15. April 2020 / 10:26 Uhr

Vor 25 Jahren: Trapattoni, Hamann und der Wechselfehler - Bayern siegt und verliert doch

Vor 25 Jahren: Trapattoni, Hamann und der Wechselfehler - Bayern siegt und verliert doch

Patrick Strasser
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Mit der Einwechslung von Dietmar Hamann (l.) unterlief Bayern-Trainer Giovanni Trapattoni (r.) vor 25 Jahren ein fataler Fehler.
Mit der Einwechslung von Dietmar Hamann (l.) unterlief Bayern-Trainer Giovanni Trapattoni (r.) vor 25 Jahren ein fataler Fehler. © imago images/WEREK/ULMER/Team 2/Montage
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Vor genau 25 Jahren wurde dem FC Bayern ein Fehler von Giovanni Trapattoni zum Verhängnis. Die Einwechslung von Dietmar Hamann kostete die Münchner den Sieg bei Eintracht Frankfurt. Ein Blick zurück.

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Spiele zwischen dem FC Bayern und Eintracht Frankfurt hatten in den vergangenen knapp zwei Jahren stets einen Hauptdarsteller: Niko Kovac. Im Mai 2018 gewann der Trainer den DFB-Pokal. Mit der Eintracht, gegen die Bayern. Wenige Monate später holte er den DFL-Supercup. Mit den Bayern, gegen die Eintracht. Im Mai 2019 gewann er mit den Münchnern in der Liga 5:1, wurde Meister. Im November 2019 verlor er mit den Bayern 1:5, wurde entlassen. Trainerschicksale.

Wie auch Wechselfehler, die in der Geschichte des Fußballs zu den folgenreichsten Patzern der Männer an der Seitenlinie gehören. Einer der spektakulärsten Fälle war der Lapsus von Giovanni Trapattoni, der ihm heute auf den Tag genau vor 25 Jahren widerfuhr. Der Italiener, stets mit einer Vorliebe für junge, ungeschliffene Talente, wechselte am 15. April 1995 im Frankfurter Waldstadion einen vierten Amateur-Spieler ein. Auf ewig mit diesem Wechselfehler verbunden: Didi Hamann, heute Experte für den TV-Sender Sky.

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Am 26. Spieltag standen die Bayern damals als Bundesliga-Sechster mit "Trap", ihrem Defensiv-Fanatiker, mächtig unter Druck. Man hatte von den vergangenen sieben Spielen nur eines (bei fünf Unentschieden) gewonnen. Grund waren unter anderem dicke Personalprobleme. Nach Frankfurt reisten die Münchner mit nur zwölf einsatzfähigen Profis, in der Startelf standen neun von ihnen. Ergänzt wurde die Anfangsformation von zwei Amateuren: Torhüter Sven Scheuer, der den verletzten Oliver Kahn vertrat, und Sammy Kuffour. Als nach 25 Minuten Thomas Helmer vom Platz humpelte, brachte Trapattoni mit Marco Grimm den dritten Spieler aus der vereinseigenen Amateurabteilung.

Hamann erhält Vorzug vor Sutter und Sternkopf

Alles noch korrekt. Die Bayern machten eine gute Partie, führten in der zweiten Halbzeit durch die Treffer von Markus Schupp, Marcel Witeczek und Christian Ziege mit 3:2, als das Schicksal in der 73. Minute seinen Lauf nahm. Es war 16.56 Uhr, als der Coach Angreifer Witeczek herausbeorderte und den damals 21-jährigen Hamann, ebenfalls einen Vertragsamateur, ins Spiel schickte. Das Fatale: Auch die beiden Profis Alain Sutter und Michael Sternkopf waren Joker-Kandidaten, doch Trapattoni wählte die – vermeintlich – sichere Alternative, um das 3:2 über die Zeit zu bringen: den defensiven Mittelfeldspieler Hamann.

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Mehr als drei Amateure waren jedoch nur nach vorheriger Sondergenehmigung erlaubt – und die hatte der sonst an alles denkende Manager Uli Hoeneß nicht eingereicht. Bayerns Pressechef Markus Hörwick eilte von der Tribüne in den Innenraum, er erkannte das drohende Unheil - zu spät. Das Kuriose: In der letzten Viertelstunde erhöhten die Bayern noch durch Dieter Frey und wiederum Ziege auf 5:2. Aber der höchste Erfolg aller Zeiten für die Münchner in Frankfurt wurde am Ende doch zu einer Niederlage. Die Spieler winkten den Fans zu und blickten verdutzt, als sie auf dem Weg in die Kabine von den Bossen um Geschäftsführer Karl Hopfner einen Maulkorb verhängt bekamen: Keine Interviews!

Hoeneß wettert: "Das ist menschlisches Versagen"

Hoeneß & Co. war klar: Wegen des Paragraphen 25, Absatz 4, der Lizenzspielerstatuten, in denen es heißt, dass "der Einsatz eines nicht spielberechtigten Spielers nach sich zieht, dass das Spiel für den Verein als verloren zu werten" ist, waren die Punkte futsch. Auf der Pressekonferenz gestand der total bediente Trapattoni seinen Fehler ein. Hoeneß gab "Trap" nicht die alleinige Schuld: "Das ist menschliches Versagen. Es ist auch meine Schuld und die von Klaus Augenthaler (dem Co-Trainer, d.Red.) Und peinlich ist es allemal.“ Die Eintracht legte Protest ein, das Sportgericht entscheidet auf 2:0 für die Hessen.