18. Oktober 2017 / 07:53 Uhr

FC Bayern in der Champions League: Heynckes, die Finalgarantie

FC Bayern in der Champions League: Heynckes, die Finalgarantie

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Champions League? Kann ich. Jupp Heynckes ist Spezialist in der Königsklasse.
Champions League? Kann ich. Jupp Heynckes ist Spezialist in der Königsklasse. © imago
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Immer wenn Jupp Heynckes einen Klub in der Champions League trainierte, erreichte dieser das Finale: Dreimal Königsklasse, dreimal Endspiel. Was soll da für die Bayern schiefgehen?

Erbarmen, die Schotten kommen! Doch der FC Bayern hat ja Jupp Heynckes. Also: Wo ist das Problem? Der Wahl-Münchner konnte es schon immer mit den Kilt-Trägern aufnehmen. Als Bayern-Trainer kam er im Europapokal zweimal weiter: im Frühjahr 1989 gegen Heart of Midlothian aus Edinburgh (0:1, 2:0) und im Herbst desselben Jahres gegen die Glasgow Rangers (3:1, 0:0). Heute kommt Celtic, Rangers-Stadtrivale, Verein mit irischen Wurzeln und katholischem Hintergrund.

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Gegen dieses Celtic Glasgow (20.45 Uhr, ZDF und Sky live) gibt Heynckes sein Comeback auf europäischer Bühne. Seine vorerst letzte Partie in der Champions League? Das Finale von Wembley 2013, als die Heynckes-Bayern mit 2:1 gegen Borussia Dortmund gewannen. Der zweite Baustein des Triples war im Grunde der perfekte Abgang vom Trainer-Business. Bis Uli Hoeneß nach dem desaströsen 0:3 der Bayern vor drei Wochen bei Paris Saint-Germain seinen Freund Jupp auf dem Bauernhof im niederrheinischen Schwalmtal anrief.

FC Bayern: Die Aufstellung von Jupp Heynckes im Champions-League-Finale 2013

Jupp Heynckes: In seinem letzten Champions-League-Spiel gewann er mit dem FC Bayern den Titel gegen Borussia Dortmund. Wir zeigen, welche Stars unter ihm 2013 auf dem Platz standen - und wer auf der Bank saß. Zur Galerie
Jupp Heynckes: In seinem letzten Champions-League-Spiel gewann er mit dem FC Bayern den Titel gegen Borussia Dortmund. Wir zeigen, welche Stars unter ihm 2013 auf dem Platz standen - und wer auf der Bank saß. ©

Heynckes rotiert nicht wie Ancelotti

„Man verliert immer mal ein Gruppenspiel, das ist nichts Neues“, sagte Heynckes am Dienstagnachmittag, „der FC Bayern hat in diesem Wettbewerb große Ambitionen, ich selbstverständlich auch. Wir wollen uns für das Achtelfinale qualifizieren. Ich denke, dass ich da genug Erfahrung habe, meine Mannschaft dementsprechend einzustellen.“ Was das Personal betrifft, will er nicht viel rotieren. Der an der Schulter verletzte Sechser Javi Martínez wird wohl von Sebastian Rudy ersetzt, ansonsten will Heynckes – anders als sein Vorgänger Carlo Ancelotti dessen exzessives Rotieren ihm zum Verhängnis wurde – nichts verändern. Konstanz zählt. Sicherheit muss wieder her. Denn, so Heynckes: „Die Champions League ist ein prickelnder Wettbewerb, das Niveau gigantisch.“

Kaum zu glauben, aber wahr: Es ist erst Heynckes’ vierte Teilnahme in der Champions League, seitdem der Wettbewerb 1992 aus dem Europapokal der Landesmeister hervorging. Zum erneuten Anlauf auf Europas Thron kam der 72-Jährige wie die Jungfrau zum Kinde – und nun auch wieder zum Pott? Es gibt keinen größeren Experten in Sachen Königsklasse als Heynckes. Drei Teilnahmen, drei Finals, zwei Triumphe. 1998 gewann er mit Real Madrid das Finale von Amsterdam gegen Juventus Turin mit 1:0. Der Henkelpott kam nach 32 Jahren wieder in die spanische Hauptstadt.

Das erste Training an der Säbener Straße: Jupp Heynckes und der Auftakt beim FC Bayern - die Bilder

Jupp Heynckes und das erste Training beim FC Bayern nach seiner offiziellen Vorstellung. Zur Galerie
Jupp Heynckes und das erste Training beim FC Bayern nach seiner offiziellen Vorstellung. ©

"Ach, ich liebe in der Gegenwart"

„Das müssen Sie sich einmal vorstellen“, erzählte Heynckes mit leuchtenden Augen, „nach 32 Jahren! Heutzutage unvorstellbar, dass es noch einmal so lange dauern wird.“ Real ist Titelverteidiger, gewann die Champions League als erster Verein zweimal hintereinander. Die Party von 1998 hat Heynckes abgespeichert. „Da waren rund eine Million Menschen auf den Beinen, als wir zurückkamen und dann am Cibeles-Brunnen gefeiert haben.“ Angeschaut hat er sich die 19 Jahre alten Bilder nicht mehr. Wie alle Finals. „Ach“, sagte Heynckes, „das mache ich nicht. Ich lebe in der Gegenwart.“ Er beobachtet lieber den aktuellen Fußball, schaut sich unzählige Livespiele an, zuletzt zu Hause auf dem Bauernhof, nun im Münchner Hotel.

Vielleicht denkt Heynckes auch nicht so gern an die Zeit bei den „Königlichen“ zurück, weil er trotz des Triumphs in der Königsklasse nach nur einem Jahr entlassen wurde. Unter anderem weil Real in der spanischen Liga nur Platz vier belegte.


Mit dem FC Bayern kreuzten sich die Wege von Heynckes und Real im April 2012. In einem dramatischen Elfmeterschießen erreichte man das „Finale dahoam“, das dann in einer noch dramatischeren Entscheidung vom Punkt gegen den FC Chelsea verloren wurde. Trotz dieses traumatischen Rückschlags, mit der Antiklimax Vize-Triple obendrauf, rafften sich die Bayern auf, angeführt vom plötzlich kompromissloseren und die Spieler härter anpackenden Heynckes. Am Ende stand der Champions-League-Erfolg 2013 und damit die einmalige Bilanz, bei drei Versuchen immer das Endspiel erreicht zu haben. Jupp, die Finalgarantie.