27. April 2021 / 13:54 Uhr

Kommentar zu Julian Nagelsmann: "The Expensive One" steht beim FC Bayern sofort unter Druck

Kommentar zu Julian Nagelsmann: "The Expensive One" steht beim FC Bayern sofort unter Druck

Tom Vaagt
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Auf Julian Nagelsmann lastet gleich zu Beginn seiner Bayern-Amtszeit großer Druck, meint SPORTBUZZER-Redaktionsleiter Tom Vaagt.
Auf Julian Nagelsmann lastet gleich zu Beginn seiner Bayern-Amtszeit großer Druck, meint SPORTBUZZER-Redaktionsleiter Tom Vaagt. © IMAGO/Sven Simon (Montage)
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Für Julian Nagelsmann erfüllt sich mit dem Engagement beim FC Bayern ein Lebenstraum. Doch traumhafte Zeiten sind dem 33-Jährigen in München keinesfalls garantiert. Der Druck ist aus mehreren Gründen immens, meint SPORTBUZZER-Redaktionsleiter Tom Vaagt.

Wer beim FC Bayern einen Vertrag unterschreibt, unterschreibt die Garantie auf Titel gleich mit. Das galt bisher ebenso unverrückbar für Spieler wie für Trainer. Der letzte Coach, bei dem diese Weisheit keine Anwendung fand, war Jürgen Klinsmann. Auf den Tag genau zwölf Jahre nachdem dieses für beide Seiten eher freudlose Kapitel beendet war, präsentierten die Münchner am Dienstag Julian Nagelsmann als künftigen Mann auf der Bank. Der Shootingstar der deutschen Trainer-Branche soll nun sein wie die Titelsammler vor ihm. Ein wenig Hansi Flick, eine kleine Prise Jupp Heynckes, ja vielleicht sogar ein Tröpfchen Louis van Gaal.

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Nagelsmann kann das. Das hat er bei der TSG Hoffenheim und zuletzt bei RB Leipzig bewiesen. Doch sind ihm Titel wirklich garantiert? Abwarten. Auf den Trainer kommen jedenfalls größere Herausforderungen als auf viele seiner Vorgänger zu. Da wäre zunächst einmal die Ablöse. Angeblich bis zu 25 Millionen Euro müssen die Bayern für Nagelsmann nach Sachsen überweisen. Hätten die Münchner diese Summe in zwei Zauber-Füße mit Knipser- oder Spielmacherqualitäten investiert, hätte dies selbst in Corona-Zeiten kaum für Verwunderung gesorgt. Für einen Trainer griff allerdings weltweit noch nie Verein so tief in die Tasche. Ist José Mourinho "The Special One" und Jürgen Klopp "The Normal One", haftet Nagelsmann ab sofort das Etikett "The Expensive One" an. Für weniger Druck sorgt dies nicht.

Eine weitere Baustelle, die den neuen Trainer in München erwartet: Der Kader. Schon Hansi Flick war mit der Breite des Aufgebots nicht einverstanden und suchte nach Scharmützeln mit Sportvorstand Hasan Salihamidzic über die Personalpolitik das Weite. Ein Konfliktpotenzial, das nun auch den als durchaus meinungsstark geltenden Nagelsmann erwarten könnte. Klar, die Bayern verfügen mit Manuel Neuer, Joshua Kimmich, Robert Lewandowski, Serge Gnabry & Co. über gigantische Qualität. Hinter der ersten Elf franst das Aufgebot jedoch recht schnell aus. Und: Ob die Münchner nach der Verpflichtung von Nagelsmanns Leipziger Abwehrchef Dayot Upamecano noch weitere Male hohe Millionen-Summen für Verstärkungen auf den Tisch legen, ist mindestens offen.

Zu guter Letzt ist da noch das "Mia san Mia". Der Münchner Vereinsslogan, steht für so etwas wie ein "Uns kann keiner was". Und das nie. Für Nagelsmann bedeutet das: Er muss liefern. Sofort. Ohne Kompromisse. Ohne Flitterwochen. Und ohne Eingewöhnungszeit. Er muss Titel garantieren. Der Druck ist immens. Aus vielen Gründen.