25. Februar 2020 / 07:30 Uhr

Ronald Reng: Deshalb ist es richtig, dass der FC Bayern Hansi Flick warten lässt

Ronald Reng: Deshalb ist es richtig, dass der FC Bayern Hansi Flick warten lässt

Ronald Reng
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Hansi Flick muss sich in den nächsten Wochen beim FC Bayern weiter beweisen, um sich einen neuen Vertrag zu erarbeiten.
Hansi Flick muss sich in den nächsten Wochen beim FC Bayern weiter beweisen, um sich einen neuen Vertrag zu erarbeiten. © imago images/Michael Weber
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Hansi Flick und der FC Bayern: Das scheint zu passen. 14 Siege in 17 Pflichtspielen, die Spielweise sei zudem wieder Bayern-like, schwärmte Karl-Heinz Rummenigge. Eine vorzeitige Vertragsverlängerung erhält Flick trotzdem nicht. SPORTBUZZER-Kolumnist Ronald Reng erklärt, warum das richtig ist.

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Vor ziemlich genau einem Jahr schrieb an dieser Stelle jemand vom „Ich kam nach Mourinho“-Effekt. Die Theorie ging so: Ein neuer Fußballtrainer habe es leicht, wenn sein Vorgänger die Mannschaft – so wie oft José Mourinho – in ein zu defensives Spielsystem gesperrt hatte. Weil dann jede Lockerung des Neuen wie eine Befreiung wirkt, wird die Elf sich kurzfristig immer verbessern.

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Ach so, das war ja ich, der das schrieb.

Ein Teil des Erfolgs von Hansi Flick liegt am "Ich kam nach Kovac"-Effekt

Ich zitiere mich aber nicht selbst, weil ich zu faul wäre, Neues zu schreiben. Sondern um zu erklären, warum der FC Bayern München absolut richtig liegt, den Vertrag von Neu-Trainer Hansi Flick trotz dessen exzellenter Arbeit noch nicht über das Saisonende hinaus zu verlängern. Denn ein Teil seines Erfolgs liegt am „Ich kam nach Kovac“-Effekt.

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Niko Kovac ließ den FC Bayern zehn Meter zu tief verteidigen und überhaupt zu vorsichtig agieren. Flick hat dies korrigiert, so wie er einzelne Personalfragen positiv löste, etwa die Aufwertung von Thomas Müller und Jo­shua Kimmich in seinem Spiel. Er hat die Arbeit mehr zu einem Miteinander mit den Spielern gemacht, wo Kovac auf Ansagen setzte. Und der FC Bayern spielt wie befreit.


Die Arbeit von Hansi Flick lässt sich erst in einigen Wochen richtig beurteilen

Aber alle Maßnahmen wirken vier Monate nach dem Trainerwechsel eben auch noch, weil sie den Spielern wie Korrekturen der vorherigen Missstände erscheinen. An diesem Dienstag beginnen mit dem Champions-League-Achtelfinale gegen Chelsea die entscheidenden Spiele der Saison, das gibt den Verantwortlichen Gelegenheit, Flicks Arbeit in den größtmöglichen Stressmomenten zu überprüfen: Welche taktischen Nuancen gibt er der Elf mit, wenn solche Details Spiele entscheiden? Wie managt er den Seelenfrieden der Elf, wenn etliche Spieler merken, dass der Trainer in den wichtigsten Partien doch nicht auf sie setzt?

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Der SPORTBUZZER zeigt, was aus den Spielern wurde, die in der Startelf des „Finale dahoam“ standen. Zur Galerie
Der SPORTBUZZER zeigt, was aus den Spielern wurde, die in der Startelf des „Finale dahoam“ standen. ©

Der FC Bayern darf sich nicht von den vielen Stimmen treiben lassen, die unter dem Eindruck der Anfangserfolge einen Langzeitvertrag für Flick fordern. *In drei, vier Wochen lässt sich viel klarer beurteilen, ob es auch einen „Hansi Flick ist einfach gut“-Effekt gab. *

Immer dienstags wechseln sich an dieser Stelle Bestseller-Autor Ronald Reng, der Ex-Schiedsrichter und heutige Motivationscoach Babak Rafati, Sky-Kommentator Wolff Fuss und Jochen Breyer, Moderator des ZDF-„Sportstudios“, mit Meinungsbeiträgen ab. Sie sind alle Kolum­nisten des RedaktionsNetzwerks Deutschland (RND).