03. April 2022 / 13:00 Uhr

Ausgangspunkt, drohende Konsequenzen und Co.: Fragen und Antworten zum Bayern-Wechselfehler

Ausgangspunkt, drohende Konsequenzen und Co.: Fragen und Antworten zum Bayern-Wechselfehler

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Schiedsrichter Christian Dingert (hellblaues Shirt) muss einige Gespräche nach dem Wechselfehler führen.
Schiedsrichter Christian Dingert (hellblaues Shirt) muss einige Gespräche nach dem Wechselfehler führen. © IMAGO/Sven Simon
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Der FC Bayern hat es nach dem Sieg in Freiburg nicht mehr weit zur nächsten Meisterschaft. Doch ein kurioser Wechselfehler lässt den Erfolg in den Hintergrund treten. Fragen und Antworten zum Wirbel um die Bayern-Panne.

Der FC Bayern ist weiter auf klarem Kurs zur zehnten deutschen Meisterschaft in Serie. Allerdings müssen die Münchner nach dem 4:1 (0:0) beim SC Freiburg ein Nachspiel fürchten. Denn der souveräne Bundesliga-Tabellenführer war am Samstagnachmittag für einige Sekunden mit zwölf Profis auf dem Platz. Der SPORTBUZZER beantwortet die wichtigsten Fragen zum Wechselpanne des FC Bayern.

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Wie kam es zum Wechselfehler des FC Bayern?

"Es war ein bisschen skurril", kommentierte Bayern-Trainer Julian Nagelsmann die Situation. Auf der Auswechseltafel am Seitenrand wurde die falsche Trikotnummer angezeigt. Vor der geplanten Auswechslung von Kingsley Coman war die Rückennummer 29 von Bayern-Teammanagerin Kathleen Krüger durchgegeben worden. Diese trug der Franzose aber in der Vergangenheit bei den Bayern, inzwischen läuft er mit der Nummer 11 auf. So entstand offenkundig die Irritation. Coman wusste wohl nicht, dass eigentlich er vom Feld sollte. Der französische Nationalspieler hatte kurz vor Schluss das Feld noch nicht verlassen, aber Marcel Sabitzer den Rasen bereits betreten. Schiedsrichter Christian Dingert setzte die Partie fort und unterbrach sie erst, als ihn die Freiburger mit teils wütenden Protesten auf die Überzahl der Münchner hinwiesen.

Was sagt Referee Dingert zur Wechselpanne?

"Wir haben es dann relativ schnell bemerkt, Rücksprache mit Köln gehalten und das Spiel dann mit Schiedsrichter-Ball fortgesetzt", erklärte Referee Christian Dingert. Es sei "sehr ärgerlich, dass bei einem so tollen Spiele diese eine Szene hängen bleibt", fügte Dingert hinzu. Er habe das Geschehen im Spielbericht vermerkt. Nun müsse der Deutsche Fußball-Bund über mögliche Konsequenzen entscheiden.

Wie bewertet Schiri-Boss Fröhlich die Situation?

DFB-Schiedsrichterchef Lutz Michael Fröhlich nahm nach dem Wechselfehler des FC Bayern in Freiburg auch die Referees in die Pflicht."Es wäre gut gewesen, wenn man vor der Spielfortsetzung noch einmal einen Check gemacht hätte. Das wäre von Schiedsrichter-Seite das Optimale gewesen", sagte Fröhlich der Deutschen Presse-Agentur: "Das ist schon sehr komplex gewesen", sagte Fröhlich. Menschlich sei die Verwirrung nachvollziehbar gewesen. "Aber Komplexität hin oder her: Es ist nicht schön, dass bei einem Fußballspiel am Ende darüber geredet wird", sagte Fröhlich. Der Schiedsrichter-Boss will die Situation mit den DFB-Referees noch einmal besprechen. "Es hat etwas mit Konzentration und mit Übersicht zu tun. Darüber müssen wir mit den Schiedsrichtern intern nochmal sprechen", sagte er.

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Wie reagiert Gegner SC Freiburg auf die kurze Überzahl?

"Ich gehe fest davon aus, dass wir kein Einspruch einlegen müssen. Sondern dass es ein Regelwerk gibt. Diesem Regelwerk unterliegen wir und danach wird gehandelt. Das ist mein Verständnis", sagte Freiburgs Trainer Christian Streich kurze Zeit nach dem Spiel. Freiburgs Neu-Nationalspieler Nico Schlotterbeck hatte während der Partie kurz durchgezählt und war sich sicher: Die Bayern haben einen Mann zu viel auf dem Platz. "Mir ist aufgefallen, dass Niki reinkommt und keiner rausgeht", sagte SC-Verteidiger Nico Schlotterbeck dem TV-Sender Sky. Freiburgs Sport-Vorstand Jochen Saier hatte den Schiedsrichter ebenfalls auf die Überzahl aufmerksam gemacht. "Skurril, insgesamt war es allerdings ein bitterer Nachmittag. Wir waren gut im Spiel, geraten dann in Rückstand und verlieren am Ende zu hoch", sagte Saier.

