08. Februar 2020 / 05:30 Uhr

Karl-Heinz Rummenigge über RB Leipzig, Red Bull und die Transfer-Philosophie des FC Bayern

Karl-Heinz Rummenigge über RB Leipzig, Red Bull und die Transfer-Philosophie des FC Bayern

Raimund Hinko
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Karl-Heinz Rummenigge spricht im SPORTBUZZER-Interview unter anderem über die Transfer-Philosophie des FC Bayern. 
Karl-Heinz Rummenigge spricht im SPORTBUZZER-Interview unter anderem über die Transfer-Philosophie des FC Bayern.  © dpa
Anzeige

Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge spricht im SPORTBUZZER-Interview über das anstehende Top-Spiel gegen RB Leipzig und lobt die Sachsen in höchsten Tönen. Zudem äußert er sich zur Transfer-Philosophie der Münchner und das Verhältnis zum BVB.

Anzeige

SPORTBUZZER: Herr Rummenigge, am Sonntag kommt RB Leipzig nach München. Eine Mehrheit der Fans verurteilt, dass RB dank des Getränkeherstellers Red Bull so groß geworden ist.

Anzeige

Karl-Heinz Rummenigge (64): Ich habe das nie so gesehen. Natürlich hat dieser Klub eine andere Geschichte und eine andere Struktur als die meisten Vereine der Bundesliga. So haben sie, wie ich gehört habe, beispielsweise nur 17 Mitglieder (Bayern ist mit 293 000 Mitgliedern der größte Sportverein der Welt; Anm. d. Red.). Da Red Bull den Klub mit aus der Taufe gehoben hat, werden sie in den Fankurven kritisch gesehen. Aber ich finde, in den zehn Jahren, seit es RB gibt, haben sie einen erstklassigen Job gemacht. Ich kenne den Kollegen Oliver Mintzlaff gut, halte viel von ihm.

Wenn da nicht die Finanzen wären.

Ich denke, dass der Klub das seriös macht. Dieser Klub steht der Republik gut zu Gesicht.

Mehr vom SPORTBUZZER

Was verstehen Sie unter seriös?

Unter seriös verstehe ich, dass sie die Vorgaben der UEFA in Sachen Financial Fairplay ohne Beanstandung umsetzen. Das gilt nicht für jeden Klub in Europa. Der Verein musste, von der 5. Liga kommend, komplett neu aufgebaut werden. Was da in den letzten Jahren geschaffen wurde, die Strukturen, die Transfers, die Trainer, das hat alles eine klare und gute Handschrift und Philosophie.

Die Stimmen der Wettbewerbsverzerrung wollen nicht verstummen.

Alle Klubs, die Champions League spielen, müssen die Vorgaben des Financial Fairplay erfüllen. Und das ist bei RB Leipzig offensichtlich der Fall. Dementsprechend ist dieser Vorwurf nicht zutreffend.

Lässt sich Leipzig vergleichen mit Leverkusen (Bayer), Wolfsburg (VW) und Hoffenheim (Dietmar Hopps SAP)?

In der Bundesliga gilt die Regel 50 plus eins (der Stammverein muss die Mehrheit halten; Anm. d. Red.). Für Leverkusen, Wolfsburg und Hoffenheim gibt es eine Ausnahme. Diese Sonderregelung hat Leipzig nicht in Anspruch genommen. Auch bei den anderen genannten Vereinen würde ich die finanzielle Ausgestaltung als seriös bezeichnen. Die Bundesliga ist sowieso die finanziell gesehen gesündeste Liga in ganz Europa. Wenn alle so seriös wirtschaften würden wie die Bundesliga, hätten wir im Fußball eine bessere Welt.

Ist RB ein Modell für die Zukunft?

Wir sollten nicht kritisch nach Leipzig schauen. Es ist der einzige Bundesliga-Klub im Osten, sie haben ihre Region stolz gemacht. Sie haben bisher auch in der Champions League eine gute Rolle gespielt, wichtige Punkte geholt – auch zum Wohle der Bundesliga. Sie stehen zu Recht da oben.

