15. April 2022 / 12:03 Uhr

Wer kommt? Wer geht? Wer bleibt? - Wie der FC Bayern jetzt am Kader der Zukunft bastelt

Wer kommt? Wer geht? Wer bleibt? - Wie der FC Bayern jetzt am Kader der Zukunft bastelt

Patrick Strasser
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Spielen in der Kaderplanungen des FC Bayern eine Rolle: Noussair Mazraoui, Serge Gnabry und Thomas Müller (v.l.)
Spielen in der Kaderplanungen des FC Bayern eine Rolle: Noussair Mazraoui, Serge Gnabry und Thomas Müller (v.l.) © IMAGO/Revierfoto/Passion2Press/Moritz Müller (Montage)
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Nach dem Champions-League-Aus rücken beim FC Bayern zahlreiche Personalfragen in den Fokus: Wer kommt? Wer geht? Wer bleibt? Der SPORTBUZZER gibt einen Überblick über die Kader-Baustellen und Transfer-Kandidaten.

Das Aus in der Champions League gegen den FC Villarreal bedeutet für den FC Bayern München nicht weniger als eine Zäsur. Bereits im Training am Mittwoch startete Trainer Julian Nagelsmann mit der Aufarbeitung der Fehler im Viertelfinal-Rückspiel (1:1) per Video. Gleichzeitig begann die Vorbereitung auf Spiel eins nach dem Versagen gegen Villarreal, am Ostersonntag heißt die Bundesliga-Realität Arminia Bielefeld (15.30 Uhr). Die erhofften Glamour-Duelle mit dem FC Liverpool im Halbfinale der Königsklasse sind hinfällig, der Alltag der kommenden Wochen heißt Bielefeld, Borussia Dortmund – immerhin – sowie Mainz, Stuttgart und Wolfsburg.

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"Ein sehr bitterer und enttäuschender Abend für uns und alle Fans! Unsere Spieler haben alles reingeworfen und immer an das Weiterkommen geglaubt. Jetzt gilt es die volle Konzentration auf die Meisterschaft zu richten", forderte Vorstandschef Oliver Kahn per Twitter und mahnte, "nun, die richtigen Schlüsse daraus zu ziehen, um die Weichen für die kommende Saison zu stellen". Als eine Art Memo an sich selbst. Schließlich gehört der ehemalige Weltklasse-Torwart im Verbund mit Sportvorstand Hasan Salihamidzic und dem Technischen Direktor Marco Neppe zu den Entscheidern in Sachen Kaderplanung für die Saison 2022/23, die zweite unter Cheftrainer Julian Nagelsmann.

Und wie sieht sie aus, die Mannschaft der Zukunft des FC Bayern? Als Abgänge stehen bisher Innenverteidiger Niklas Süle (ablösefrei zu Borussia Dortmund) und wohl auch Mittelfeldspieler Corentin Tolisso (Vertrag läuft aus, Zukunft offen) fest. Keine Zukunft haben außerdem die Ergänzungsspieler Buona Sarr und Marc Roca, die bei entsprechenden Angeboten den Verein verlassen können – um wenigstens eine geringe Ablöse zu erzielen, ist kein Leihgeschäft geplant. Was bei Malik Tillman und Josip Stanisic wiederum denkbar ist.

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Für die kommende Saison sehen die Bayern-Bosse in Absprache mit Nagelsmann auf drei Positionen absoluten Handlungsbedarf. In der Sommerpause sollen unter Vertrag genommen werden: Ein Rechtsverteidiger, ein Innenverteidiger und ein zentraler Mittelfeldspieler. Nach mehr als zwei Jahren Corona-Pandemie versuchen die Bayern, in erster Linie ablösefreie Spieler zu verpflichten – immer mit Blick auf jüngere, entwicklungsfähige Profis, die man im Fall der Fälle später gewinnbringend verkaufen könnte.