Für Routinier Nils Petersen drängte die Panne selbst die bittere 1:4-Heimniederlage zunächst an den Rand. "Es ist ein großes Tohuwabohu bei uns, und deswegen sind wir alle sehr, sehr gespannt, was passiert. Aber wir sind ja auch keine Juristen", sagte der 33 Jahre alte Profi. Man habe noch Zeit, "um Protest einlegen zu können. Da werden die Telefone heute heiß glühen hier im Stadion, und dann wird man halt abwägen, was das Richtige ist." Das Ganze sei "natürlich Thema Nummer eins in der Kabine".

Wie ist der aktuelle Stand?

Einen Tag nach dem Spiel gaben die Verantwortlichen des SC Freiburg bekannt, dass sie noch einen Einspruch prüfen. "Stand ist nach wie vor, dass sie sich das anschauen", sagte ein Vereinssprecher der Deutschen Presse-Agentur: "Wir werden etwas kommunizieren, wenn es etwas zu kommunizieren gibt. Einen Zeitplan haben wir dafür nicht." Der Protest müsste aber bis Montagnachmittag eingelegt werden.

Mit welchen Konsequenzen muss der FC Bayern rechnen?

Wie Trainer Streich bereits am Samstag nach dem Spiel betonte, werden die Freiburger wohl keinen Einspruch einlegen. Ob der Wechselfehler noch Konsequenzen habe würde, wollte Freiburg-Boss Saier nicht beurteilen. "Der Schiedsrichter hat es lange für sich bewertet und dann weiterlaufen lassen. Wir müssen alle - da es sehr emotional auf den Bänken war - runterkochen und darüber nachdenken", sagte er. Sollten die Freiburger davon absehen, wird auch der Deutsche Fußball-Bund nicht tätig werden. "Der Kontrollausschuss hat keine rechtlichen Möglichkeiten, Einspruch gegen die Spielwertung einzulegen", sagte ein DFB-Sprecher am Sonntag mit Blick auf die Regel 3, Ziffer 7 und 9, des Regelwerks. "Dies kann der SC Freiburg beim DFB-Sportgericht innerhalb von 48 Stunden machen. Dieses Recht ist ihm unbenommen", hieß es vom DFB weiter. Nach dpa-Informationen habe es sich aus Sicht des Verbands bei dem Vorfall nicht um eine Regelwidrigkeit, sondern um einen Irrtum gehandelt.

Was steht im DFB-Regelwerk?

Möglich wäre nach dem Wechselfehler des FC Bayern die Anwendung der Regel 3 der Fußball-Regeln des DFB. Im Abschnitt "Zusätzliche Personen auf dem Spielfeld" heißt es unter anderem: "Wenn ein Teamoffizieller, ein Auswechselspieler, ein ausgewechselter oder des Feldes verwiesener Spieler oder eine Drittperson das Spielfeld betritt, muss der Schiedsrichter:

- das Spiel nur unterbrechen, wenn eine solche Person ins Spiel eingreift,
- die Person vom Spielfeld weisen, nachdem das Spiel unterbrochen wurde,
- und entsprechende Disziplinarmaßnahmen ergreifen

Bei einer Spielunterbrechung aufgrund eines Eingriffs durch:

- einen Teamoffiziellen, einen Auswechselspieler oder einen ausgewechselten oder des Feldes verwiesenen Spieler wird das Spiel mit einem direkten Freistoß oder Strafstoß fortgesetzt,

- eine Drittperson wird das Spiel mit einem Schiedsrichterball fortgesetzt.“

Debattiert wird darüber, ob in diesem Fall auch Paragraf 17 Absatz 4 der Rechts- und Verfahrensordnung des DFB angewendet werden könnte. Darin heißt es: "War in einem Spiel ein Spieler nicht spiel- oder einsatzberechtigt, so ist das Spiel für die Mannschaft, die diesen Spieler schuldhaft eingesetzt hatte, mit 0:2 verloren und für den Gegner mit 2:0 gewonnen zu werten, es sei denn, das Spiel war nach dem Einsatz des nicht spiel- oder einsatzberechtigten Spielers noch nicht durch den Schiedsrichter fortgesetzt. In diesem Fall bleibt die Spielwertung bestehen."

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