trap und Matthäus Zoff im Training um Taktik und ums Personal, zum Leidwesen der Profis um die Ex-Bayern Thomas Linke, Alexander Zickler und Niko Kovac (ja, so klein ist die Welt). Flick rutschte in der Hierarchie eine Etage tiefer, arbeitete im Hintergrund und nahm sehr gerne Ende August die Anfrage von Joachim Löw an, bei der Nationalelf sein Co-Trainer zu werden. "Ich war sehr gerne in Salzburg, ein absoluter Top-Verein, eine super Stadt", erzählte Flick, "aber als ich das Angebot vom DFB bekam, musste ich nicht einmal eine Sekunde überlegen."

Als DFB-Sportdirektor: Im Anschluss an den WM-Triumph 2014 in Brasilien sah Flick das Ende seiner Zeit als Assistent von Löw gekommen - auch weil damals die Aufstiegschancen zum Bundestrainer aussichtslos waren. Flick wurde nach den Fehlgriffen mit Matthias Sammer und Robin Dutt Sportdirektor beim Verband, ausgestattet mit einem Fünfjahresvertrag. Doch schon im Januar 2017 ging er – völlig überraschend - von sich aus, da er sich "mehr auf die Familie konzentrieren" wolle. Man vermutete, er sähe erstens keine Perspektive neben dem allmächtigen Nationalelfmanager Oliver Bierhoff und wolle zweitens lieber wieder selbst in Fußballschuhen auf dem Trainingsplatz stehen. Es kam anders.

Als Geschäftsführer der TSG Hoffenheim: Diesen Job nahm er im Juli 2017 an, schließlich kannte er den Verein im Kraichgau in der Nähe seiner Geburtsstadt Heidelberg bestens, da er bei der TSG von 2000 bis 2005 Trainer war. Größter Erfolg: Aufstieg in die Regionalliga Süd. In Hoffenheim unterschrieb er einen Fünfjahresvertrag als Geschäftsführer Sport - allerdings ohne konkrete Stellenbeschreibung. Was schon damals für Kopfschütteln bei vielen Beobachtern sorgte. Es entwickelte sich eine Provinzposse um Kompetenzen und die strategische Ausrichtung des Klubs zwischen Flick und TSG-Gesellschafter und Mehrheitseigner Dietmar Hopp. Einem Machtkampf oder gar Zerwürfnis widersprach der Verein, ließ jedoch Mäzen Hopp nach 241 Tagen verlauten: "In einem Vier-Augen-Gespräch Ende Januar 2018 wurde deutlich, dass es über die Rolle und Aufgabe von Hansi Flick unterschiedliche Auffassungen gibt." Im Grunde Flicks größtes Missverständnis seiner Karriere - bis zur Auseinandersetzung mit Bayerns Sportvorstand Hasan Salihamidzic.

Beim FC Bayern preschte Flick am Samstag, direkt nach dem 3:2-Sieg gegen den VfL Wolfsburg vor und kündigte an, zum Saisonende bei den Bayern aufhören zu wollen - ohne vorherige Abstimmung mit seinen Bossen. Diese wurden von ihrem Trainer kalt erwischt, das Gros der Mannschaft überrascht. "Der FC Bayern missbilligt die nun erfolgte einseitige Kommunikation durch Hansi Flick", hieß es in einer kurzen, kühlen Stellungnahme. Der Rekordmeister kündigte zugleich an, die Gespräche mit Flick "wie vereinbart nach dem Spiel in Mainz fortsetzen" zu wollen. Dann geht es um die vom Trainer gewünschte Vertragsauflösung. Der Verein könnte theoretisch auf Erfüllung bis Mitte 2023 pochen.