Der FC Bayern im Kader-Check

Tor: Manuel Neuer ist natürlich die unumstrittene Nummer eins. Der Vertrag von Sven Ulreich, dem stets zuverlässigen Stellvertreter des Nationaltorhüters, soll über das Saisonende um ein, zwei Jahre verlängern werden. Kann man sich nicht einigen, müsste eine neue Nummer zwei verpflichtet werden. Dann wäre Stefan Ortega von Arminia Bielefeld (Ablöse erforderlich!) der Top-Kandidat.

Abwehr: Noussair Mazraoui (24) kommt ablösefrei von Ajax Amsterdam und soll die Probleme auf der rechten Abwehrseite beheben. Der marokkanisch-niederländische Profi-Fußball gilt als Wunschspieler von Nagelsmann, dafür soll Benjamin Pavard in die Abwehrmitte rücken. Der im Sommer ablösefreie Innenverteidiger Matthias Ginter (Borussia Mönchengladbach) könnte eine weitere Kader-Ergänzung werden. Von ihm ist man an der Säbener Straße allerdings nicht komplett überzeugt. Freiburgs Neu-Nationalspieler Nico Schlotterbeck tendiert zu einem Wechsel zu Borussia Dortmund. Mit Mazraoui über rechts und Alphonso Davies über links sowie den Innenverteidigern Dayot Upamecano, Lucas Hernández, Pavard und Talent Tanguy Nianzou glaubt man bei Bayern, in der Defensive nach dem Abgang von Süle gut aufgestellt zu sein.

Mittelfeld: Für den zweiten Ajax-Profi, für Ryan Gravenberch (19) müssen die Bayern rund 28 Millionen Euro Ablöse plus etwaige Bonuszahlungen nach Amsterdam überweisen. Gravenberch soll als Achter eine Konkurrenz für Leon Goretzka darstellen und eine Alternative zu ihm in der Zukunft werden. Joshua Kimmich gilt als Sechser weiterhin gesetzt, Jamal Musiala bewies, dass ihm die zentrale Rolle – ob defensiv oder offensiv – auch liegt. Von Marcel Sabitzer erhofft man sich in seiner zweiten Saison in München eine deutliche Leistungssteigerung.

Flügelpositionen: Sollte man sich mit Außenstürmer Serge Gnabry nicht über eine Vertragsverlängerung über 2023 hinaus einigen können und der DFB-Nationalspieler schon diesen Sommer den FC Bayern verlassen, müsste man einen Außenstürmer-Ersatz verpflichten. Ein heiß gehandelter Kandidat: der Brasilianer Raphinha (25) von Leeds United. Allerdings nur dann, falls man für Gnabry eine hohe Ablöse erzielen würde. Leroy Sané und Kingsley Coman sind für die Flügelpositionen eingeplant, in deren Schatten soll der 16-jährige Paul Wanner weiter reifen.

Angriff: Routinier und Offensivfreigeist Thomas Müller bleibt als gute Seele und verlängerter Arm des Trainers Bayerns Identifikationsfigur, soll bald über 2023 noch mal verlängern. Eric-Maxim Choupo-Moting hat noch eine weitere Saison Vertrag als Mittelstürmer-Backup von Robert Lewandowski Vertrag. Doch ist der FIFA-Weltfußballer kommende Saison trotz eines Arbeitspapiers bis 2023 überhaupt noch in München. Der FC Barcelona will den Torjäger unbedingt, die Bayern müssen sich entscheiden: Diese Saison noch eine hohe Ablöse erzielen oder ihn 2023 unentgeltlich ziehen lassen? So oder so bereitet man sich an der Säbener Straße auf den Tag X ohne "Lewy" vor. Intern hört man vom Interesse an Leverkusens Patrik Schick (26), der im Tschechien-Trikot Torschützenkönig der EM 2020 wurde. Doch die wohl geforderten 75 Millionen Euro Ablöse sind ebenfalls zu viel wie das mehr als 350-Millionen-Euro schwere Gesamtpaket aus Ablöse, Gehalt und Beraterhonorar für Dortmunds Erling Haaland (21). Günstiger wäre, vor allem im Fall des Stuttgarter Abstiegs, VfB-Mittelstürmer Sasa Kalajdzic (24): Rund 20 Millionen Euro Ablöse.