Wird Leipzig auf Jahre der Konkurrent? Oder doch eher der BVB?

Ich schätze den BVB von der Substanz und der Qualität her höher ein. Aber ich glaube, dass RB eine dritte Kraft in dieser Republik ist.

Anzeige

Bayern hat Dortmund in der Vergangenheit mit Transfers gezielt geschwächt.

Es ist ein nettes Spiel für die Öffentlichkeit, wenn Dortmund Erling Haaland kauft oder Leipzig Dani Olmo, zu mutmaßen, Bayern hätte auch Interesse an den beiden gehabt. Aber auf dem Transfermarkt musst du eine eigene, klare Philosophie haben, nicht an Spielern Interesse haben, weil sie sonst vielleicht nach Leipzig oder Dortmund gehen könnten. So zu ticken wäre ja fast peinlich. Du musst nach Notwendigkeit und eigenem Bedarf kaufen.

Transfers: Die Winter-Zugänge der Bundesliga-Klubs 2019/20

Erling Haaland, Emre Can, Krzysztof Piatek und Dani Olmo (v.l.) spielen künftig in der Bundesliga. Der <b>SPORT</b>BUZZER wirft einen Blick auf die Wintertransfers der Vereine. Zur Galerie
Erling Haaland, Emre Can, Krzysztof Piatek und Dani Olmo (v.l.) spielen künftig in der Bundesliga. Der SPORTBUZZER wirft einen Blick auf die Wintertransfers der Vereine. ©

Hatte der FC Bayern an Olmo kein Interesse?

Es war kein Thema für uns.

An Leipzigs Timo Werner war Bayern dran. Und angeblich besteht auch Interesse am Abwehrhünen Dayot Upamecano.

Dazu sage ich wie immer bei solchen Fragen ...

… ja, ja: „Ich möchte nicht über Spieler sprechen, die bei anderen Klubs unter Vertrag stehen.“

Das sind gute Spieler bei unserem aktuell größten Widersacher. Aber alleine der Respekt verbietet es, über diese Spieler in der Öffentlichkeit einen Kommentar abzugeben.

Wenn Sie dennoch von Leipzig einen Spieler kaufen wollen …

Ich bin immer ein Freund der direkten Kommunikation. 2013 gab es beim Transfer von Mario Götze Stress mit dem BVB, weil wir den Klub vorher nicht informiert hatten. Seitdem gab es mit dem Kollegen Hans-Joachim Watzke, mit dem ich ein sehr vernünftiges Verhältnis habe, keinen Stress mehr. Wenn heute ein Spieler von Dortmund zu Bayern geht oder umgekehrt, ruft der eine den anderen an, einfach der Atmosphäre wegen. Das gilt nicht nur für Dortmund, sondern für alle Vereine.

Neuer, Goretzka, Lewandowski & Co. - Das sind die Vertragslaufzeiten der Bayern-Stars

Goretzka, Müller, Neuer, Lewandowski & Co. - das sind die Vertragslaufzeiten der Bayern-Stars! Zur Galerie
Goretzka, Müller, Neuer, Lewandowski & Co. - das sind die Vertragslaufzeiten der Bayern-Stars! ©

Stress könnte es geben, weil bei Bayern 2021 sechs Verträge verdienter Spieler auslaufen. Wie steht es um Manuel Neuer, wo doch Alexander Nübel nach München kommt?

Wir werden mit allen Spielern Gespräche führen, deren Verträge 2021 auslaufen. Wir haben jetzt sehr wichtige Wochen. Das beginnt mit RB Leipzig am Sonntag, dann in der Champions League gegen Chelsea. Wir möchten, dass sich die Spieler jetzt auf diese wichtigen Spiele voll konzentrieren.

Damit sie so reagieren wie einst „Bulle“ Franz Roth?

Ja, der Bulle. Hatte zum Schluss seiner Karriere immer Einjahresverträge. Wenn es eng wurde, schoss er ein wichtiges Tor. Wie in den Europacup-Finals 1975 und 1976. Da blieb Bayern nichts anderes übrig als zu verlängern. Das war offensichtlich eine große Motivation.